Sierndorf: ÖVP-Machtkampf ließ Vize Eckerl gehen. Dem Abgang von Vize Eckerl ist offenbar ein heftiger Machtkampf in der ÖVP vorausgegangen.

Von Karin Schuhböck. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:35)
Johann Eckerl wollte schon 2013 Bürgermeister werden. Nach derGemeinderatswahl im Jänner kames zum offenen Machtkampf mit Ortschef Gottfried Muck.
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Der überraschende Rückzug von ÖVP-Vizebürgermeister Johann Eckerl sorgte für viele Spekulationen (die NÖN berichtete). Nun sprach er mit der NÖN über die wahren Beweggründe. Tatsache ist, dass es seit dem Abgang von Gottfried Lehner als Bürgermeister in der ÖVP gärte. Damals, im Jahr 2013, unterlag Eckerl dem jetzigen Ortschef in einer internen ÖVP-Fraktionssitzung, in der Gottfried Muck überraschend als Gegenkandidat präsentiert worden war.

Kurz nach der Gemeinderatswahl im Jänner sei die Opposi tion mit dem Wunsch nach einem Machtwechsel an ihn he rangetreten, berichtet Eckerl. Er habe sich mit seinen Vertrauenspersonen zusammengesetzt und die Situation besprochen. Man kam zum Schluss, dass dies zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sinnvoll wäre, da Muck aus den eigenen Reihen zum größten Teil unterstützt werde, so Eckerl. Durch eine „undichte“ Stelle hätte Muck von den Gesprächen erfahren und Maßnahmen ergriffen.

Bürgermeister Gottfried Muck wollte die Gerüchte, wonach es eine parteiinterne Unterschriftenliste gegen Eckerl gegeben haben soll, nicht kommentieren.
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Wie der NÖN aus sicherer Quelle zugetragen wurde, wurden Eckerl und Muck nach dem Zerwürfnis zum Land und zum Gemeindebund zitiert. Bei der konstituierenden Gemeinderatssitzung schien es so, als ob alle Unklarheiten ausgeräumt wären; so wurde Muck mit 14 zu 9 Stimmen zum neuen Bürgermeister der Marktgemeinde gewählt.

Doch danach fingen die Probleme erst so richtig an: Eine parteiinterne Unterschriftenliste mit der Rücktrittsaufforderung an Vizebürgermeister Eckerl soll aufgelegt und von allen ÖVP-Gemeinderäten unterschrieben worden sein. Im Endeffekt warf Johann Eckerl das Handtuch. „Meine Gesundheit und ein Leben in Frieden ist mir viel wichtiger als jedes Amt in der Gemeinde“, klingt bei ihm viel Resignation durch. „In den mehr als zehn Jahren als Vizebürgermeister, in meiner Funktion als Mandatar, aber auch als Person durfte ich ein hohes Maß an Zuspruch und Wertschätzung erfahren. Das war in all den Jahren mein Antrieb, mich immer wieder aufs Neue zu motivieren“, sagt er gegenüber der NÖN. Und er zitiert den Mohr Hassan Muley aus Schillers „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“, der sagte: „Ein Diadem erkämpfen ist groß, es wegzuwerfen ist göttlich“, oder mit anderen Worten: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“.

Rückhalt in der schwierigen Zeit hätte er vor allem in seiner Familie gefunden. „Ohne sie wäre das politische Engagement in diesem Umfang nicht möglich gewesen“, betont er. Bei seinen politischen Anliegen und Entscheidungen sei immer das Wohl der Großgemeinde im Vordergrund gestanden, um so das Beste für die Gemeinde zu erreichen oder es zumindest einzuleiten. „Ein freundschaftlicher, lösungsorientierter, sachlicher und ehrlicher Umgang im Gemeinderat war mir immer wichtig.“ Eckerl bedankt sich bei der Bevölkerung und seinen Weggefährten: „Ich hätte gerne weitergearbeitet, aber unter diesen Umständen ist es mir nicht mehr möglich.“ Bürgermeister Muck wollte keine weitere Stellungnahme abgeben: „Es wurde alles gesagt und wir haben nichts hinzuzufügen.“