„Aufstand“ im Tourismusverband. Nibelungengau machte vor Sitzung Dampf und schnappte sich neuen Vize-Posten. Kremstal verpasste Schachzug.

Von Markus Glück und Martin Kalchhauser. Erstellt am 12. März 2019 (05:01)
Donau NÖ
Zerreißprobe im Vorfeld, „harmonische Sitzung“, letztlich eine Einigung … Jetzt wollen die Verantwortlichen im Tourismusverband Wachau-Nibelungengau-Kremstal(Symbolbild: Dürnstein) wieder gemeinsam an einem Strang in die selbe Richtung ziehen.

Offiziell herrscht nach der Wahl zum neuen Vorstand des Tourismusverbandes Wachau-Nibelungengau-Kremstal pure Harmonie. Dass es nicht zum totalen Krach, angestachelt von Vertretern aus dem Nibelungengau kam, ist einer Änderung des Wahlvorschlags kurz vor der Sitzung zu verdanken.

Steve Haider, Martin Kalchhauser, privat
Martin Nuhr aus Senftenberg war Vize-Obmann, ist jetzt Schriftführer.

Der ursprüngliche Wahlvorschlag – der Aggsbacher Mario Pulker sollte von den beiden Stellvertretern Patrick Strobl (Melk), Andreas Nunzer (Spitz) und Reinhard Resch (Krems) flankiert werden – schmeckte dem Nibelungengau überhaupt nicht. Laut einem internen Mail, welches der NÖN zugespielt wurde, fanden es die Vertreter der zehn Gemeinden „nicht fair und schade, dass im Vorstand des Verbandes kein direkter Vertreter der Nibelungengaugemeinden vorgesehen ist“. Auch störte die Vertreter die Übermacht der Wachau-Gemeinden im Vorstand.

Im Vorfeld der Neuwahl gab es Zerreißprobe

Aus diesem Grund brachte die ARGE Nibelungengau vor der Wahl den Ybbser SP-Bürgermeister Alois Schroll als vierten Stellvertreter in Stellung –mit Erfolg. „Es gab im Vorfeld große Unruhe, die Sache stand vor der Zerreißprobe. Wir fühlen uns von Patrick Strobl nicht vertreten“, meinte ein Vertreter aus dem Nibelungengau.

NOEN
GastronomMario Pulker ist der neue Tourismusverbands-Obmann.

Für den neuen Obmann Mario Pulker ist der zusätzliche Obmann kein Problem: „Wichtig ist, dass das Team arbeitet, und Schroll ist einer, der anpackt.“ Pulker, der mit mehr als 20 Jahren längstdienendes Mitglied ist, betont auch, dass erst eine Statutenänderung die Wahl Schrolls möglich machte: „Es war ein Wunsch des Nibelungengaus, worüber es keine Diskussionen gab.“ Positiv überrascht von seiner Wahl zeigte sich Schroll: „Es geht um die Region, und ich werde mich für den Nibelungengau einsetzen.“

Von einer „harmonischen“ Sitzung spricht der Kremser Bürgermeister Reinhard Resch (SPÖ). Er selbst sei für Krems an der Stelle des Stellvertreters von Beginn an am Wahlvorschlag gewesen. Damit widerspricht er auch Gerüchten, dass er selbst die Nachfolge des Kremser Ex-Vizebürgermeisters Wolfgang Derler als Verbands-Obmann antreten wollte und sogar mit dem Austritt gedroht haben soll: Dass die Stadt Krems Druck machen habe müssen, „entspricht nicht der Wahrheit“. Laut Gesetz wäre ein Austritt auch nicht möglich gewesen.

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Bürgermeister Reinhard Resch spricht von „harmonischer Sitzung“.

Während die Sache für den Nibelungengau gut endete, schauen die Vertreter aus dem Kremstal durch die Finger. Der bisherige Obmann-Stellvertreter Martin Nuhr aus Senftenberg musste das Feld räumen und ist künftig Schriftführer. Er spricht von einer „offenen konstruktiven Diskussion“. Dafür, dass die Stadt Krems ihre Position nicht räumen wollte, zeigt Nuhr Verständnis. „Das Drängen der Stadt Krems war ein Thema, aber das ist auch nachvollziehbar.“ Anders als beim Nibelungengau ist vom Kremstal aber kein schriftlicher Antrag im Vorfeld eingegangen, daher habe der Nibelungengau die Nase vorne gehabt. „Ich hätte mich gefreut und wäre bereit gewesen, weiterhin Obmann-Stellvertreter zu sein“, meint Nuhr. Einen fünften Obmann-Vize gibt es derzeit nicht. Nuhr: „Wenn man wollte, könnte man aber die Statuten erneut ändern. Es ist nichts in Stein gemeißelt.“