Alles gut gelaufen an Kremser Schulen im Lockdown?. Ein ungewöhnliches Schuljahr ist zu Ende. Wie lief die Zeit des Lockdowns und danach? Welche Spuren werden bleiben?

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:46)
Für sie ist die Volksschulzeit nun vorbei: Die Viertklässler Collien Denk, Viktoria Kasser, Magdalena Prinz, Noel Zöchbauer, Philipp Zeillinger, Niklas Suhrböck, Jonas Exinger (von links).
Foto: Johannes Mayerhofer

„Stell dir vor, es sind Ferien, aber du musst dennoch unterrichten.“ Für BRG-Direktor Erich Böck bringt dieser Satz den Schulbetrieb während des coronabedingten Lockdowns auf den Punkt. „Es war keine Krise, aber eine Herausforderung, weil alles sehr flott gehen musste. Die Schulschließungen waren ja sehr kurzfristig angekündigt.“

Wie gut funktionierte das Homeschooling?

Zu dieser Frage ziehen viele Beteiligte gemischte, aber tendenziell positive Bilanz. So zeigt sich Marianne Stromberger, Direktorin der VS Krems/Stein, insgesamt zufrieden. Da aber sehr junge Schüler in der Regel noch keinen eigenen PC/Laptop haben, seien Fälle aufgetreten, wo es sich bei der Nutzung des einzigen Rechners daheim „gespießt“ habe. „Wenn Eltern im Home-Office arbeiteten, kann das schnell mal vorkommen“.

Einen deutlichen Unterschied zwischen Unter- und Oberstufe sah hier auch Erich Böck: „Bei technischer Leihausrüstung hatten wir 24 Anmeldungen von Unterstufenschülern und nur eine einzige aus der Oberstufe.“ Weinbauschuldirektor Dieter Faltl betont, dass nur wenige Leih-Laptops benötigt wurden.

„Schulbetrieb im Lockdown kann nur funktionieren, wenn die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt werden.“ Marianne Stromberger, Direktorin Volksschule Stein

Fürs Lernen, Unterrichten und Kommunizieren nutzten Lehrer, Schüler und Eltern vor allem Plattformen wie „Moodle“, „Schoolfox“, „Zoom“ oder „LMS“ „Unser Informatiklehrer Volker Reitgruber hat uns allen einen IT-Crashkurs gegeben, das hat sicher geholfen“, meint Erich Böck. Zahlreiche Schulen hatten schon im Vorfeld des Corona-Lockdowns Strukturen online-basierter Aufgabenabwicklung und Kommunikation.

„Die Coronakrise hat dem allerdings einen deutlichen Schub gegeben“, so Weinbauschuldirektor Faltl. Kritik kommt von der Schülervertretung. „Bei uns in der HLF Krems hat es gut funktioniert, aber viele Schulen waren nicht auf dem technischen Stand, um gutes Homeschooling bieten zu können“, meint etwa Ex-Landesschülervertreter Anton Plappart. Oft habe man auf kostenpflichtige oder schlechte Programme ausweichen müssen. Weiters habe vielen Lehrern das nötige Wissen gefehlt.

Vor- und Nachteile des „einsamen“ Lernens

Auch auf sozialer Ebene hat Homeschooling Folgen. „Der Lockdown hat stärkere Kommunikation notwendig gemacht. So haben Eltern direkter mitbekommen, wie es um die Leistung ihres Kindes bestellt ist und was die Lehrer stemmen müssen. Das finde ich gut“, sagt Böck. Während beim Lernen auch die soziale Dimension wichtig ist, sei das Homeschooling stark individualisiert gewesen. Faltl betont, dass Fremdsprachen-Fächer ohne Präsenz und verbales Kommunizieren auf Dauer nicht denkbar sind.

Aufgaben, etwa das Ausarbeiten von Projekten, Werkstücken oder Referaten, liefen vielerorts über Video und Foto. „Unsere Schüler mussten etwa im heimeigenen Weingarten Arbeiten erledigen, etwa zum Rebschnitt, das alles in Bild- und Videoformat festhalten und die Vorgehensweise erläutern“, so Faltl. Viele Schüler seien von ihren Eltern zur Arbeit „gescheit eingespannt“ worden, worin er Praxisvorteile für die Schüler sieht.

„Abstandsgebot für Schüler ein Wahnsinn“

Zur Abstandsregel, welche bei Wiedereröffnung der Schulen praktiziert wurde, meint Böck: „Für die Schüler ist dies natürlich ein Wahnsinn und eine Belastung.“ Während die Kinder in der VS Stein in den Pausen in Gruppen aufgeteilt wurden – hier sei die Größe des Schulgeländes von Vorteil gewesen –, mussten sie im BRG in der Klasse bleiben. Da in der Weinbauschule anfänglich nur die Abschlussklassen anwesend waren, bekamen Schüler im Internat je ein eigenes Zimmer und Bad.

Die Direktoren betonen, dass das digitale Lernen eine starke Komponente bleiben werde, ebenso wie stärkeres Hygienebewusstsein. Im Hinblick auf einen zweiten Lockdown meint Stromberger: „In so einer Situation muss man sich selbst zurücknehmen und die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen. Nur dann funktioniert ein Schulbetrieb im Lockdown.“

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