„Tag X“ für Gastwirte ist da. Großteil der Wirte im Bezirk Korneuburg will ab dem 19. Mai wieder aufsperren. Sitzplatzreduktion und Kontrollen bereiten aber Kopfzerbrechen.

Von Herwig Mohsburger. Update am 19. Mai 2021 (09:49)
Markus Wallner vom Schwarzen Adler in Ernstbrunn hat kein Lager für überzählige Tische und behilft sich mit Paravents.
Christelli, Christelli

Die Wiedereröffnung der Gastronomie nach über einem halben Jahr rückt näher. Die NÖN hat nachgefragt, wie sich die Wirte vorbereiten. „Ich glaube, dass alle Wirte aufsperren werden“, sagt Gerhard Knobl vom Goldenen Bründl in Oberrohrbach, Sprecher der Gastwirte im Bezirk.

Viele Betriebe müssten schon deshalb öffnen, weil sie noch Reservierungen haben. Problematisch sieht Knobl die diskutierten Vorgaben: „Wenn die Auflagen nicht nachgebessert werden, ist das Aufsperren eine Schlechterstellung.“ Denn mit Zwei-Meter-Abstand und teuren Plexiglaswänden sei ein Betrieb nicht wirtschaftlich zu führen.

„Wenn die Aufla- gen nicht nachge bessert werden, ist das Aufsperren eine Schlechterstellung.“ Gerhard Knobl, Gastwirtesprecher, Oberrohrbach

Nach derzeitigem Stand gehe rund die Hälfte der Sitzplätze verloren, aber die gesamte Mannschaft müsse dennoch einberufen werden. Deshalb hofft Knobl auf deutlich sinkende Infektionszahlen im Juli und damit verbunden Erleichterungen der Maßnahmen. Die Vorlaufzeit für die Wiedereröffnung hält Knobl in seinem eigenen Betrieb sehr kurz, weil schon viel Vorarbeit geleistet wurde: „Wir treffen uns am 17., dann geht es los!“

„Grundsätzlich ist es gut, ein Datum fürs Aufsperren zu wissen“, sagt Thomas Hopfeld, Chef des Hotels Dreikönigshof in Stockerau und Funktionär der WKÖ für die Hotellerie. Er ist davon überzeugt, „dass alles, was mit dem klassischen Restaurantbetrieb zu tun hat, rasch funktionieren wird“. Allerdings sei man weit davon entfernt, über Tage oder Wochen ausreserviert zu sein. Deutlich schwieriger schätzt Hopfeld den Veranstaltungsbereich ein. Es werde sich erst zeigen, ob Feiern nachgeholt werden und welche neu dazu kommen.

In Stockerau sei der Ausfall der Festspiele in gewohnter Form ein Rückschlag für die Gastronomie. Den Familienbetrieb will Hopfeld auf jeden Fall am 19. Mai öffnen, „um der gesamten Mannschaft wieder Arbeit und eine Perspektive zu bieten“. Für Kontrolle und Registrierung wird er kein zusätzliches Personal einstellen; die Registrierung am Tisch habe schon im Herbst funktioniert, ebenso die Kontrollen. Keine Änderung ist übrigens beim Abholservice geplant. „Das gab es ja auch schon vor Corona“, so Hopfeld.

Skeptisch ist Horst Rötzer, Betreiber des Rötzer Zentrum mit Café und Eisgeschäft in Stockerau: „Die Informationen zu den Vorgaben für die Wiedereröffnung stammen nur aus den Zeitungen, von der Kammer sind noch keine Details gekommen.“ Den wahrscheinlichen Mindestabstand zwischen Tischen von zwei Metern kommentiert der Kaffeehaus-Chef so: „Da kann ich den Gästen zwischen den Tischen noch die Schuhe putzen.“ Um sein Lokal nach einem halben Jahr öffnen zu kön- nen, ist laut Rötzers Schätzung eine Vorlaufzeit von 14 Tagen nötig. Kaum Probleme bereiten dabei die Geräte: „Die Kaffeemaschine musste ohnedies durchgehend in Betrieb bleiben, alle Zapfanlagen wurden gewartet.“ Aber das Personal müsse aus der Kurzarbeit geholt und neue Kräfte eingeschult werden. Als unterste Grenze für die Vorlaufzeit sieht Rötzer eine Woche, „mit Hängen und Würgen“.

Ein Platzproblem hat Markus Wallner, der gemeinsam mit Gattin Lena den Schwarzen Adler in Ernstbrunn führt. Zwar hat er für den Innenbereich Paravents angeschafft, er kann aber nicht alle Tische entfernen, um den nötigen Abstand zu schaffen. Leichter tut er sich im Garten mit 100 Plätzen. Auch da kann er die Paravents einsetzen, zusätzlich hat er Zelte mit Seitenwänden angeschafft. Die Schankanlage wurde gewartet, „das Lager haben wir auch schon kontrolliert und eine Erstbestellung aufgegeben“, so Wallner. Er hofft, vom Start weg gut ausgelastet zu sein. Erfreulich sei, dass es bereits viele Reservierungen gibt. „Nach dem ersten Lockdown waren wir sehr schnell wieder voll“, blickt er beruhigt in die Zukunft. Was er beibehalten will, ist die Möglichkeit, sich Essen abzuholen.

Ab Mitte dieser Woche herrscht bereits Vollbetrieb in der Küche des Goldenen Adler in Sierndorf. „Da wir alles selber vorbereiten, muss auch entsprechend vorgekocht werden“, erklärt Chef Maro Gruber. Entsprechend hoch ist das Risiko für den Betrieb, falls doch nicht mit 19. Mai geöffnet werden darf: Der Wareneinsatz beläuft sich auf 10.000 bis 15.000 Euro. Kräftige Abstriche muss Gruber bei den Sitzplätzen machen, „mehr als die Hälfte fällt weg“. Deshalb rechnet er auch mit einem Umsatzrückgang von 30 bis 40 Prozent. Kopfschmerzen bereiten ihm die Kontrollen. „Wenn dann bei einer Taufe von 60 geladenen Gästen zehn keine Impfung oder keinen gültigen Test haben – soll ich dann die Polizei rufen?“, fragt er. Fest steht, dass man im Goldenen Adler mit voller Mannschaft startet. „Wir müssen gleich eine ordentliche Visitenkarte abgeben“, erklärt Gruber.

Entspannter sieht Renate Paul vom gleichnamigen Heurigen in Leobendorf der Öffnung entgegen: „Nach Plan öffnen wir am 4. Juni. Bis dahin werden sich die Gäste an alle Bestimmungen gewöhnt haben.“ Vorbereitet ist bereits alles. „Wir werden im Garten halt nur die Hälfte der Tische aufstellen“, so Paul.

In Stetten weiß Johannes Wiedeck noch nicht, wann er seinen Heurigen aufsperren wird, Heurigenkalender wurde heuer keiner erstellt. „Jeder kann machen, was er will“, so Wiedeck. Er kritisiert, dass noch keine verbindlichen Vorgaben vorhanden sind. „So lange es alle 14 Tage Änderungen gibt, kann ich eine Öffnung des Heurigen nicht planen“, so Wiedeck.

Skurril wird es bei der Burgtaverne Kreuzenstein, erzählt Pächterin Nicole Bauer. Die einzige Toilettenanlage auf dem Areal hat zwar einen eigenen Zugang, befindet sich aber unter dem Gastraum und zählt zum Lokal. Für Spaziergänger, die die Toilette aufsuchen, gelten die gleichen Vorgaben wie für einen Lokalbesuch, und Bauer muss extra Kontrollpersonal abstellen.

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