„Soma“: Kundenzahlen in Krems sind explodiert

Erstellt am 08. Februar 2023 | 04:05
Lesezeit: 3 Min
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„Wir kämpfen von einem Tag auf den anderen“: Soma-Projektleiterin Claudia Psota und Marktleiterin Gabriele Sigl schlagen ob der regelmäßig leeren Regale Alarm.
Foto: Franz Aschauer
Der Sozialmarkt der Caritas in Krems kämpft mit Warenknappheit. Hinzukommt, dass es drei Mal so viele Einkäufer gibt wie 2022.

Leere Regale bereits kurz nach der Ladenöffnung um 8 Uhr morgens sind keine Seltenheit im Sozialmarkt („Soma“) der Caritas am Bahnhofplatz. „Wir kämpfen von einem Tag auf den anderen“, erzählt Marktleiterin Gabriele Sigl. Zwar dürfen Kunden seit jeher nur in „Haushaltsmengen“ einkaufen, auf Rationierungen hätte man früher aber nicht „so extrem schauen müssen“. Das führt zu Unmut: „Es gibt tagtäglich Beschwerden von Leuten, denen wir bei der Kassa wieder etwas wegnehmen müssen“, sagt Sigl.

Der Soma unterstützt Menschen mit geringem Einkommen dabei, ihren Bedarf an Lebensmitteln und Gütern des täglichen Gebrauchs zu decken. Einkaufen dürfen ausschließlich Personen mit gültiger Berechtigungskarte. Die Ausstellung eines Einkaufspasses ist an das monatliche Netto-Einkommen gekoppelt. Das darf etwa in einem Zwei-Personen-Haushalt nicht höher sein als 1.992 Euro.

Immer mehr Menschen fallen in diese Kategorie. Verzeichnete der Sozialmarkt Krems Anfang des vergangenen Jahres noch 215 aktive Berechtigungen, waren es im Jänner 2023 bereits 652. Der Löwenanteil der Kunden, nämlich 382, hat seinen Wohnsitz in der Stadt. Claudia Psota, Soma-Projektleiterin der Caritas, schätzt, dass nur ein Drittel österreichische Staatsbürger sind. Verschoben hat sich auch die Altersstruktur: „Es waren immer die Menschen über 60 Jahre unsere Hauptträger, inzwischen sind es die 40-49-Jährigen“, was vor allem mit der Fluchtbewegung aus der Ukraine zusammenhänge, so Psota. Schuld an der Explosion der Kundenzahlen sind für sie die Energiekrise und die Teuerung. „Es betrifft alle. Man spricht jetzt mehr über Armut, was dazu führt, dass sich die Leute bei uns hereintrauen.“ Aussicht auf Besserung sieht Psota nicht: „Die Situation ist jetzt nicht zu retten, die Inflation ist nicht aufzuhalten.“

Besonders prekär für das siebenköpfige Soma-Team in Krems: Die Waren werden weniger. Kamen im Jahr 2020 über Lieferanten und Spenden noch 120 Tonnen im Geschäft an, waren es 2022 nur noch 77 Tonnen. „Die Ketten liefern weniger an, vielleicht auch, weil in der Corona-Krise die Produktion runtergeschraubt wurde“, meint Psota. Der Markt in Krems bezieht Lebensmittel und Co. von 35 Lieferanten und einer Vielzahl von Spendern. Die Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum um maximal zehn Tage überschreiten dürfen, werden zu einem Drittel des Originalpreises verkauft.

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