254: Krems hat höchste Inzidenz in NÖ. Auch wenn die 7-Tage-Inzidenz nach einigen Tagen erstmals zurückgegangen ist, gibt es in Krems nach wie vor vergleichsweise viele Ansteckungsfälle. Einen Zusammenhang mit dem Wachauer Volksfest gibt es - zumindest offiziell - nicht.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 10. September 2021 (15:39)
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Am Montag, den 30. August, hatte Krems eine 7-Tage-Inzidenz von 76,5. Rund eineinhalb Wochen später, am Donnerstag, 9. September, lag der Wert plötzlich bei 261,5. Heute, Freitag, ist die Inzidenz erstmals seit einigen Tagen wieder leicht zurückgegangen, auf 253,7. Nichtsdestotrotz gehört die Stadt Krems damit aktuell zu den am schlechtesten dastehenden Bezirken Österreichs. Nur Braunau (305,2) und Linz-Land (266,4) haben noch höhere Werte. 

Gerücht: 300 Infektionen durch Volksfest

Viele Menschen meldeten sich mit der Vermutung bei der NÖN, dass das am 5. September zu Ende gegangene Wachauer Volksfest mit über 100.000 Besuchern der Treiber sei. Aus Anrufen und Mails ging hervor, dass etliche Bürger selbst Corona-Infizierte in ihrem Bekanntenkreis haben, die ihre Ansteckung auf das 3G-Event im Kremser Stadtpark zurückführen. Das wildeste Gerücht, das in den vergangenen Tagen in der Stadt die Runde machte, war, dass 300 Corona-Fälle in Zusammenhang mit dem Volksfest stünden. 

"Kann sein, dass sich mehr angesteckt haben"

Behördliche Bestätigungen für derartige Zahlen gibt es nicht. Ganz im Gegenteil. Sowohl der Magistrat als auch das Büro von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) rechnen der Großveranstaltung nach wie vor nur zwei Infektionsfälle zu. Es handelt sich dabei um zwei Schwestern aus Krems (die NÖN berichtete).

Angesprochen darauf, dass viele Menschen diese Zahlen für unglaubwürdig halten, räumt Magistratsdirektor Karl Hallbauer ein: "Es kann sein, dass sich mehr als zwei Personen am Volksfest angesteckt haben. Tatsache ist, dass wir keine Rückschlüsse ziehen können, wenn die Leute nicht angeben, dass sie da waren." 

Contact-Tracing: Fehlauskünfte nicht strafbar

Auch wenn man laut Hallbauer bei den Befragungen sehr genau sei und das Contact-Tracing sehr gut funktioniere, könne man niemanden zu konkreten Angaben zwingen. Unvollständig oder falsch zu antworten, sei nicht strafbar. "Wir sind aber auf wahrheitsgemäße Angaben angewiesen. Alles andere erschwert die Arbeit der Behörde. Nur durch Zusammenarbeit kann man diese Pandemie bewältigen." 

Magistrat: Reiserrückkehrer als Treiber

Die "kräftig steigenden Zahlen" auf das Volksfest zurückzuführen, empfindet Hallbauer jedenfalls als "weit hergeholt". Der Spitzenbeamte erklärt sich die hohe Inzidenz, die ihm auch "gewisse Sorgen" bereite, unter anderem mit Reiserrückkehrern und Infektionsfällen in Schulen. Man sei wegen des dynamischen Infektionsgeschehens auch gerade dabei, neue Leute für das Contact-Tracing zu rekrutieren. Aktuell seien am Magistrat drei Personen mit dieser Aufgabe beschäftigt. 

Kein Cluster in Krems gemeldet

Keinen Cluster durch das Volksfest noch in Krems überhaupt meldet am Freitag Gesundheitslandesrätin Königsberger-Ludwig. Man könne zwar nicht sagen, dass es keine weiteren Infektionen auf dem Volksfest gegeben hat, erklärt Büroleiter Stefan Hofstetter, falls es so wäre, seien die aber nicht zuordenbar. "Und mutmaßen ist unzulässig." Auch als Gesundheitsbehörde müsse man eine Grenze ziehen und einen Bereich festlegen, in dem man tätig werden kann, spricht Hofstetter die Schwierigkeiten mit dem Contact-Tracing an. Die aktuellen Zahlen in Krems seien jedenfalls "realistischerweise nicht nur mit Reiserückkehrern zu erklären."