Für SPÖ wächst Korneuburg zu schnell. SPÖ fürchtet Probleme durch den Bauboom. ÖVP- Stadtchef: „Wir halten uns an Masterplan.“

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 04. Dezember 2019 (04:56)
Gabriele Fürhauser von der SPÖ wirft der ÖVP Versagen bei Städteplanung vor.
privat

Beim Blick in den Budgetvoranschlag schrillten bei der SPÖ die Alarmglocken. Es ist nicht die finanzielle Situation der Stadt, die die SPÖ-Vizebürgermeisterin Gabriele Fürhauser und ihr Team auf die Barrikaden steigen lässt. Es ist die Einwohnerzahl, die im Voranschlag genannt wird.

„Die Zahl 15.000 war für uns alle eine Überraschung und zeigt das Versagen der ÖVP-dominierten Städteplanung auf“, sagt Fürhauser. Korneuburg sei auf dem Weg, die größte Stadt des Weinviertels zu werden, „mit allen Problemen, die mit einem derart unkontrollierten Wachstum einhergehen“, so Fürhauser.

„Da gibt es einen Rattenschwanz an Problemen, die nur mit viel Geld aus dem Gemeindebudget zu lösen sein werden.“SPÖ-Gemeinderat Martin Peterl

SPÖ-Gemeinderat Martin Peterl erinnert an den Masterplan, in dem bis 2035 eine Einwohnerzahl von 18.000 vorgesehen ist. „Wenn wir so weiterwachsen, haben wir diese Zahl schon 2021 erreicht“, warnt er vor einem „Rattenschwanz an Problemen, die nur mit viel Geld aus dem Gemeindebudget zu lösen sein werden – Geld, das uns dann für andere wichtige Dinge fehlt.“ Der SPÖ ist der aktuelle Bauboom von Wohnungen ein Dorn im Auge: „Und viele Bauprojekte sind noch gar nicht fertig“, sorgt sich Peterl um den Kleinstadtcharakter.

„Es ist eindeutig zuviel“, konstatiert Peterl. Die SPÖ-Gemeinderäte fordern daher einen Baustopp für „Reichen-Häuser“. „Der Bürgermeister ist Baubehörde erster Instanz“, gibt Peterl zu denken. Über die Bauordnung könne man den Zuzug regeln, betont er. Der ÖVP ginge es als Wirtschaftspartei nur um den wirtschaftlichen Nutzen, nicht um die Lebensqualität, so die Kritik Peterls.

Christian Gepp (ÖVP) stellt klar: Die Vorgaben des Masterplans werden eingehalten.
NÖN

Zuzug und Wohnbau seien definitiv Themen und Herausforderungen, stellt ÖVP-Bürgermeister Christian Gepp unmissverständlich klar. Er rückt aber auch die Zahlen ins rechte Licht, denn bei den 15.000 Einwohnern seien bereits die Zweitwohnsitzer mitgezählt. Ein Blick auf Wikipedia zeigt: Korneuburg hatte mit 1. Jänner 2019 13.245 Einwohner. Die Stadt sei in den letzten zehn bis 15 Jahren im Schnitt um 120 Personen pro Jahr gewachsen, „nur im letzten Jahr war es etwas mehr“, wehrt sich der Stadtchef gegen den SPÖ-Vorwurf des „unkontrollierten Wachstums“.

Die Rahmenbedingungen des Masterplans werden eingehalten, den Kleinstadtcharakter sieht er nicht in Gefahr. Wohnbau bedeute nicht unbedingt mehr Einwohner, verdeutlicht Gepp, denn: „Wir haben ein Riesenproblem mit der Scheidungsrate“, ist er immer öfters mit Wohnungssuchenden nach Trennungen konfrontiert. Bei der SPÖ ortet er einen Widerspruch: Einerseits kritisiere man den Wohnbau, andererseits fordere man geförderte Wohnungen. „Der Großteil der in letzter Zeit gebauten Wohnungen war gefördert“, so Gepp.