Inklusion am Arbeitsmarkt: Wie Anschluss an Familie. EssCafé Fair gibt drei Personen mit Handicap eine Chance – und zeigt, wie Integration funktionieren kann.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 24. April 2019 (05:49)
Martin Kalchhauser
Familiäre Atmosphäre im EssCafé Fair: Gastronom Christoph Aichinger, Sandra Hendrich, AMS-Geschäftsstellenleiter-Stv. Dieter Melcher, Gastronomin Anna Aichinger, Rudolf Dörr-Kaltenberger (Caritas-Arbeitsassistenz), Barbara Huber und Marianne Weidinger (v. l.).

„Es wird immer schwieriger, Arbeitsplätze für Menschen zu finden, die nicht alles können und Zeit für Einschulung und Eingewöhnung brauchen“, bedauert der stellvertretende Kremser AMS-Leiter Dieter Melcher. Ein strahlendes Gegen-Beispiel ist Anna Aichinger, die mit ihrem Sohn Christoph das EssCafé „Fair“ im Goldenen Kreuz betreibt. Dort haben gleich drei Menschen mit Handicap Aufnahme gefunden.

„Die wesentliche Botschaft ist, dass bei gutem Willen viel gelingen kann.“Rudolf Dörr-Kaltenberger

„Es war positiv. Hier hat es sofort die Bereitschaft gegeben, Menschen mit Behinderung eine Chance zu geben“, lobt Melcher. Und auch Rudolf Dörr-Kaltenberger von der Beruflichen Integration der Caritas St. Pölten, die ebenfalls mithilft, diese Menschen nachhaltig zu vermitteln, freut sich und verweist auf Fördermöglichkeiten dank AMS, Land NÖ und Sozialministerium: „Wir helfen bei der Integration am ,1. Arbeitsmarkt‘ und unterstützen auch begleitend bei Problemen.“

Für Dörr-Kaltenberger ist der Fall „Fair“ Grund zur Freude: „Die wesentliche Botschaft ist, dass bei gutem Willen viel gelingen kann.“

Zehn Menschen aus dem herausfordernden Segment konnten heuer in Stadt und Bezirk Krems schon vermittelt werden, 156 Personen mit Handicap sind aktuell noch auf Jobsuche.

Anna Aichinger, die 2018 schon das Konzept hatte, mit diesen Menschen zu arbeiten, kann aus der Praxis viel Positives berichten. „Vieles geht ohne Druck, wir begegnen einander auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt.“

„Es sind bei der Entwicklung unserer Leute Wunder passiert“

Im „Fair“ gibt es aber mehr als nur Arbeit für zwei Mitarbeiterinnen (via AMS-Aktion) und eine zusätzlich ins Team geholte Helferin. „Wir kümmern uns auch über die Arbeit hinaus um sie“, so Aichinger – das geht bis zur Organisation (und Bezahlung) von Nachhilfe für ihre Kinder. „Wir bieten unseren besonderen Bediensteten Anschluss an. Wir sind wie eine Familie!“

Für so viel Einsatz und Empathie bekommt die Gastwirtin auch viel zurück. „Es sind bei der Entwicklung unserer Leute Wunder passiert“, staunt sie selbst, und auch Sohn Christoph ist begeistert: „Man merkt fast jeden Tag Fortschritte!“

Ein Problem bleibt allerdings die Finanzierung. „Finanziell ist es sehr eng. Wir überlegen daher, Firmen und Privatpersonen einzubinden, indem sie Patenschaften übernehmen“, so die Chefin des aktuell achtköpfigen Teams, Anna Aichinger. „Es ist schön, wenn wir immer wieder dafür gelobt werden, dass wir etwas für benachteiligte Menschen machen. Aber wer uns helfen will, kann das am besten und einfachsten schon tun, indem er möglichst oft als Gast zu uns kommt!“

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