Teuerungswelle: Der eine kündigt, der andere senkt Preise

Erstellt am 16. November 2022 | 05:49
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Norbert Wolf kann die Kosten nicht mehr stemmen und zieht sich aus dem Gasthaus Konrad in Stockerau zurück. Manfred Mader will indes den Stadtcafé-Besuch wieder schmackhaft machen.

Die Teuerungswelle wollen beide Lokalbetreiber nicht mehr schultern, die Reaktion darauf könnte aber nicht unterschiedlicher ausfallen: Norbert Wolf hat seinen Pachtvertrag gekündigt und führt nicht mehr das Gasthaus Konrad in der Stockerauer Au. Stadtcafé-Betreiber Manfred Mader hat indes seine Karte überarbeitet – und setzt auf günstige Preise.

Wolf hat das Gasthaus Konrad in der beginnenden Corona-Pandemie von seinem Sohn, der sich seitdem auf sein Würstelstandl in Stockerau konzentriert, übernommen. Er gibt die steigenden Energiepreise als Grund für seinen Rückzug an. Das ist besonders schmerzhaft, wenn der Gäste-Zustrom aufgrund der Schlechtwetterlage versiegt. „Dann tust du dir schwer, die Kosten zu decken. Das musst du erst mal alles hereinspielen.“ Der Umsatz sei auch eingebrochen, als ein neu errichtetes Standl wieder entfernt werden musste.

Der 56-Jährige versorgte damit die Spaziergänger, die in den Lockdowns in die Au strömten. as Bauwerk musste aber im Naturschutzgebiet wieder entfernt werden. „Die Gemeinde hat aber in Aussicht gestellt, dass sie eine Lösung findet“, ist Gasthaus-Eigentümer Gerald Moll viel zuversichtlicher als Wolf. Schwierig sei es auch gewesen, eine Einigung mit dem letzten Mieter des Obergeschoßes zu finden: Dieser habe sich gesträubt, Veranstaltungen mit begleitender Musik zuzulassen.

„Norbert Wolf hat hervorragend gekocht, dementsprechend war auch die Speisekarte konzipiert. Das widerspricht unter Umständen den Anforderungen eines Ausflugsgasthauses“, vermutet Moll ergänzend. Wolf wolle sich jetzt seiner Gesundheit widmen, Knie und dr Rücken machen ihm zu schaffen. „Wenn Familie Moll will, dass ich sie unterstütze, dann mach ich das – in welcher Form auch immer“, sagt er.

Das Gasthaus Konrad ist seit über 100 Jahren ein Gastronomiebetrieb: Familie Konrad wohnte im Obergeschoß und bewirtete im Untergeschoß. Der Seniorchef verstarb und die Erben wollten das Geschäft nicht weiterführen: „Wir haben vor rund 15 Jahren das Anwesen gekauft, um diesen Gasthausbetrieb wieder aufzunehmen“, schildert Moll. „Wir wollten der Stockerauer Bevölkerung ein Ausflugsziel bieten können, was sich im Laufe der Zeit als richtig herausgestellt hat, weil es gut angenommen wurde.“ Das gelte für die Vorpächter genauso wie für die Familie Wolf.

Das Gasthaus ist nur zu Fuß oder per Rad erreichbar, nur als Eigentümer, Pächter und Mieter der Wohnung ist die Zufahrt mit Kraftfahrzeug gestattet. Lieferanten des Gastro-Betriebes müssen bei der Stadtgemeinde um Genehmigung ansuchen. Die geringe Auslastung macht sich besonders bei Schlechtwetter bemerkbar. Das hat aber auch Vorteile: „Der Gastgarten ist ein richtiger Kraftpunkt, wo man eben mitten im Naturschutzgebiet Energie tanken und die Sorgen des Alltags vergessen kann“, betont der Eigentümer.

Moll sucht jetzt einen neuen Pächter: „Wir werden alles unternehmen, damit ein Betrieb wieder möglich wird – zumindest als Ausflugslokal.“ Und sie plant einen Ausschank an den Adventwochenenden – mit warmen Getränken und einem Imbiss. „Meine Kinder treiben die Helfer auf.“

Die Teuerungswelle mit einer Preiserhöhung auf die Kunden abwälzen? Das kommt für Manfred Mader nicht infrage. Der Betreiber der beiden Stadtcafés in Stockerau und Eggenburg (Bezirk Horn) hat die Karte überarbeitet und setzt auf günstige Preise: Die Melange kostet 2,90 Euro, das Schladminger Krügerl und ein kleines Frühstück 3,90 Euro.

„Ich will einfach mehr Kunden im Geschäft haben und will nicht, dass der Kellner dort alleine steht“, erklärt er. „Das ist das „Mäci-Prinzip“, die Masse macht’s“, lächelt er in Gedanken an das Fast-Food-Lokal. Eine Preiserhöhung hat er im Vorjahr vorgenommen, seit Oktober gilt das Preisniveau von 2019. „Ich will, dass jeder jeden Tag ins Kaffeehaus geht“, erklärt er. „Wir leben von den Stammgästen und die Leute haben gelernt, zu Hause zu bleiben“, will er sie wieder zu sich locken.

Mader hat das Gespräch mit Zulieferern gesucht, die in den Verhandlungen neu kalkuliert haben. „Es bleibt zwar ein bisschen weniger über und es wird sich zeigen, ob die Leute das annehmen. Aber es ist ein bisschen ein Werbeeffekt und ich habe lieber den ganzen Tag über ein volles Geschäft“, sagt Mader, der in Schrattenthal wohnt und auch die Pizzeria in Ravelsbach (Bezirk Hollabrunn) führt. Eine Preissenkung denkt er dort momentan nicht an: „Der teuerste Mitarbeiter ist der Pizzaofen, ob sich das rechnet ...“, sagt er.

Mader hat das Stadtcafé in Stockerau im August 2019 übernommen und führt seit Februar 2020 das Stadtcafé in Eggenburg. Das zweite Standbein neben dem Kaffeehaus-Geschäft ist die Pizzeria.

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