Führerscheinloser Lenker gefährdete Polizisten. Um Verkehrskontrolle zu entgehen, stieg führerscheinloser Lenker (28) aufs Gas.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 10. Februar 2020 (04:45)
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 „Fünf Vorstrafen, also haben Sie es schon fünfmal gehört. Ich sage es Ihnen ein sechstes Mal. Der wichtigste Milderungsgrund ist ein Geständnis und bei Ihrem getrübten Vorleben, brauchen Sie jeden Pluspunkt“, legt Richter Manfred Hohenecker zu Prozessbeginn dem Beschuldigten eine wahrheitsgemäße Verantwortungsübernahme nahe.

Der 28-jährige Wiener nimmt sich die eindringlichen Worte des Strafrichters zu Herzen, und er legt ein umfassendes Geständnis ab. Er gibt zu, am 19. Dezember vergangenen Jahres in Hagenbrunn unterwegs gewesen zu sein.

„Das ist noch nicht strafbar“, wirft der Richter ein und bittet den Beschuldigten, auf den Punkt zu kommen.

Ja, bekennt der 28-Jährige, er habe ein Fahrzeug gelenkt und sei bei dem Anblick des Polizisten und der drohenden Verkehrskontrolle dann in Panik verfallen:

„Ich habe keinen Führerschein, noch nie einen besessen, weil ich Angst vor der Prüfung habe“, erzählt der Wiener sichtlich beschämt. Aber fahren könne er, ereifert er sich, dann bekennt er nach einer Entschuldigung beim Opfer: „Zuerst habe ich ja zurückgeschaltet, als ich den Beamten winken sah, dann aber Gas gegeben. Es war ein Kurzschluss. Es tut mir wirklich sehr leid.“

„Sie sind direkt auf den Beamten zugefahren. Sie haben nur wegen einer drohenden Verwaltungsstrafe ein Menschenleben gefährdet. Sie können eine Messe lesen lassen, dass nichts passiert ist, und sich der Beamte dank seiner schnellen Reaktion mit einem Hechtsprung in Sicherheit bringen konnte“, macht der Richter dem Wiener klar: „Das ist kein Kavaliersdelikt.“

Der Staatsanwalt ergänzt, dass er bei dem getrübten Vorleben des Wieners aus generalpräventiven Gründen mit einer Diversion nicht einverstanden sei. Diese Rechtsansicht vertritt auch der Vorsitzende. Er verurteilt den vorbestraften 28-Jährigen wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe. Von dem Widerruf einer bedingten neunmonatigen Strafnachsicht sah der Richter ab.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab.