Pilotprojekt: Aus Wind wird Wasserstoff

Die Windkraft Simonsfeld will den Strom der Windräder, der nicht ins Netz eingespeist werden kann, anders verwerten.

Erstellt am 27. November 2021 | 05:15
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Windräder
Die Windräder am Steinberg liefern manchmal mehr Energie, als das Stromnetz aufnehmen kann. Mit der überschüssigen Energie soll künftig Wasserstoff erzeugt werden.
Foto: Klaus Rockenbauer

Bei manchen Windparks haben die Betreiber das Problem, dass sie bei Starkwind gar nicht den ganzen produzierten Strom ins Stromnetz einspeisen können, weil die Leitungskapazitäten des öffentlichen Stromnetzes diesen nicht aufnehmen können. Deshalb werden derzeit Leitungsnetze verstärkt und ausgebaut.

In diesem Fall können die Windräder nur abgeregelt werden. Die Windkraft Simonsfeld will künftig bei ihrer Anlage am Steinberg bei Zistersdorf einen anderen Weg gehen: Aus dem zusätzlichen Strom, der nicht ins Netz eingespeist werden kann, will man Wasserstoff erzeugen. „Wir haben im Raum Zistersdorf die zusätzliche Energie, bestehende Infrastruktur und mit der Firma ADX einen Partner, mit dem wir dieses Pilotprojekt umsetzen wollen“, sagt der für Projektentwicklung zuständige Geschäftsführer Markus Winter. In einer 1,5-Megawatt-Anlage sollen per Elektrolyse Wasser-Moleküle ins zwei Atome Wasserstoff und ein Atom Sauerstoff zerteilt werden – der Vorgang ist im Prinzip der gleiche, wie wir ihn aus dem Chemieunterricht kennen.

Wirkungsgrad mit 70 bis 75 Prozent beziffert

Was passiert mit dem Wasserstoff? Er kann in Tiefenspeichern gelagert oder per Gasleitung beispielsweise der Stahlindustrie zugeführt werden. Zum Erdgas können bis zu zehn Prozent Wasserstoff beigemengt werden. Im Individualverkehr sieht Winter kaum Einsatzmöglichkeiten, hier wird sich seiner Ansicht nach der E-Antrieb durchsetzen. Der entstehende Sauerstoff wird in die Atmosphäre abgegeben.

Winter und sein Projektleiter Dieter Schreiber gehen davon aus, dass das Pilotprojekt einen Wirkungsgrad von 70 bis 75 Prozent haben wird. „Die Technik wird da immer besser“, sagt Winter. „Wichtig ist uns, dass unser Wasserstoff zu 100 Prozent aus erneuer barem Windstrom erzeugt wird“ – und nicht mit Strom aus fossiler Energie oder Atomkraft.