Rodung in der Au: EU soll Verstoß gegen Richtlinien prüfen

Erstellt am 25. Jänner 2023 | 05:26
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So sah eine der Flächen im Herbst aus, kurz danach wurden Stiel eichen und Hainbuchen ausgepflanzt.
Foto: privat
Kahlschläge in der Stockerauer Au rufen Grün-Gruppierungen auf den Plan: Eine Beschwerde an die EU ist nun erfolgt. Die Stadt verteidigt die Maßnahme, um einen naturnahen Wald schaffen zu können.

Das Eschentriebsterben macht der Stockerauer Au zu schaffen, das ist nicht von der Hand zu weisen. Dort, wo die Bäume absterben, beginnt sich die Kraut- und Strauchschicht verstärkt auszubreiten – und diese wurde im Herbst auf drei Flächen mit insgesamt 7.400 Quadratmetern entfernt. Der nackte Boden war daher im Herbst zu sehen: Ist das in einem Naturschutzgebiet rechtens?

Das Forstgesetz definiere die Maßnahme jedenfalls nicht als Rodung, erklärte Korneuburgs Bezirkshauptmann Andreas Strobl am Montag. „Daher ist sie nicht bewilligungspflichtig.“ Ob dies der Regelung des Naturschutzgesetzes entspricht, will er in den nächsten Tagen mit einem Sachverständigen klären. Die drei Flächen wurden jedenfalls bereits mit jungen Stieleichen und Hainbuchen aufgeforstet.

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Andrea Völkl: „Wir wollen einen nachhaltigen Baumbestand in der Au.“
Foto: NÖN-Archiv

Umweltrechtsanwalt Wolfgang List ist indes überzeugt, dass ein Kahlschlag dem EU-Gesetz widerspricht. Der von ihm beauftragte Sachverständige Egon Zwicker kommt im Gutachten zum Schluss: Die Fauna-Flora-Habitate- und Vogelschutz-Richtlinien des Europaschutzgebiets „Natura2000“ haben Vorrang gegenüber der forstwirtschaftlichen Nutzung der Au. Und: „Die konkret angezeigte Kahlschlägerung und Mulchung“ sind „nicht erlaubt“.

ÖVP-Bürgermeisterin Andrea Völkl verteidigt erneut die „Flächenvorbereitungsmaßnahme“ und hält sie zudem für „notwendig, um langfristig einen nachhaltigen Baumbestand mit standorttypischen und robusten Arten gewährleisten zu können“. Die „etwaigen Bodenverwundungen sind eher positiv zu bewerten“: Das begünstige etwa das Aufkommen von Schwarzpappeln.

„Kein Zuwiderlaufen der EU-Rechtssprechung“

Die forstliche Maßnahme sei in Absprache mit der Bezirksforstinspektion getätigt worden, „ebenso wurde sie durch den ‚Österreichischen Waldfonds‘ genehmigt und gefördert“. Flächenvorbereitungen dieser Art seien im „Waldbaulichen Konzept“ vorgesehen, das die Naturschutzbehörde 2020 positiv zur Kenntnis genommen habe. Ein Zuwiderlaufen der europäischen Rechtssprechung „ist somit in keiner Weise gegeben“.

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Matthias Kubat: „Ich will, dass man sich an die Gesetze hält.“
Foto: NÖN-Archiv

Der Verein „Pro Thayatal“ hat Umweltanwalt List beauftragt, getragen werden die Rechtskosten von den Grünen- Gemeinderäten Matthias Kubat und Walter Klinger, den Grünen Stockerau sowie dem „Grün-Alternativen Verein zur Unterstützung von Bürgerinitiativen“, der wiederum von Grünen-Abgeordneten finanziert wird. Sie sehen den Auwald in Gefahr. „Das Management des Schutzgebiets muss dringend verbessert werden“, betont auch Umwelt-Stadtrat Dietmar Pfeiler. Die Stadtregierung setze offenbar auf wirtschaftliche Nutzung. „Das, was ich haben will, ist, dass man sich an die Gesetze hält“, ergänzt Kubat. Denn das betreffe alle europäischen Schutzgebiete im Land.

Lists Mandanten bringen eine Beschwerde bei der EU-Kommission ein. Der Umweltanwalt rechnet damit, dass ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet wird. Er fordert in einem Offenen Brief eine Anpassung des NÖ Naturschutzgesetzes an das europäische Gesetz.