Sommerhalbzeit: Kräftiges Minus für die Bäder . Zu viel Regen im Juni und Juli, dazu limitierte Besucherzahlen - die heurige Saison läuft schlecht für Freibäder.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 05. August 2020 (03:36)
Jede zweite Liege ist im Freibad Stockerau gesperrt, Baderatten und Sonnenanbeter lassen sich davon aber nicht stören.
Mohsburger

Die Badesaison ist geprägt von dem wechselhaften Wetter und von den Coronabestimmungen. Die NÖN hat in den Bädern nachgefragt, wie der Besuch ist und wie die Regeln umgesetzt werden.

 „Das Wetter war für Badegäste heuer noch nicht einladend“, erklärt Günter Lehner,  Betriebsleiter vom Freizeitzentrum Stockerau. Immerhin war man am vorerst heißesten Tag des Jahres in der vergangenen Woche ausgelastet. Das bedeutet, dass 1.560 Gäste im Bad waren, mehr sind wegen der Abstandsregeln nicht erlaubt. Platz gibt es eigentlich für 5.000 Sonnenhungrige. Sind nur noch 50 Plätze frei, schlägt die Kassa Alarm. Wer dann noch in der Warteschlange steht, kann umdrehen.

Den Besucherrückgang schätzt Lehner heuer auf rund 50 Prozent. Schuld allein habe nicht Covid-19, die Entwicklung zeichne sich schon länger ab. „Die Leute gehen nach dem Wetterbericht und schauen nicht beim Fenster raus“, so Lehner.

Dadurch hätten sich die Gäste um schöne Badetage gebracht. Anders als früher kommen auch kaum noch Wiener. „Wien hat stark in seine Bäder investiert“, weiß Lehner. Und eine weitere Gruppe fehlt: die Jugendlichen. Da ortet Lehner geänderte Gewohnheiten: „Sie chillen bis Mittag und verbringen dann viel Zeit mit den Smartphones.“

Im Bad ist das Personal natürlich bemüht darauf zu achten, dass die Abstandsregeln eingehalten werden, nicht immer mit Erfolg. „Bei großen Gruppen sind plötzlich alle miteinander verwandt, man hat keine Handhabe“, so Lehner.

Immerhin werde die Sperre jeder zweiten Liege neben dem Sportbecken eingehalten. Nahezu chancenlos ist man allerdings bei der Überwachung der Becken, denn theoretisch dürfen nur rund 220 Badegäste gleichzeitig ins Wasser. „Wen aber solle man rausholen?“, fragt Lehner.

Dieses Problem bestätigt Christoph Peißig, Geschäftsführer vom Berndl-Bad in Korneuburg: „Theorie und Praxis bei den Schwimmbecken sind weit auseinander. Bei 37 Grad wollen alle ins Wasser, man ist machtlos“. Zudem gebe es oft hitzige Diskussionen mit Badegästen. „Die persönliche Disziplin ist schrecklich“, so Peißig.

Debattiert werde schon vor der Kassa, weil die Abstände nicht eingehalten werden.

Zugelassen wäre das Bad übrigens für 6.000 Gäste, das Limit liegt derzeit allerdings bei 2.500. Rund zwei Drittel davon sind Wiener. Peißig: „Um 11 Uhr rufen schon die Leute an, weil die Wiener Bäder zu sind.“

Allerdings gibt es im Berndl-Bad keine Kartenreservierung. Die Folge: „Wenn es heiß ist, sind wir an der Kapazitätsgrenze!“, erklärt Peißig. Zur besseren Übersicht gibt es heuer auch eine Trennung zwischen Hallenbad und Freibad.

An der Seeschlacht in Langenzersdorf können laut dem zuständigen SPÖ-Gemeinderat Wolfgang Motz zusätzlich zu den 1.000 Saisonkarten pro Tag 600 Tageskarten erworben werden. „Da kann es schon passieren, dass an heißen Tagen der Zutritt gesperrt werden muss“, so Motz.

Die digitale Anzeige beim Eingang soll demnächst auch auf der Gemeindehomepage zu sehen sein, um interessierten Badegästen die Planung zu erleichtern. Für rund 1.500 Gäste ist auf dem Areal laut Motz ausreichend Platz, um die nötigen Abstände einhalten zu können. „Das geht sich gut aus, weil ja auch nicht immer alle Besitzer von Saisonkarten gleichzeitig da sind.“

Auf das Gelände des Badeteichs Gerasdorf dürfen nur 1.000 Badegäste, davon 100 mit Tageskarten, erklärt SPÖ-Stadtrat Michael Kramer. Die Auslastung wird via Live-Bildern von der Badeteichkassa auf der Gemeindehomepage angezeigt, ein System, das nun auch andere Bäder übernehmen, ist Kramer stolz. Mit den Gästen gibt es keine Probleme, „die Gerasdorfer sind sehr vernünftig und diszipliniert, was da Abstandhalten betrifft“, so Kramer.

Privat geführt ist der Auteich in Spillern vom Verein  für Erholung, Freizeit und Gesundheit. Das Areal ist groß genug für die Mitglieder“, erklärt Kassier Armin Stecher. Die Zahl der Tagesgäste ist allerding auf 150 limitiert.

Wer all die überwachten Bäder nicht mag, für den gibt es einen Geheimtipp in Korneuburg: Das Werftbad ist von der Ausstattung zwar dürftiger als alle anderen Bäder, dafür gibt es statt Limits nur die Selbstverantwortung und an fast allen Tagen mehr als ausreichend Platz. Die Wassertemperatur allerdings wird ausschließlich vom Wetter und von der Donau bestimmt und kann „erfrischend“ sein.

Verluste für Bäder-Buffets

Seit 2011 führt Sabine Kleedorfer das Lokal H2O im Freizeitzentrum Stockerau. Wetter und Corona haben ihr heuer ein Minus von gut 50 Prozent beschert. „Die Gäste, die im Bad sind, kommen sehr wohl ins Lokal“, so Kleedorfer. Viele davon sind auch Stammgäste. Allerdings bleiben aus Vorsicht heuer auch viele dem Bad fern. Kleedorfers Prognose zum Geschäftsgang: „Davon leben? Nein, kann man heuer nicht.“

„Lau“ beschreibt die Leiterin der Sandburg im Korneuburger Berndl-Bad den heurigen Geschäftsgang. Natürlich habe die deutlich geringere Auslastung mit dem Wetter zu tun. Allerdings vermisst man im Restaurant auch zahlreiche Stammgäste, weil es heuer keine Saisonkarten gibt.

Selbst wenn der August bestes Sommerwetter bieten sollte, „kann man die Saison nicht mehr retten, die Verluste lassen sich nicht mehr aufholen“, heißt es von der Geschäftsleitung. Dies sei umso trauriger, weil man das Lokal ja erst im vergangenen Jahr übernommen hat „und die ganze Mannschaft mit unglaublichem Einsatz gearbeitet hat“, so die Leiterin.

Bootsverleih recht stabil

Eingeschränkt ist der Bootsverleih in der Stockerauer Au: Sowohl Naturfreunde als auch Alpenverein bieten keine geführten Paddeltouren in der Au an, die Boote können aber gemietet werden. „Da ist die Nachfrage sehr groß“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende der Naturfreunde, Werner Fürtner. Einige Boote können zudem beim Gasthaus Konrad gemietet werden.

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