Bezirk Korneuburg: Reparieren statt gleich wegwerfen. Werden defekte Geräte in der Region instandgesetzt, gibt es Vergütung.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 16. Oktober 2019 (05:41)
Komplizierte Elektronik findet sich mittlerweile auch schon in Elektroherden. Nur noch Spezialisten wie Alexander Ehn aus Stockerau können diese Geräte vor dem Schrottplatz retten.
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„Die Reparatur von defekten Geräten stellt eine umweltfreundliche Alternative zu einem Neukauf dar“, begründet VP-Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf die Aktion, bei der das Land einen Teil der Reparaturkosten refundiert. Durch den Reparaturbonus sollen auch die regionalen Unternehmen gestärkt werden, erklärt der Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer NÖ, Wolfgang Ecker.

Der Bonus gilt für nahezu alle Geräte im Haushalt. In der Praxis ist das Instandsetzen aber meist nur bei Großgeräten rentabel, erklären die meisten befragten Techniker.

„Ein defektes Gerät erst vom Profi unverbindlich ansehen lassen, ob sich die Reparatur lohnt!“

Grundsätzlich passiere es selten, dass jemand wegen einer Reparatur zu ihm komme, am ehesten noch wegen teurerer Geräte, erklärt Elektrotechniker Franz Plesner aus Steinbach bei Ernstbrunn. Er ist einer der neun Unternehmer im Bezirk, die bei der Aktion mitmachen.

Oft seien es nur Kleinigkeiten, die kaputt werden, und die Ersatzteilekosten sind meist gering. „Gerade bei Kleingeräten ist das Reparieren aber meist unmöglich, weil das Gehäuse nicht geöffnet werden kann“, schildert Plesner die Praxis. Er rät den Konsumenten: „Ein defektes Gerät erst vom Profi unverbindlich ansehen lassen, ob sich die Reparatur lohnt!“

Bei Waschmaschinen, Geschirrspülern oder E-Herden zahlt sich dies eher aus. „Firmen, die noch selbst reparieren, werden von den Kunden auch wieder gesucht“, sagt Alexander Ehn aus Stockerau. Er überholt E-Herde und Backrohre. „Keine einfache Sache, denn die Elektronik hat auch bei diesen Geräten schon Einzug gehalten“, so Ehn.

Ein Servicetechniker müsste fast ständig zu Schulungen bei den Herstellern, das rechne sich für einen Betrieb kaum. „Findet sich kein lokales Unternehmen, bleibt nur der Neukauf, denn die Techniker der Hersteller sind schon wegen der Anfahrtstrecke sehr teuer“, so Ehn.

Auch Christian Duffek, Inhaber von Elektro Trnka in Nieder hollabrunn, bestätigt, dass Großgeräte nicht auf den Müll müssen. Er hat bei drei Waschmaschinen defekte Flusensiebe und Kalkablagerung behoben – mit dem Reparaturbonus. „Sogar der Tausch eines Heizstabs geht sich meist aus“, ermuntert Duffek die Konsumenten, nach einer Reparatur zu fragen.

Es gibt auch Grenzen: „Bei Billigmarken zahlt sich die Reparatur meist nicht aus. Und Qualitätsprodukte haben oft fünf Jahre Garantie, da kommt der Servicetechniker“, erklärt Alexander Schindler vom Raiffeisen Lagerhaus Ernstbrunn.

Der Reparaturbonus werde jedenfalls sehr gut angenommen, erzählt Ecker. „Wir setzen mit dem Reparaturbonus gleichzeitig ein aktives Zeichen gegen eine Wegwerf-Gesellschaft“, veranschaulicht er.

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