Fußballplatz: Emotionen kochen zu oft über. Verband sagt Aggression und Überehrgeiz den Kampf an.

Von Peter Sonnenberg. Erstellt am 13. März 2019 (05:20)
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Fußball soll vor allem eines: Spaß machen! Manche Erwachsenen am Spielfeldrand vergessen das oft.Shutterstock.com

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der NÖ Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkam-pagne gegensteuern. Kernbotschaft: Erwachsenen Sporplatzbesuchern soll ihre Vorbildfunktion bewusst gemacht werden.

Das scheint bitter nötig, denn auch im Bezirk kennt man die Schattenseite der schönsten Nebensache der Welt.

„Fußball ist halt eine emotionsgetriebene Sache“

Das bestätigt Walter Oberschlick, Gruppenobmann der JHG Nordwest: „Es gibt nichts, was ich noch nicht erlebt habe: von verrückten Trainern und überehrgeizigen Eltern bis zu Schiris, die an der Seitenlinie über ihre Kollegen schimpfen, wenn sie deren Nachwuchs pfeifen.“ Er wird mit seinen Kollegen zwar die Aktion des Verbandes unterstützen, „aber du wirst solche Vorfälle nie wegbekommen, weil Fußball halt eine emotionsgetriebene Sache ist.“ Auch von Strafen für Vereine hält er nichts, „denn da kommen meist die Falschen zum Handkuss.“

Stichwort Vereine: Was sagen die Platzhirsche des Bezirks zu dieser Aktion? Beim SV Leobendorf, einem der erfolgreichsten Klubs in Sachen Jugendarbeit, meint Nachwuchskoordinator Johann Haller: „Ich bin jetzt neun Jahre dabei. Bis auf ein paar Kleinigkeiten kann ich nichts Negatives berichten. Natürlich kochen die Emotionen immer wieder über.“

Ganz generell meint er: „Für jeden Elternteil ist natürlich sein Kind das Wichtigste, im Großen und Ganzen hält sich das aber sehr in Grenzen. Man muss den Kindern aber auch vermitteln, dass Fußball nur die wichtigste Nebensache der Welt ist.“

Ähnlich sieht es Langenzersdorfs sportlicher Leiter, Klaus Kroboth: „Meines Wissens hatten wir noch keine größeren Vorfälle. Natürlich gibt es überall auch Eltern, die vielleicht etwas emotionaler dabei sind, aber wir versuchen, vonseiten des Vereins sehr klar unsere Erwartungshaltung an die Eltern zu kommunizieren.“ Auch jetzt aktuell zum Saisonbeginn gab es einen Elternabend, bei dem der SVL seine Werte und die Erwartungen mit den Eltern diskutierte und klare Regeln festlegte.

Denn Kroboth nimmt die Vereine insofern in die Pflicht, als er meint: „Wie haben eine klare Vereinsphilosophie und ein Ausbildungskonzept, welches auf humanen Werten und Prinzipien im Umgang mit allen beteiligten Personen basiert. Etwaige Verhaltensweisen, die diesem Grundsatz entgegenstehen, werden nicht geduldet und unverzüglich sanktioniert. Das gilt sowohl für Funktionäre, Trainer, Spieler und Eltern.“

In dieselbe Kerbe schlägt Andreas Kreiner, der Jugendleiter der neuen Nachwuchsgemeinschaft Korneuburg/Stetten: „Der Spaß, der Fairplay-Gedanke und die Entwicklung der Kinder sollten eigentlich im Vordergrund stehen. Die Kinder müssen sich ja auch menschlich entwickeln, und eine schlechte Vorbildwirkung ist da alles andere als zuträglich.“

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