Drama um Ehepaar Fessl steht vor Happy End. Behörden und Gemeinde wollen jetzt Hermann Fessl und seiner Gattin helfen. Wendet sich Blatt?

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 10. Januar 2020 (05:54)
Hermann Fessl aus Höbenbach vor seinem alten Mercedes (hier in der Eggendorfer Kellergasse), der ihm seit langer Zeit als „Wohnwagen“ dient.
Fotos: Martin Kalchhauser (3)

Total verzweifelt war der Höbenbacher Hermann Fessl (60) in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr 2020. Seine Gattin Lieselotte (77) wurde gegen seinen Willen von ihm getrennt. Doch jetzt könnte es für das Ehepaar Hilfe geben.

Fessl, nach eigenen Angaben Sozial- und Lebensberater mit Ausbildung in Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM), hat ein Haus in Höbenbach, das seine Frau aber zuletzt wegen einer schweren Erkrankung des Stützapparats und der vielen Stiegen nicht mehr betreten konnte. Zuletzt wurde sie auf die Geriatrie Tulln eingewiesen.

Verzweiflung über die Trennung von Ehefrau

Der total verzweifelte Fessl wohnte in der Folge aus Angst vor Verfolgung durch die Behörden nicht mehr daheim, sondern in seinem alten Mercedes. Der Mann, der sich von allen Seiten in Stich gelassen fühlt, überlegte sogar eine Flucht gemeinsam mit seiner Frau.

Doch zuletzt wendete sich das Blatt. Nachdem sie im Tullner Krankenhaus gelandet ist und dort behandelt wird, wollen auch Gemeinde und Behörde zu einem guten Ende der Geschichte beitragen.

Bürgermeister Josef Böck ist bereits seit einem Jahr mit dem Fall konfrontiert.
NOEN

„Mit dem Fall bin ich seit einem Jahr konfrontiert“, meint der Paudorfer Bürgermeister Josef Böck. „Wir sind in ständigem Kontakt mit Amtsarzt und Gericht.“ Auch er glaubt, dass sich die Angelegenheit in den vergangenen Tagen zum Besseren gewendet hat. „Man wird einen Platz für die Frau finden.“

Das Haus Fessls in Höbenbach sei bewohnbar. Berichte von Nachbarn, dass es total zugemüllt sei, kann Böck nicht bestätigen, weil er es nicht betreten dürfe. „Es ist schwierig, weil Hermann Fessl keine Hilfe annehmen will.“

Das bestätigt auch Bezirkshauptfrau Elfriede Mayrhofer auf NÖN-Anfrage. „Der Mann hat ja ein halbes Jahr oder länger mit seiner Frau im Auto gelebt!“ Die Frau sei in einem sehr schlechten Gesundheitszustand gewesen. Die Behörde sei bereit, Hilfestellungen anzubieten.

Bezirkshauptfrau Elfriede Mayrhofer: „Hilfe ist möglich, aber wollen muss er!“
Kalchhauser

„Wir haben ihm einige Möglichkeiten aufgezeigt. Aber er ist für sich selbst verantwortlich, weil er ja keinen Erwachsenenvertreter (früher: Sachwalter, Anm.) hat. Wir helfen, wo es geht. Aber wollen muss er!“, hofft Mayrhofer, dass sich Einsicht und guter Wille der offiziellen Stellen zu einem Happy End vereinigen. „Herr Fessl braucht nur zu sagen: ,Helft mir bitte!‘ Da gibt es bei uns und sicher auch bei der zuständigen Gemeinde große Bereitschaft.“