Hubert Keyl will die Verbauung stoppen

Erstellt am 06. August 2022 | 04:39
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Hubert Keyl
Im NÖN-Gespräch kritisiert Hubert Keyl immer wieder den „Luxuswohnbau“ in der Stadt: „Die Gefahr ist, dass Korneuburg zu einer inhaltsleeren Schlafstadt vor den Toren Wiens wird.“
Foto: Veronika Löwenstein
FPÖ-Gemeinderat Hubert Keyl sorgt sich um die Lebensqualität in Korneuburg. Von der Zusammenarbeit spüre er nicht mehr viel ...

NÖN: Sie wurden kürzlich zum FPÖ-Bezirksparteiobmann gewählt und haben angekündigt, mehr Kante zeigen zu wollen. Bei welchen Themen wollen Sie kantiger werden?

Hubert Keyl: Die große Stärke der FPÖ war es immer, eine klare Sprache zu sprechen, wie Obmann Herbert Kickl. Das sollte man auch auf das Land, den Bezirk und die Stadt übertragen. In der Stadt Korneuburg ist es die maßlose Verbauung, insbesondere mit Luxuswohnbauten. Aber auch das Thema Schutz der Grundrechte macht nicht vor den Bezirksgrenzen Halt.

Sehen Sie die Grundrechte denn eingeschränkt?

Keyl: Ich habe durchaus das Gefühl. Zum Beispiel beim Verhalten gegenüber den Corona-Demonstranten in Korneuburg oder bei den Kreidebotschaften in der Stadt. Man sollte mit diesen Dingen anders umgehen und nicht gleich mit dem Strafrecht drohen.

Wo orten Sie denn eine Unrechtsbehandlung der Korneuburger Demonstranten?

Keyl: Es sind einige Bürger zu mir gekommen, die medizinisch indizierte Maskenbefreiungen hatten, die nicht akzeptiert wurden. Es folgten langwierige Verfahren. Die, die ich kenne, haben aber alle gewonnen.

Wie beurteilen Sie das Verhältnis zur ÖVP?

Keyl: Es war schon besser! Persönlich funktioniert es mit dem Bürgermeister. Aber er ist bei vielen Frage definitiv ein Getriebener seiner Partei.

Gibt es die viel geprieseneZusammenarbeit noch?

Keyl: Nein, die ist ausbaufähig. Ich erinnere an den Kreisverkehr in der Laaer Straße. Da kommt man mit Hard Facts, aber wenn selbst die nichts bewirken, hat man auch nichts von Zusammenarbeitsphrasen.

Als es um die Umwidmung der Raiffeisen-Lagerhaus-Gründe ging, sind Sie gemeinsam mit SPÖ und NEOS aus der Sitzung ausgezogen. Was hat dieser Schachzug letztendlich gebracht?

Keyl: Diese Notmaßnahme war ein starkes Zeichen. Es haben bestimmt auch einige in der ÖVP nachgedacht. Dort wird auch ein intensiver Diskus geführt, da bröckelt schon ein bisschen was ...

Die ÖVP sagt, durch das Platzen der Sitzung sei der Stadt eine höhere Zinsbelastung von 500.000 Euro entstanden. Fühlen Sie sich dafür verantwortlich?

Keyl: Bei dieser Argumentation kann es sich nur um einen Aprilscherz handeln oder es kennen einige das Gesetz nicht. Wäre es wirklich ein Anliegen gewesen, wäre der Verhandlungsweg offengestanden. Insbesondere hätte die ÖVP einen Umlaufbeschluss ( Anm. Beschlussfassung auf schriftlichem Weg) fällen können. Also entweder war man zu unfähig oder man hat es billigend in Kauf genommen.

Sie waren immer gegen eine Neunutzung und Entweihung der Augustinerkirche. Was stört Sie daran, dass dort ein neues „Herzstück“ – wie es die ÖVP nennt – mit Kultur, Gastro und Wohnungen entsteht?

Keyl: Es geht darum, ein kulturelles Erbe zu bewahren. Kirche ist Kirche, viele Generationen haben Geld gegeben, um die Kirche zu bauen und zu renovieren, und wir machen leichtfertig ein Veranstaltungszen trum daraus.

Es wird aber immer betont, dass die Würde des Gebäudes bewahrt bleibt ...

Keyl: Papier ist geduldig. Ich sehe beim Gesamtprojekt auch einen wirtschaftlichen Schaden für die Stadt. Hätte man Kloster und Grund alleine verkauft, wäre ein deutlich größerer Erlös zu erzielen gewesen.

Sie haben immer den Initiativantrag „Lebenswertes Korneuburg“ unterstützt, der es nie auf die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung geschafft hat. Finden Sie Korneuburg noch lebenswert?

Keyl: Ja, und wir Freiheitlichen werden auch für den Erhalt kämpfen.

Sehen Sie das Lebenswerte in der Stadt in Gefahr?

Keyl: Ja, durch den überbordenden Luxuswohnbau. Die Gefahr ist, dass Korneuburg zu einer inhaltsleeren Schlafstadt vor den Toren Wiens wird.

Warum war Ihnen wichtig, dass der Initiativantrag im Gemeinderat behandelt wird?

Keyl: Die freiheitliche Politik stellt sich auf die Seite der Kleinen und Schwachen. Man muss sich dem Diskurs stellen, auch wenn der unbequem ist.

Warum hat die FPÖ im Gemeinderat gegen das Werftprojekt gestimmt?

Keyl: Der Vertrag trägt die Handschrift von ÖVP und SPÖ. Wir waren partiell informiert, aber nie eingebunden. Ich bin auch nicht überzeugt, dass die Stadt auf der Insel ein Baufeld braucht. Und die Dimension ist uns ein Dorn im Auge.

Wie würde die FPÖ die Stadt lebenswerter gestalten?

Keyl: Erstens würden wird die soziale Handschrift stärker zeigen: Ich habe eine Zuschrift von einer Dame bekommen, dass ihr nur 20 Euro im Monat bleiben und sie nur mehr Haferflocken isst. Es kann nicht sein, dass sich die Leute zwischen Wohnen und Essen entscheiden müssen. Zweitens würden wir die maßlose Verbauung mit Luxwohnbau stoppen. Und drittens würden wir die Geschäfte und Unternehmer stärker fördern, weil die etwas zum Kor neuburg-Gefühl beitragen.