Nicht nur Freude über Öl-Verbot. Seit 1. Jänner dürfen Öl-Heizungen nicht mehr eingebaut werden. Die NÖN zeigt, wer im Bezirk profitiert und wer verliert.

Von Franz Aschauer, Martin Kalchhauser und Petra Vock. Erstellt am 08. Januar 2019 (05:29)
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Symbolbild

Niederösterreich ist das erste Bundesland, in dem es in Neubauten keine Öl-Heizungen mehr geben wird. Dennoch: Jeder sechste Haushalt heizt immer noch mit Öl. Um ihnen den Umstieg zu erleichtern, gibt es einen Bonus. Bis zu 5.000 Euro erhält, wer von Öl auf ein alternatives Heizsystem umsteigt.

GEDESAG hat kein Problem mit dem Verbot

„Das Verbot in den Neubauten betrifft die Branche nicht“, meint dazu Johann Sinhuber, Installationsunternehmer in Gföhl. „Wir haben schon in den vergangenen Jahren in Neubauten keine Ölheizungen mehr eingebaut.“ Bei der Sanierung bestehender Anlagen sei die Sache aber Thema. „Wir machen noch jedes Jahr ein paar Anlagen, vor allem im ländlichen Bereich.“ Für die Betroffenen sei die Erneuerung der Ölheizung schneller erledigt als ein Umstieg auf ein anderes System. Und es sei trotz des Bonus auch eine Kostenfrage, weil man sich umfangreiche Umbauten (zum Beispiel auf Fußbodenheizung statt Radiatoren) ersparen könne.

Überhaupt kein Problem mit dem Öl-Heizungsverbot hat die GEDESAG. Der in Krems ansässige Wohnbauträger setzt schon seit Längerem auf umweltfreundliche Wärmegewinnung. „Dort, wo bestehende Fernwärmenetze vorhanden sind, werden diese für die Wärmeversorgung unserer Neubauobjekte genutzt; dort, wo keine Wärmenetze vorhanden sind, werden eigene Heizzentralen für die jeweiligen Bauvorhaben vorwiegend auf Biomassebasis errichtet“, sagt Direktor Otmar Amon, Leiter des Immobilienmanagements bei der GEDESAG.

Laut Amon verfügt die GEDESAG lediglich über zwei Bestandsobjekte im westlichen Niederösterreich, die noch von Öl-Zentralheizungen versorgt werden. „Alle übrigen rund 630 Objekte in unserem Verwaltungsbereich werden überwiegend über Fernwärme, Nahwärme, Biomasse, Pellets und Biogas mit Wärme versorgt, einige mit Wärmepumpe sowie Erdgas und Flüssiggas.“

Becker: „Ist eine ziemlich drastische Maßnahme“

Ein Gegner des Öl-Heizungsverbots ist der Heizölhändler Becker aus Krems. „Ich bin der Auffassung, dass ein Verbot eine ziemlich drastische Maßnahme ist. Verbote erwecken den Anschein, dass die anderen am Markt verfügbaren Technologien für viele Verbraucher noch immer unattraktiv sind und die Bevölkerung zu ihrem Glück gezwungen werden muss“, sagt Junior-Chef Oliver Becker.

Eine deutlich klimafreundlichere Zukunft erwartet er sich wegen des Verbots nicht. „Schon alleine aus wirtschaftlichen Gründen wird ein erheblicher Teil der künftig neu errichteten Heizanlagen mit Gas betrieben werden, was die Sinnhaftigkeit des Verbots noch fraglicher erscheinen lässt.“ Und Becker geht noch weiter: „Die Anzahl der mit Öl heizenden Haushalte in Niederösterreich ist in den letzten zwölf Jahren – ganz ohne Verbot – um 40 Prozent auf circa 92.000 zurückgegangen. Im Lichte dieser Zahlen sehe ich das Ölheizungsverbot als populistische Maßnahme, durch die die Untätigkeit auf den wirklich bedeutenden Gebieten kaschiert werden soll.“

Besondere Auswirkungen für das Familienunternehmen durch die neue Rechtslage erwartet Becker nicht. „Allerdings wird langfristig voraussichtlich ein Arbeitsplatz in unserem Betrieb dem Rückgang beim Heizölbedarf zum Opfer fallen.“

Im gesamten Bezirk Krems werden derzeit rund 3.500 Haushalte über die Fernwärmenetze Krems, Gföhl und Langenlois versorgt – Tendenz steigend. Die EVN plant deswegen auch die Erweiterung des Fernwärmenetzes in Krems. „Es gibt ein großes Biomasseheizwerk-Projekt, für das bereits alle notwendigen behördlichen Genehmigungen vorliegen. Die Realisierung würde den nachhaltigen Umbau des Energieknotenpunktes Krems/Theiß vervollständigen“, erzählt EVN-Pressesprecher Jochen Förster-Kugler. Zuletzt verzögerte sich das in der Kremser Au geplante 27-Millionen-Euro-Projekt aber wegen unklarer Förderungshöhen.

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