Campus-Projekt vorerst gestoppt. Neue Rahmenbedingungen machen Evaluierung des geplanten Neubaus nötig. Gemeinsames Gebäude wird es nicht geben.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 16. Januar 2019 (05:01)
NÖN
Im März 2018 wurde das Projekt Generationencampus in dieser Form der Öffentlichkeit präsentiert.

Das Projekt „Generationen-Campus Korneuburg“ wird nicht in der geplanten Form realisiert. Neue Rahmenbedingungen machen eine Neubewertung des Neubaus, der Pflegeheim und Landesjugendheim – sie heißen heute NÖ Pflege- und Betreuungszentrum (PBZ) und Sozialpädagogisches Betreuungszentrum (SBZ) – in einem Gebäude zusammenfassen sollte, notwendig. Es wird voraussichtlich zwei eigenständige Häuser geben.

Huber: "Neubewertung wird uns zirka ein Jahr kosten"

Im März letzten Jahres stellte VP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner das Pilotprojekt der Öffentlichkeit vor. 72 Kinder und Jugendliche sowie 138 ältere Menschen sollten hier ein gemeinsames Zuhause finden. Gemeinschaftsräume sollten Begegnungen und Synergieeffekte ermöglichen. Als Baustart für das 45-Millionen-Euro-Projekt war das Frühjahr 2019 anvisiert worden. Daraus wird nichts, bestätigt Otto Huber vom Land NÖ, „die Neubewertung wird uns zirka ein Jahr kosten“, schätzt er. Mit einer Fertigstellung ist damit frühestens 2022 zu rechnen.

Das Projekt wurde aus zwei Gründen vorerst gestoppt: „Im Pflegebereich bekommen wir Ende Jänner die neuen Bedarfszahlen“, erklärt der Leiter der Gruppe Gesundheit und Soziales, warum sich die Zahl der Pflegebetten erhöhen könnte. Die alten Berechnungen stammen aus dem Jahr 2016, damals war von der Abschaffung des Pflegeregresses keine Rede.

Neu evaluiert wird auch der Jugendbereich, da in Floridsdorf in Form einer AMS-Kooperation neue Lehrwerkstätten entstehen sollen. „Diese werden früher fertig sein“, gibt Huber zu denken, „wir müssen uns daher die Frage stellen, ob die Ressourcen gut investiert sind.“ Bis Ende März wolle man klären, ob ein Neubau der Lehrwerkstätten angesichts der neuen Situation Sinn macht. Doppelgleisigkeiten sollen vermieden werden, „wir wollen mit den Steuermitteln sorgsam umgehen“, betont Huber.

„Bevölkerung wächst überproportional“

Christian Seidl, Direktor des NÖ Pflege- und Betreuungszen-trums, kann einer Neubewertung durchaus etwas abgewinnen, denn: „Die Bevölkerung in unserem Bezirk wächst überproportional.“ Dass diese Entwicklung in die neuen Pläne einfließen soll, begrüßt er. Ein künftiger Bedarf sei aber schwer abzuschätzen:

„Nach geburtenstarken Jahrgängen flacht es dann wieder ab.“ Auch die Abschaffung des Pflegeregresses mache sich bemerkbar, „seit Sommer verspüren wir eine vermehrte Nachfrage“, sagt der Pflegeheimdirektor. Noch bringe die Neuregelung aber vor allem mehr Anfragen und damit verbundene Aufklärungsarbeit mit sich. Die 111 Betten seien jedenfalls stets ausgelastet. Wer die Kriterien erfüllt, würde aber derzeit „in absehbarer Zeit“ ein Bett bekommen, schildert Seidl den Status quo.

VP-Bürgermeister Christian Gepp geht davon aus, dass das Projekt in angekündigter Form umgesetzt wird – nur eben in zwei Gebäuden und mit Zeitverzögerung.