Vertreibt Testpflicht die Kunden?

Friseure, Kosmetiker und Masseure im Bezirk Krems kritisieren Testpflicht für Kunden und fordern Zulassung von Schnelltests.

Erstellt am 10. Februar 2021 | 05:54
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„Politik muss unbedingt über Zulassung lokal durchführbarer Schnelltests diskutieren!“ Manche Kunden der Friseurin Christa Schiller-Geyer (rechts), wie etwa hier Beate Riss, kommen trotz verpflichtendem Corona-Test in ihren Friseursalon in Brunn am Walde. Ein Teil ihrer Kundschaft werde den Haarschnitt nun allerdings von anderen Personen privat im Pfusch erledigen lassen, so ihre Vermutung.
Foto: Johann Lechner

„Der Mindestabstand ist einzuhalten“, tönt es bei jeder der regelmäßig abgehaltenen Pressekonferenzen der Regierung. „Außer in Berufen, wo das nicht möglich ist“, lautete ein häufiger Nebensatz. Gemeint sind damit die „körpernahen Dienstleistungsberufe“, also Masseure, Friseure, Kosmetiker, Nagel- und Fußpfleger. Sie alle öffneten gemeinsam mit dem Handel am 8. Februar wieder ihre Tore. Wie ist ihre geschäftliche Stimmung und was halten sie von den an die Wiedereröffnung geknüpften Bedingungen?

Zahl der Kundentermine ist deutlich rückläufig

„Wir hatten ja während der vergangenen elf Monate mehrere Wiedereröffnungen, und da waren wir, wie etwa vor Weihnachten, vollkommen ausgebucht. Davon kann dieses Mal aber keine Rede mehr sein“, zeigt sich Felix Boczek vom Massagestudio „Massage Felix“ in der Kremser Edmund-Hofbauer-Straße ernüchtert. Der junge Selbstständige spricht von einem Einbruch der terminlichen Voranmeldungen von „etwa 30 bis 40 Prozent“.

Ähnlich lautet die Bestandsaufnahme von Christa Schiller-Geyer, Friseurin in Brunn am Wald. „Ich bin keine Pessimistin, ich bin auch zuversichtlich, dass Normalität wieder einkehren wird. Dass wir aber wieder voll aufs Gas steigen können, das wird sicherlich nicht der Fall sein. Nach den Lockdowns der Vergangenheit waren unsere Terminbücher voll.“ Sie rechne jetzt definitiv mit Steh- und Freizeiten.

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Kosmetikerin Anitta Unden-Catuna: „Würde Schnelltests auch selber durchführen.“
JM

Auch unter anderen „körpernah“ arbeitenden Dienstleistern macht sich Unmut ob rückläufiger Terminvereinbarungen breit. So etwa im Studio „Make Me Up“ für Kosmetik, Permanent-Makeup, Visagistik und Fußpflege in der Steiner Landstraße. Chefin Anitta Unden-Catuna sieht einen Teil ihres Kundenstocks „aufgrund der Rahmenbedingungen“ ausbleiben. „Wir sprechen hier von Umsatzeinbußen von etwa 80 Prozent. Das wird auch aus den vielen Telefonaten deutlich, die ich mit all meinen Kunden geführt habe.“

Geeint in der Kritk an verpflichtenden Tests

Boczek, Schiller-Geyer und Unden-Catuna sehen in den jüngst von der Regierung festgelegten Corona-Test-Maßgaben für Kunden körpernaher Dienstleister den Hauptgrund für das dicke Buchungsminus. Diese sehen vor, dass nur Personen mit einem höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test eine Dienstleistung in Anspruch nehmen dürfen. Selbst- und Schnelltests, welche auch vor Ort durchgeführt werden könnten, sind nicht zugelassen.

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„30 bis 40 Prozent Minus“: Die Masseure Felix Boczek und Aleksandra Gatty verzeichnen im Unterschied zu vergangenen Wiedereröffnungen eine Kundenflaute.
Johannes Mayerhofer

„Es ist natürlich ein Witz, dass der negative Test nur 48 Stunden alt sein darf – und die Teststraße der Stadt Krems ist nur an zwei Nachmittagen pro Woche geöffnet“, kritisiert Boczek. Hier kämen Kunden natürlich unter Terminstress. In seiner altersmäßig vielfältigen Kundschaft seien vor allem die Jüngeren testskeptisch, die Älteren würden versuchen, Friseur und Masseur mit einem Testergebnis unter einen Hut zu bringen.

Er spricht sich für die Zulassung von Schnelltests an Ort und Stelle aus. Friseurin Schiller-Geyers Kundschaft teilt sich in Testwillige, „widerwillig“ Getestete und solche, die „drauf pfeifen und die Haare von jemandem im Pfusch machen lassen.“ Sie bekomme in die Richtung auch „unmoralische Angebote“. Über lokale Schnelltests müsse „unbedingt diskutiert werden“, denn die nächste Teststraße in Gföhl sei drei Stunden pro Woche geöffnet, „ein Humbug“.

Unden-Catuna wäre dazu bereit, Schnelltests selbst durchzuführen. „Da ich früher Krankenschwester war, weiß ich, wie sowas praktisch zu handhaben ist.“ Die meisten ihrer Kunden seien berufstätig, etliche könnten sich daher nicht auf die begrenzten Öffnungszeiten der Kremser Teststraße verlassen.

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