Startschuss für Verkauf der Augustinerkirche. Korneuburg: Käufer für Kloster und Augustinerkirche gesucht. FPÖ will weiter für Erhalt der Kirche kämpfen.

Von Bernhard Preineder und Veronika Löwenstein. Erstellt am 20. Januar 2021 (05:31)
FPÖ-Gemeinderat Hubert Keyl (r.) kann einer Neuverwertung der Augustinerkirche nichts abgewinnen. Letzte Woche übergab er Stadtchef Christian Gepp eine Unterschriftenliste gegen den Verkauf.
privat

Ein Jahr später als geplant, startete letzte Woche die Ausschreibung zur Verwertung des Augustinerklosters und der anrainenden Augustinerkirche. Im Gespräch mit der NÖN begründete der Geschäftsführer des Stadtentwicklungsfonds Korneuburg (Sefko) Roland Raunig die Verzögerung mit dem Coronavirus, aber auch mit den schleppenden Verhandlungen mit der Erzdiözese als Eigentümerin der Kirche. Zur näheren Erklärung: Es handelt sich dabei um eine gemeinsame Ausschreibung der Stadtgemeinde und der Erzdiözese Wien. Die Stadt verkauft das Kloster, die Erzdiözese die Kirche.

Die FPÖ kämpft für den Erhalt der Augustinerkirche und hat ÖVP-Bürgermeister Christian Gepp letzte Woche eine Unterschriftenliste mit rund 500 Unterzeichnern überreicht. Die Verwertung des Areals erfolge in einem mehrstufigen Verfahren, erklärt ÖVP-Gemeinderat Klaus Michal in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Ausschusses für Bürgerbeteiligung und Stadtentwicklung: „Eine Vergabe ist deshalb frühestens im Juni 2021 möglich.“ Das Kloster ist seit Jahren baufällig, eine umfassende Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes ist dringend notwendig. „Jetzt besteht die Chance, mit der Erzdiözese Wien das Kloster und die Kirche gemeinsam zu veräußern, wodurch die beiden historisch zusammenhängenden Gebäudeteile wieder zusammenfinden und gemeinsam restauriert und attraktiviert werden können,“ so Michal.

Die Würde der Kirche muss erhalten bleiben

Gesucht wird ein gemeinsames Nutzungskonzept für den gesamten Gebäudekomplex. „Aus heutiger Sicht könnte das beispielsweise die Errichtung von Wohnflächen samt ergänzenden Angeboten wie Gastronomiebetrieben im Klosterbereich und eine die Würde erhaltende kulturelle Nutzung der Kirche sein“, umreißt Michal die Möglichkeiten. Die Einnahmen aus der Veräußerung werden in die Sanierung von bestehenden oder zur Schaffung von neuen Gemeindewohnungen investiert, verspricht Michal.

Während sich FPÖ-Gemeinderat Hubert Keyl mit einer Verwertung des Klostergebäudes anfreunden kann, wettert er gegen den Verkauf der Augustinerkirche: „Es darf nicht sein, dass hier Kulturgut verschandelt wird.“ Nötigenfalls werde man das Bundesdenkmalamt einschalten, kündigt er an. Er wundert sich auch über die Position der Kirche in der Causa: „Die Organisation leidet bestimmt nicht an Geldnot“, ist er überzeugt. Keyl erinnert auch daran, dass die ÖVP im Zuge der Parteiengespräche nach der Gemeinderatswahl einen Erhalt der Kirche zugesagt habe.

Bevor die Kirche zu gewerblichen Zwecken verwendet werden kann, muss eine Profanierung (Entweihung) erfolgen. Der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Michael Prüller, er klärt dazu auf NÖN-Nachfrage: „Eine Kirche außer Dienst zu stellen, ist immer traurig. Es gibt aber Fälle, in denen eine Weiterführung einfach keinen Sinn hat, wie im Fall der Augustinerkirche, in der keine regelmäßigen Gottesdienste mehr stattfinden und die aufgrund fehlender Räumlichkeiten auch nicht für das Pfarrleben brauchbar ist.“ Die Präsenz und das Angebot der katholischen Kirche in Korneuburg wären durch den Verzicht auf die Augustinerkirche nicht berührt. „Schon jetzt wird die Kirche ja fast ausschließlich für Konzerte und Ausstellungen genutzt, und dafür ist der Erhaltungsaufwand einfach unvernünftig groß“, so Prüller.

Allerdings lege man seitens der Erzdiözese auch Wert auf eine würdevolle Verwendung des Gebäudes, etwa als Konzert-, Ausstellungs- und Veranstaltungsraum. Prüller: „Es gibt noch andere Möglichkeiten, wobei der Denkmalschutz, vor allem bei den Maulpertsch-Fresken, eine Rolle spielt.“