No Way für Wohnbau: Korneuburgs ÖVP drückt auf Stopp. Aufgrund der zu hohen errechneten Baukosten wurde die Ausschreibung widerrufen. „Plan B“ ist SPÖ und Grünen zu unkonkret.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 13. November 2019 (05:33)
So hätte das Way2Smart-Projekt aussehen sollen: Allein der Wohnbau in der Mitte wäre ein Neubau gewesen, die beiden Blöcke wären saniert worden – was der ÖVP letztlich zu teuer war.
Stadtgemeinde Korneuburg

Vier Jahre hat die Stadt an einem Vorzeige-Wohnbau getüftelt. Leistbare Mietpreise trotz modernster energetischer Maßnahmen, begleitet von einem Forschungsprojekt waren geplant, 370.000 Euro hat die Stadt in die Vorarbeit samt Ausschreibung investiert. Jetzt ist fix: Das Projekt Way2Smart wird gestoppt.

Mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ wurde in der letzten Gemeinderatssitzung die Ausschreibung aufgrund zu hoher Baukosten zurückgezogen. SPÖ und Grüne reagieren mit Unverständnis auf die Entscheidung. „Wenn man neu ausschreibt, ist dieses Geld futsch“, warnt SPÖ-Vizebürgermeisterin Gabriele Fürhauser.

Fakt ist: An der Ecke Leobendorfer Straße/Kreuzensteiner Straße stehen 24 alte, baufällige Gemeindewohnungen. Sie sollten saniert und teilweise neu gebaut werden – unter den Aspekten des Forschungsprojekts, das u.a. Energieautonomie und alternative Mobilitätsformen vorgesehen hätte.

Das ist für ÖVP-Gemeinderat Roland Raunig auch die Crux: Die Sanierung des Altbestands, damit er zu einem Energie-Vorzeige-Wohnbau wird, sei mit 3.700 Euro pro Quadratmeter einfach zu kostenaufwendig. „Die Wände sind dünn, der Brandschutz mangelhaft“, nennt er zwei Beispiele. Das ganze Bauvorhaben hätte mit 6,5 bis 6,7 Mio. Euro zu Buche geschlagen. Mit solchen Kosten könne kein sozialer Mietwohnbau realisiert werden, so Raunig.

„Es gibt nur ungefähre Vorstellungen und kein konkretes Projekt. Das ist, wie wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht.“Elisabeth Kerschbaum, Grüne

Nach der Aufhebung der Ausschreibung verfolgt die ÖVP nun einen Plan B: Der Bau der Gemeindewohnungen soll über einen geförderten Wohnbauträger erfolgen. Man hofft, die Baukosten so wesentlich hinunterschrauben zu können. Als Referenz verwies ÖVP-Bürgermeister Christian Gepp auf ein Gespräch mit einer gerade in Korneuburg tätigen Genossenschaft.

SPÖ und Grünen waren diese Angaben aber zu unkonkret, sie wollen am „Way2Smart“-Projekt festhalten. „Es gibt nur ungefähre Vorstellungen und kein konkretes Projekt, mit dem man vergleichen könne“, argumentierte Grüne-Stadträtin Elisabeth Kerschbaum ihre Ablehnung von Plan B. Von einem „Kaffeehaus-Gespräch ohne handfeste Unterlagen oder Garantien“ sprach auch SPÖ-Gemeinderat Martin Peterl. Er warf der ÖVP „Verzögerungstaktik“ vor.

Skeptisch gegenüber Plan B war aber auch ÖVP-Fraktionsobfrau Helene Fuchs-Moser, die sich ihrer Stimme enthielt. Das Projekt sei noch zu unausgegoren. „Ich wünsche mir jetzt einen Weg, wo die Grundidee von Way2Smart noch erkennbar ist“, appellierte sie.