FPÖ-Mann mit „Nazi- Nummer“. Blauer Spitzenkandidat Roman Söllner posierte bei Skimeisterschaften mit der „belasteten“ Zahl 88 und setzt auf Opferrolle.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 21. Januar 2020 (06:05)
Das verhängnisvolle Bild des FPÖ-Kandidaten und blauen Personalvertreters in der Justizanstalt Stein, Roman Söllner, mit der Nummer 88, die in Nazikreisen für „Heil Hitler“ steht: „Ich wurde verhetzt!“
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Zum Aufreger wurde ein Foto Roman Söllners, des Hadersdorfer FPÖ-Spitzenkandidaten bei der Gemeinderatswahl und Mitglieds des Zentralausschusses der Justiz-Personalvertretung. Es zeigt ihn mit der Startnummer 88. Der Code „88“ gilt in Nazikreisen als Synonym für „Heil Hitler“.

  „Ich habe mir da gar nichts dabei gedacht.“ Roman Söllner

  Das Foto entstand bei den Justiz-Skimeisterschaften am 15. Jänner in Donnersbachwald in der Steiermark, wo Söllner gar nicht ins Rennen ging. Allgemein gibt es Unverständnis für diese Aktion, die Söllner am Montag, 20. Jänner (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe, Anm.), auch eine Vorladung ins Ministerium einbrachte.

„Ich habe mir da gar nichts dabei gedacht“, gibt Söllner im NÖN-Telefonat zu, dass er schon wisse, wofür 88 stehe. Er habe zuerst aber nicht gesehen, welche Zahl ihm da übergeben wurde. Zum Beweis führt er an, dass er auf dem Foto nicht lache, sondern „überrascht“ dreinschaue. Die Startnummer habe er auch nur wenige Sekunden lang getragen.

„Ich wusste nicht, dass ich fotografiert werde“, beteuert Söllner. „Aber es wird sich alles aufklären, und ich will dem Gespräch im Ministerium nicht vorgreifen.“ Er sei gelinkt worden. „Die Kollegen werden sich dafür verantworten müssen. Ich werde sie zur Rechenschaft ziehen.“ An Rücktritt aus seinen Funktionen – weder als Personalvertreter noch als Gemeinderat – denkt der Hadersdorfer nicht.

Den Rücken stärkt ihm FPÖ-Bezirksobmann Walter Rosenkranz. „Das ist für mich absolut kein Problem. Roman Söllner ist von dieser Problematik so weit weg wie nur!“ Er sei kein Rechter, schon gar kein Neonazi.

Rosenkranz gegen „Hysterie“

Ob er von Kollegen hineingelassen worden sei, könne er, Rosenkranz, nicht beurteilen, aber er vertraue ihm, wenn er behaupte, dass er die Nummer sofort heruntergenommen habe, als er bemerkt habe, was laufe. Rosenkranz geht sogar in die Gegenoffensive zu dieser „Hysterie“: „Wenn man ihm damit einen ,Neonazi-Strick‘ drehen will, ist das das Letztklassigste überhaupt!“

Dass das Foto auch dem Justizministerium bekannt sei, bestätigt Sprecherin Christina Ratz auf NÖN-Anfrage. „Selbstverständlich haben nationalsozialistische Handlungen keinen Platz im österreichischen Strafvollzug. Die Generaldirektion hat daher sofort reagiert und die für solche Fälle zuständige Kompetenzstelle ,Aufsicht‘ beauftragt, das Zustandekommen des Fotos zu überprüfen.“

Als erster Schritt sei eine „Einvernahme des betroffenen Justizwachebeamten“ anberaumt worden. Vor Ergebnis dieser Stellungnahme könne man aber keine weitere Auskunft erteilen.