Marillenernte: 70 bis 100 Prozent Verluste. Auf Rekordjahr 2019 folgen massive Ernteausfälle durch Frost. Nur eine Minderheit der Betroffenen ist versichert.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:40)
Marmelade, Likör & Co: Theresa (links) und Gerti Tastl setzen heuer auf den Verkauf von verarbeiteten Marillenprodukten.
Johannes Mayerhofer

Wie auch andernorts läuft bei den Wachauer Marillenbauern die Ernte, und es bestätigt sich, was schon im April absehbar war. „Im Durchschnitt haben wir wohl 90 Prozent Ernteverlust in unseren Marillenbetrieben“, bestätigt Franz Reisinger, Chef des Vereins „Wachauer Marille“. Besonders große Streuungen gibt es nach seinen Schätzungen nicht: „Das Resultat reicht vom Totalausfall bis hin zu ,nur‘ 70 oder 80 Prozent Ernteverlust. Letztere Bauern sind also, zynisch gesprochen, noch ,gut‘ dran.“

Schuld an diesem schlechten Ernteergebnis sind vor allem frostige März-Nächte mit bis zu minus 8 Grad, während sich Schäden durch Hagel laut Österreichischer Hagelversicherung in Grenzen hielten. „Der milde Winter hat dazu geführt, dass die Marillenbäume relativ schnell ausgetrieben haben. Die meisten Blüten haben allerdings die darauffolgenden kalten Nächte nicht überlebt“, erklärt Reisinger.

Einen derartigen Frostschaden habe er „bisher noch nicht erlebt“. Klarerweise spiele die geografische Lage einer Marillenplantage beim Ausmaß von Schäden eine Rolle. So wirkt sich die Lage an Hängen oder in der Nähe der Donau günstig gegen Frost aus. „Die Donau ist ein Wärmespeicher. Warme Luft, welche in die Marillengärten eindringt, kann gegen Frostschäden helfen. Bei Hängen ist es so, dass kalte Luft hinabgleitet, während warme Luft sich in höheren Lagen sammelt“, so Reisinger.

„Frostfeste Marillen nicht geschmackvoll“

Gerhard Tastl, Marillenbauer und Bürgermeister von Rohrendorf, sieht die Situation anders und differenziert beim Frost: „Hanglagen und Donaunähe helfen vielleicht bei Strahlungsfrost, der in trockenen, klaren und windstillen Nächten entsteht. Was wir aber hier erlebt haben, ist ein Polarlufteinbruch, wodurch bestimmte Wetterlagen und ein allgemeines Wettertief kalte Luft von Norden her zu uns ,pumpen‘. Da hilft auch eine Lage am Hang nur bedingt etwas.“

Tastl, dessen Marillenbäume weder in unmittelbarer Donaunähe noch auf einem Hang stehen, hat mehr als 90 Prozent seiner Ernte verloren. Doch so wenig er 2019 von „Marillenschwemme“ sprechen wollte, möchte er heuer über den horrenden Ernteausfall jammern. „Man muss sich damit abfinden, dass ein Jahr sehr stark, das nächste sehr schwach sein kann“, beschwichtigt er. Es gebe natürlich Wege, Bäume vor Frost zu schützen. „Manche Methoden sind aber schlichtweg viel zu teuer, wie etwa Paraffin-Kerzen. Da braucht man 200 Stück pro Hektar und Nacht.“ Zwar gebe es schon frostresistente Züchtungen, diese lehne er aber wegen mangelhaften Geschmacks ab.

„Junge Bauern wenden sich von der Marille ab“

Obmann Reisinger, der selbst sechs Hektar mit Marillenbäumen bewirtschaftet, sieht die Zukunft des Wachauer Marillenanbaus kritisch. „Die Marille ist eine, sagen wir, ,riskante‘ Frucht, die noch dazu mit viel Arbeit verbunden ist. Ich merke, dass etliche der Jungbauern deshalb der Marille entsagen. Noch dazu mit diesen Rahmenbedingungen.“ Für viele Kollegen sei die Marille nur ein Standbein. Tastl bietet ausschließlich Marillen an, rettet sich aber mit verarbeiteten Produkten aus 2019 über das Jahr.

Nur zehn bis 20 Prozent gegen Frost versichert

Bei der Hagelversicherung ist man zuversichtlich, dass die Zahl der gegen Frost versicherten Wachauer Marillenbetriebe infolge der aktuellen Verluste in Zukunft steigen könnte. „Bisher sind hier nur rund zehn bis 20 Prozent versichert. Im Weinviertel sind es immerhin etwa 50 Prozent“, heißt es.

Die Versicherung greift ab einem Verlust von 36 Prozent und zahlt bis zu 80 Prozent der Schadenssumme aus. Die Prämie beträgt 26,4 Prozent der Versicherungssumme. „Zu teuer“, meinen zahlreiche Marillenbauern. Dabei wird die Prämie mit 55 Prozent staatlich gefördert. „Im östlichen Bezirk haben wir einige Versicherte, in der Wachau weniger. Wenn derartige Schäden klimawandelbedingt häufiger auftreten, werden sich künftig hoffentlich mehr Bauern absichern.“

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