„Eine Brücke zum Volk“. Seit 2011 bringt Regisseur Karl Wozek mit bekannten Korneuburgern Theater mit Tiefgang auf die Werftbühne. Mit der NÖN sprach er über diese besondere Herausforderung.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 05. Juni 2014 (07:00)
Karl Wozek beeindrucken das Engagement und die Aufgeschlossenheit der Truppe.
NOEN, privat

Die Aufführung des Stücks „Geschichten aus dem Wienerwald“ mit 30 bekannten Korneuburgern im Rahmen der Werftbühne wurde vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Der Mann, der es jedes Jahr aufs Neue schafft, trotz Zeitmangels seiner Protagonisten ein Stück auf die Bühne zu zaubern, ist Regisseur Karl Wozek. Er korrigiert, motiviert und ist bekannt dafür, dass ihm selbst in der letzten Minute noch Änderungen einfallen.

NÖN: Ein Stück wie „Geschichten aus dem Wienerwald“ mit Laiendarstellern auf die Bühne bringen - birgt das nicht ein Risiko?
Wozek:
Ödön von Horvath baut viele seiner Dramen auf dem Tragisch-Komischen auf. Bei „Geschichten aus dem Wienerwald“ wird das sehr deutlich. Da kann man sehr leicht im seichten Unterhaltungsspiel stecken bleiben oder in den Untiefen eines Melodramas untergehen. Das wirkliche Leben mit all seinen kleinen und großen Menschenschicksalen ist da der beste Wegweiser. Mit Profischauspielern sind solche Stücke natürlich einfacher zu inszenieren, doch Laiendarsteller haben oft einen authentischeren Zugang.

Ab wann wussten Sie, dass es gut gehen wird?
Wozek:
Schon nach den ersten Proben, als ich gespürt habe, dass der Spiel-Funke überspringt. Einige der Darstellerinnen und Darsteller haben sehr bald den Mut aufgebracht, echte Emotionen zuzulassen. Und wenn das, was auf der Bühne gesagt und getan wird, glaubhaft rüberkommt, dann baut sich Spannung auf, die die Handlung vorantreibt. Dann beginnt das Stück zu leben.

Haben Sie ein ähnliches Projekt wie in Korneuburg - mit lauter bekannten Stadtpersönlichkeiten - schon öfter gemacht?
Wozek:
Jein. Einmal in Jedenspeigen Grillparzers „König Ottokars Glück und Ende“. Und einmal in Altlengbach „Der Neidhardt mit dem Feil“ von Hans Sachs. Aber das waren bestehende Laientheatergruppen, deren Mitglieder weniger in der Öffentlichkeit tätig waren.

„Als Regisseur hat man immer eine Vision"

Was ist die besondere Herausforderung, wenn man mit Politikern, Pfarrer oder Polizeichef arbeitet?
Wozek:
In erster Linie, alle Ämter und Würden vergessen zu machen. Das hat aber von Anfang an wunderbar funktioniert, weil durchwegs alle Mitwirkenden uneitel und voller Spielfreude und mit letztem Einsatz geprobt haben. Diese Haltung ist auch ausschlaggebend für den Erfolg dieses Projekts.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie 2011 das erste Mal von der Idee erfahren haben, mit Prominenten Theater zu machen?
Wozek:
Jürgen Gabmayer, den ich als Mensch und als Intendant der Werftbühne sehr schätze, hat mir das Projekt „Korneuburger spielen für Korneuburger“ vorgestellt. Das hat mich sofort angesprochen. Denn wenn Menschen, die in ihrem Berufsleben große Verantwortung tragen und einen gewissen gesellschaftlichen Einfluss haben, sich für das Theater begeistern, dann hilft das nicht nur der Kunst, sondern schlägt eine direkte Kommunikations-Brücke zum sogenannten normalen Volk. Das finde ich gut.

Was hat Sie am meisten überrascht?
Wozek:
Die Aufgeschlossenheit und das ehrliche Engagement. Und natürlich das künstlerische Endergebnis. Als Regisseur hat man immer eine Vision. Und wenn diese auf der Bühne umgesetzt wird, dann ist das eine große Befriedigung.

Sind unsere Politiker gute Schauspieler?
Wozek:
Ich glaube, Politiker müssen manchmal auch gute Schauspieler sein, wenn es heißt, Ideen und Programme überzeugend rüberzubringen. In Korneuburg trifft das auf sehr viele zu.

Gibt es schon Ideen für nächstes Jahr? Werden Sie wieder dabei sein?
Wozek:
Jürgen und ich wollen den eingeschlagenen Weg weitergehen: Qualität im Spiel und Themen mit Tiefgang. Vielleicht drehen wir auch einen Film. Der Live-Charakter eines Theaterabends wird aber immer im Mittelpunkt stehen.