Sickermulden ziehen Gräben: Kritik an Nicht-Information. Sickermulden regen Anrainer auf. Stockeraus ÖVP-Stadtchefin Völkl verspricht Lösungen.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 03. Juni 2020 (04:27)
Schon nach kurzen Regenfällen am vergangenen Freitag sammelte sich das Wasser in derGrube.
Höberth

Wenn sich Walter Arnold vor seinem Neubau in der Leopold-Klimesch-Straße umschaut, kann er nur den Kopf schütteln: Im letzten Herbst wurden in diesem Bereich der Ortschaft Sickermulden angelegt, die zur Sammlung und Versickerung von Regenwasser dienen sollen – ohne Vorinformation, wie Arnold betont.

„Es braucht nicht viel zu regnen und das Wasser steht in den Gruben. Es dauert aber lange, bis es wieder abfließt.“

Für die Anrainer würden diese gleich mehrere Risiken bergen. Sie wandten sich wiederholt mit ihren Zweifeln an die Stadtgemeinde, auch mit einem Schreiben, das von mehreren Bewohnern unterzeichnet wurde. Dennoch stieß man auf taube Ohren. „Nur die Grünen haben sich des Themas angenommen“, so Arnold.

„Es braucht nicht viel zu regnen und das Wasser steht in den Gruben. Es dauert aber lange, bis es wieder abfließt“, schildert der Anrainer. Seine Sorgen: Im Sommer locken stehende Gewässer Gelsen an, im Winter könnte Frost die angrenzenden Fundamente der Gartenzäune beschädigen. Außerdem sei durch die Grabarbeiten der Abstand zwischen den unterirdischen Stromleitungen und der Oberfläche, auf der sich das Wasser sammelt, besorgniserregend verringert worden.

Doch auch im Alltag würden die Mulden ein erhebliches Problem darstellen: „Der angeschüttete Split gibt schon nach, wenn man nur darauf tritt“, demonstriert Arnold beim NÖN-Lokalaugenschein. Die Pflege der Gartenzäune sei kaum zu bewerkstelligen.

„Manche nehmen’s mit Humor“, so Walter Arnold. Über einen derSickergräben wurde eine kleine Holzbrücke gebaut.
NOEN

Besonders heimtückisch seien die Gräben aber für Autofahrer: Ohne Begrenzung sind sie nur schlecht zu sehen, ein Parken und Wenden in schmalen Bereichen sei alles andere als sicher. „Ich habe mir die Vorschläge des Landes angeschaut, und eine Möglichkeit wäre, die Gräben mit Schotter und Rasensteinen aufzufüllen“, sagt Arnold. Unverständlich sei, warum die bestehenden Sickerschächte nach der Asphaltierung der Straßen nicht mehr in Verwendung sind.

ÖVP-Bürgermeisterin Andrea Völkl kennt die Probleme der Anrainer: „Ich verstehe die Kritik voll und ganz“, versichert sie gegenüber der NÖN. Dass die Schreiben der Anrainer bisher unbeantwortet blieben, sei ihr hingegen nicht bekannt gewesen. Sie möchte aber ohnehin das persönliche Gespräch mit den Bewohnern suchen: „Wir haben uns bereits an die Planer gewandt, noch ist nichts ausgefertigt. Ich möchte alle miteinbeziehen und auch mit den Bewohnern reden, damit wir gemeinsam eine Lösung finden, die allen gerecht wird“, verspricht Völkl.

Die Pläne für diese Sickermulden seien bereits einige Jahre alt; schon bei der Vergabe der Gründe sei diese Lösung festgestanden, erklärt Völkl. „Die bestehenden Sickerschächte zu nutzen, ist verboten. Die Vorgaben des Landes sehen vor, dass das Regenwasser durch einen natürlichen Filter läuft und dann in ein natürliches Gewässer abgeleitet wird.“

Die Grünen bleiben an dem Thema dran: Stadtrat Dietmar Pfeiler will prüfen, wie die Frostsicherheit der Zaunfundamente gewährleistet werden kann und ob es möglich ist, bestehende Sickerschächte anzubinden. „Diese Fehler dürfen sich nicht wiederholen, darum müssen ausreichend Flächen für die Versickerung bei der Parzellierung mitgedacht werden“, fordert er.