Reitverbot im Wald sorgt für Zwist. Reiter ärgern sich über Verbote, Grundbesitzer kritisieren fehlende Disziplin.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 22. Mai 2019 (05:04)
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Die Idylle täuscht: Nördlich der Burg Kreuzenstein sind viele Waldwege fürWanderreiter gesperrt.

Über knapp 30 Reitverbotstafeln, die im Gebiet von Oberrohrbach und dem Rohrwald bei Rückersdorf aufgestellt wurden, beschwert sich der Stockerauer Psychotherapeut und begeisterte Reiter Robert Koch. „Der Raum für Wanderreiter wird genommen“, kritisiert er gegenüber den NÖN. Man sei immer auf Wanderwegen geritten, seit etwa einem halben Jahr gebe es plötzlich die Verbote. „Die Freiheit, die wir uns nehmen, stört offenbar die Grundbesitzer“, so Koch. Besonders vom Schaflerhof aus, wo auch Koch sein Pferd eingestellt hat, seien viele Reitwege nun nur noch umständlich zu erreichen.

Ähnliches berichtet auch die Reitstallbetreiberin Aleksandra Winter. Richtung Burg Kreuzenstein gibt es zwar keine Schwierigkeiten, „mit Graf Wil czek haben wir keine Probleme“, aber Richtung Goldenes Bründl und zum Rohrwald seien die Sperren aufgetaucht. Mit einem der Grundbesitzer, dem Stift Klosterneuburg, sei man laut Winter fast einig über die Wegebenutzung geworden, mit der Agrargemeinschaft gebe es hingegen mittlerweile keine Gesprächsbasis mehr. Für den Reitstall sei dies nicht förderlich.

Die Verbotsschilder wurden von der Agrargemeinschaft
Rückersdorf aufgestellt. Deren Obmann für den Bereich Haidkreuz, Johann Hammerschmidt, erklärt dazu auf Anfrage der NÖN: „Wir haben die Verbotsschilder aufgestellt, um daran zu erinnern, dass in Österreichs Wäldern ein generelles Reitverbot besteht, die Benutzung einzelner Wege muss ausdrücklich erlaubt sein.“

 Für Waldnutzung fehlt Tourismuskonzept

 Problematisch für die Waldbesitzer ist laut Hammerschmidt nicht nur die Rechtssicherheit bei Haftungsfragen. Bei sehr weichem Boden würden die Wege von den Pferdehufen stark in Mitleidenschaft gezogen. Laut Hammerschmidt seien während erster zaghafter Gespräche mit der Reitstallbetreiberin einzelne Reiter gleich mehrmals erwischt worden, als sie das Verbot ignorierten.

Hammerschmidt will die Waldbesitzer der Region zusammenbringen, um einen Konsens und grundsätzliche Konzepte für die Waldnutzung zu erarbeiten und diese mit der Tourismusregion besprechen, erklärt er der NÖN. „Dann könnte eventuell auch für die Reiter wieder eine Chance bestehen.“

Einige wenige Wege sind auch rund um die Burg Kreuzenstein gesperrt. „Wir sind nicht gegen die Reiter, wir haben ja selber einen Reitstall verpachtet“, beruhigt Emmerich Leber von der Gutsverwaltung Wilczek. Die Verbindung von Leobendorf nach Unterrohrbach ist aus Sicherheitsgründen schon länger tabu, nahe dem Schaflerhof gilt für zwei Wege durch den Wald: „Da wollen wir nicht, dass wer durchreitet.“

Koch verweist auf das Mühlviertel, wo es eine eigene Vignette gibt: „Das kann für die Grundbesitzer ein Riesengeschäft sein“ – und sollte die Wege wieder frei machen. Leber und Hammerschmidt winken ab: „Wie sollte man das kontrollieren?“ Ein eigener Geschäftszweig wäre nicht interessant.

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