Wolf wird verstärkt zu Thema werden. Biologen freut die Rückkehr des Wolfs, Jäger beklagen „Zweiklassengesellschaft“.

Von Martin Kalchhauser und Petra Vock. Erstellt am 19. Februar 2019 (04:32)
Fotos: privat
Es ist nicht zu 100 Prozent sicher, aber beim in Zöbing gefundenen toten Reh könnte es sich um einen Wolfsriss handeln.

„Es gibt in ganz Europa keinen Übergriff von einem Wolf auf Menschen!“ Dem Biologen Martin Scheuch aus Zöbing steigen bei der aktuellen Diskussion über den Wolf „die Grausbirnen auf“. Er vermutet dahinter vor allem Stimmungsmache von Jägern, „die im Wolf einen Konkurrenten sehen“.

Dass der Rehkadaver am Zöbinger Kogelberg das Werk eines Wolfes war, schließt Scheuch nicht völlig aus. Er selbst hat in der Nähe der Mülldeponie von Gneixendorf schon einmal einen Goldschakal beobachtet, und auch Luchs-Spuren hat er im Kamptal schon gesichtet.

Wolfs-Rückkehr ins Waldviertel ist positiv

Dass diese Tiere ins Waldviertel zurückkehren, ist für ihn aus ökologischer Sicht ein gutes Zeichen. „Und die Gesundheit von Rehpopulationen nimmt dadurch zu, da der Wolf die kränkeren Tiere zuerst wegfrisst.“

Maßnahmen sind aus seiner Sicht keine nötig, mit Ausnahme von Herdenschutzhunden, wie sie der Langenloiser Schafzüchter Willi Klaffl – ein Befürworter der Rückkehr des Wolfes – seit heuer hält. Scheuch: „Eine eingesperrte Schafherde ist für einen Wolf, wie wenn man über Nacht einen Supermarkt voll beleuchtet offen stehen lässt.“

Kalchhauser
Bezirksjägermeister Andreas Neumayr: „Die Wolfsthematik wird stärker werden.“

Emotionslos sieht Bezirksjägermeister Andreas Neumayr das Thema. Die „Zweiklassengesellschaft“ ärgert ihn aber: „Wenn entschieden wird, dass Rotwild nicht in einen bestimmten Bereich gehört, dann darf es geschossen werden, beim geschützten Wolf ist das aber anders.“ Wenn er vermehrt in Zonen, wo er unerwünscht sei (bewohnte Gebiete), vordringe, „wird die Wolfsthematik stärker werden. Wenn in einem Waldgebiet die Wölfe zu viel werden, dann drängen sie an den Rand und kommen auch in die Nähe von bewohntem Gebiet.“

Zum Problem werde das nicht für die Jäger, eher für die Landwirte. „Die Wölfe holen sich, was sie leichter bekommen. Und ein Schaf in einem Pferch ist einfacher zu erwischen als ein Reh.“ Die Weidmänner seien nicht auf den Wolf aus. „Aber wenn der Auftrag kommt, welche zu entnehmen, werden sie zur Verfügung stehen.“

Beim sogenannten „Wolfsparagraphen“ stehe der Schutz des Menschen und seines Besitzes im Zentrum. Derzeit wolle man den Wolf (etwa mit Gummigeschoßen) nur „vergrämen“.

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