Afghanen (22) droht daheim Lebensgefahr. Polizeiaktion in der Klausur der Haindorfer Lehrschwestern (Stadtgemeinde Langenlois) sorgt für Aufregung. Flüchtling aus Afghanistan soll kurz vor Ende der Berufsausbildung abgeschoben werden. Schon am Abend des Montags, 9. Dezember, könnte er im Flieger sitzen ...

Von Gertrude Schopf und Martin Kalchhauser. Update am 09. Dezember 2019 (16:33)
Ziaulrahman Zaland (22) soll nach Afghanistan abgeschoben werden. Die Schulschwestern in Haindorf sind sicher, dass das sein Todesurteil wäre.
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Weihnachtsfreude wird bei den Schulschwestern in Haindorf heuer wohl schwer aufkommen: Am Sonntag spätabends klopften insgesamt sieben Polizisten (mit Hund) an die Tür des Klosters. Aufgrund eines Durchsuchungsauftrags des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl (BFA) hatten sie den afghanischen Flüchtling Ziaulrahman Zaland (22) festzunehmen.

Kurz vor dem Lehrabschluss ...

Er wurde in das Polizeianhaltezentrum Rossauer Lände gebracht. Bereits in der Nacht von Montag auf Dienstag soll er in einen Flieger Richtung Heimat gesetzt werden. "Zia", wie er von den Schulschwestern genannt wurde, befand sich seit August 2015 in Langenlois. Er hat schnell Deutsch gelernt, besuchte seit 2017 die Fachschule und bewohnte das klösterliche Gästezimmer. Sein Schulabschluss (Grundausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege) hätte auch einen Lehrabschluss als Bürokaufmann beinhaltet.

"Erschießen Sie mich bitte!"

Weil er in seinem Heimatland beim Militär gearbeitet und mit den Taliban in Konflikt geraten war, musste er fliehen. Sein Asylantrag in Österreich durchlief alle Instanzen, der negative Bescheid wurde letztendlich vom Verwaltungsgerichtshof bestätigt. „Er ist jetzt in Lebensgefahr“, sind sich die Schwestern sicher. Sein erster Satz, als er der Polizisten ansichtig wurde: „Erschießen Sie mich bitte ...“

Kritik an geplanter Abschiebung

Die Schulschwestern reagierten nun mit einer Petition an den Bundespräsidenten, in der sie das Stoppen der unmittelbar bevorstehende Abschiebung fordern.

Der Brief wurde auch an Innenminister Wolfgang Peschorn, Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und mehrere "kirchliche Amtsträger" gesendet, wurde betont. Unterzeichnet wurde das Schreiben Kathpress zufolge auch vom Langenloiser Bürgermeister Harald Leopold (ÖVP) und von Vertretern der Langenloiser Flüchtlingshilfe.

Weiterer Appell an Politik

Christian Konrad und Ferry Maier, Initiatoren der Allianz Menschen.Würde.Österreich, appellierten am Montag ebenfalls an die Politik, Abschiebungen voll integrierter Menschen vorerst auszusetzen. Gleichzeitig sei eine vernünftige und langfristige Lösung für Menschen, die Österreich dringend benötige, auf Schiene zu bringen. "Wir brauchen ein Einwanderungsrecht, das diesen Namen auch verdient."

Alle Parteien und die Bundesregierung seien gefordert, so Konrad und Maier. "Die derzeit besonders rigorose Abschiebepraxis ist eines Rechtsstaates nicht würdig - hier wird Zynismus betrieben, der Menschen das Leben kosten kann."

Die Gemeinschaft der Franziskanerinnen in Langenlois habe "mit Entsetzen" die Inhaftierung des Flüchtlings Ziaulrahman Zaland mitverfolgen müssen, teilte Franziska Bruckner, Generaloberin der Schulschwestern vom III. Orden des heiligen Franziskus, mit. "Nicht nur die Verletzung des Privatbereichs der Klausur und das Datum, am Vorabend zum 2. Adventsonntag um 21.00 Uhr, sind bedenklich, sondern das symbolträchtige Schaffen von Fakten im Vorfeld einer längst überfälligen politischen Diskussion über Flüchtlinge in Ausbildungssituationen." Humanitäres Bleiberecht wäre zur Anwendung zu bringen.