Kampf um die Regenwolken: Widerstand gegen Hagelflieger. St. Leonharder gründeten Verein,der die Arbeit der Kremser Hagelflieger in Zweifel zieht und ablehnt.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 25. Juni 2019 (04:26)
Martin Kalchhauser
Verein zur Erhaltung der natürlichen Niederschläge: Obmann-Stv. Andreas Aschauer (Wolfshoferamt), Obmann Herbert Steiner (Tautendorf) und Kassier Robert Weninghofer (Wolfshoferamt, von links). Foto: Martin Kalchhauser

Den extremen Niederschlagsmangel in ihrer Region führen besorgte Landwirte in der Region St. Leonhard (auch) auf die Aktivitäten der Hagelflieger zurück. Sie wollen, dass diese ihre Aktivitäten einstellen oder zumindest stark einschränken.

Johann Lechner
Einer der Hagelflieger, die vom Flughafen Gneixendorf aus aufsteigen und die Gewitterwolken mit Silberjodid „impfen“, um Hagelniederschlag zu vermeiden oder Schaden zu vermindern. Foto: Johann Lechner

„Seit über 30 Jahren betreibt der Kulturenschutzverein Langenlois die Hagelabwehr“, weiß der Obmann des neuen Vereins, Herbert Steiner. „Allein 2018 wurden an 24 Tagen 81 Einsätze mit den drei Fliegern durchgeführt.“ Diese Maßnahme bewirke, dass es durch das in die Wolken injizierte Silberjodid geografisch verschieden abregnet. Die Region Hornerwald sieht Steiner dabei als Opfer. Es gebe meist ausreichend Wolken, aber nach der Beobachtung vieler Menschen komme es nach den Flügen meistens zu einem Auflösen der Gewitterzelle.

Der „Verein zur Erhaltung der natürlichen Niederschläge“, der nun mit der Homepage www.regenistleben.at im Internet aktiv ist, will zu einem Umdenken animieren. Obmann-Stellvertreter Andreas Aschauer: „Das Wetter ist durch die Hagelflieger jedenfalls stark beeinflusst.“ Den Klimawandel bestreite man nicht, betont Obmann-Stellvertreter Robert Weninghofer, der auf eine bereits sehr erfolgreiche Unterschriftenaktion verweist: „Viele Leute bei uns sind schon sehr verzweifelt.“

Gerade im Sommer sei es ein Schaden, dass der verbleibende „Nebel“ verdampfe oder weggeblasen wird. Groß sei der Ärger, dass die Hagelflieger teilweise auch über ihr Zielgebiet – Langenlois, Wachau, Region Kirchberg – hinausfliegen. Weninghofer: „Viele wollen generell nicht mehr, dass geflogen wird, aber schon gar nicht in unserer Region!“

Erste positive Signale der Unterstützung

Jetzt hoffen die Vereinsaktivisten, die betonen, „auf einer Sachebene“ kommunizieren und möglichst wenig Emotionen ins Spiel kommen lassen zu wollen, auf Unterstützung von Gemeinden und orten erste positive Signale von Organisationen wie dem Lagerhaus Zwettl und der Bauernkammer Horn.

Weninghofer meint, dass die Flieger „kleine Gewitter ,ruinieren‘ (im Sinn von Vernichtung von Niederschlag, Anm.), gegen die großen aber ohnehin keine Chance haben.“ Aschauer hakt nach: „Ich glaube, es ist nicht gut, Wettergott zu spielen!“