Kremser Gastronomie: Mehrheit der Gäste ist geimpft. Gastronomen sehen dem neuen Corona-Stufenplan locker entgegen. Probleme mit renitenten 3G-Verweigerern gebe es selten.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 15. September 2021 (04:23)

Im Mai dieses Jahres war Gastwirt Christoph Jäger noch äußerst skeptisch, ob der damals in Kraft getretenen Corona-Schutzmaßnahmen für die Gastronomie. Wenige Monate später zeigt sich der Chef des Gasthauses „Zum Wilden Jäger“ in Rossatz-Arnsdorf komplett entspannt. „Meine Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet“, sagt er mit heller Stimme. „Ich rechnete damals damit, regelmäßig Leute abweisen zu müssen, weil sie ungeimpft oder ungetestet hereinwollten.“ Real sei die Zahl solcher renitenten Gäste aber verschwindend gering gewesen. Im Rahmen seines Sommerfestes, bei dem 300 Gäste gezählt wurden, musste er nur drei Leute wegschicken. „Insgesamt betrachtet schicke ich vielleicht weniger als ein Prozent der Leute weg.“
Aufgrund dieser Erfahrungen sieht der junge Wirt auch dem dreistufigen Maßnahmenplan, der ab 15. September in Kraft tritt, locker entgegen. Zumindest in Stufe 1, welche ab einer Intensivbettenbelegung von 10 Prozent erreicht ist, sehe der Plan ohnehin kaum gravierende Änderungen für die gewöhnliche Gastronomie vor. Schärfere Kontrollen sind angezeigt, genauso wie eine auf 24 Stunden verkürzte Gültigkeitsfrist bei Antigentests. „Der Anteil der Getesteten unter meinen Gästen ist aber ohnehin sehr gering. Die allermeisten Leute, die hier hereinkommen, sind bereits geimpft“, erklärt Jäger.
Ähnlich sieht die Situation in der „Färberstub’n“ in Hadersdorf am Kamp aus. Hauschef Stefan Horky betont, die überwiegende Mehrheit der Gäste sei geimpft, spricht gar von 95 Prozent. Er unterstütze außerdem die allgemeinen Impfbemühungen. Den Eindruck, Gäste würden sich von den 3G-Kontrollen genervt oder „g’frotzelt“ fühlen, kann auch Horky nicht bestätigen. „Meine Gäste berichten eher empört, wenn sie andernorts nicht kontrolliert wurden. Einer meinte, er sei in nur zwei von zehn Lokalen, die er besucht hat, kontrolliert worden“, so Horky.
Auch der Kremser Gastronom Otto Raimitz bestätigt: „Das ist für viele ein Qualitätskriterium. Es geht um die Frage, ob man sich in dem Lokal sicher fühlen kann.“
Bei Raimitz-Lokalen wie dem Wellenspiel in Stein werde die Kontrolle der 3G-Regeln an einem Desk vor dem Lokal vorgenommen. Auch in der Färberstub’n finden Registrierung und Kontrolle im Foyer statt, bevor die Gäste zum Sitzplatz geführt werden. „Ich gestehe schon, dass es manchmal vorkommen kann, dass man einen Gast bei der Kontrolle vergisst, wenn das Haus voll ist“, meint Jäger. Sein Lokal, Innen- und Außenbereich, fasst bei voller Auslastung 150 Personen. Die Kontrolle der 3G-Regeln werde flexibel von allen Mitarbeitern vorgenommen. Die Nachtgastronomie, in der Vergangenheit immer wieder Hort von Corona-Clustern, unterliegt nach 3-Stufen-Plan strengeren Regelungen. „Ich bin trotzdem sehr zufrieden“, sagt Kremser Nachtgastronom Armin Oswald. „Die Maßnahmen sind noch eher mild, es gibt keine Beschränkung der Gästezahlen, keine Sperrstunden und so weiter.“ Oswald vertraut auch darauf, dass die jüngst verkündeten Regeln weitgehend eingehalten werden können.
„Von einem Lockdown für alle gehe ich jedenfalls nicht mehr aus.“ Auch unter seinen Gästen seien die allermeisten bereits geimpft, weshalb ihn die 2G-Regel für die Nachtgastronomie, die ab einer 15-prozentigen Auslastung der Intensivbetten kommen soll, nicht so stark schreckt. Der Stufenplan sieht auch schärfere Kontrollen vor. Wie „scharf“ wird tatsächlich kontrolliert? „Meine Lokale haben schon zwei Kontrollen gehabt“, erzählt Oswald. Laut Raimitz wurde von seinen Lokalen bisher nur das „Schauspiel“ in St. Pölten kontrolliert.
Horky habe noch keine Kontrolle erlebt, blicke dem aber gelassen entgegen. Jäger berichtet von einem verdächtigen Anruf. „Eine Dame erkundigte sich, ob man sich auch ungetestet hereinsetzen darf. Ich vermute, dass das ein Kontrollanruf von der Wirtschaftskammer oder einer anderen Stelle war.“
Nach der Angemessenheit der Strafen bei Nichteinhaltung der 3G-Regeln gefragt, plädieren Horky und Jäger für anfängliche Milde. Halte sich ein Wirt aber bewusst und wiederholt daneben, solle einer Verwarnung aber eine Geldstrafe folgen. Oswald kritisiert die seiner Meinung nach „mangelhafte Einhaltung“ vor allem in der ländlichen Nachtgastronomie.

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