Generalangriff auf die Kremser Fiaker

Erstellt am 30. Juni 2021 | 06:01
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Die armen Tiere: Mitleid mit den schwitzenden Pferden schlägt derzeit in Hass gegen die Fiaker Thomas und Michael Wolf um.
Foto: Archiv/privat, Archiv/privat
Weil ihre Pferde auch bei Hitze laufen, müssen Gebrüder Wolf Telefonterror und Drohungen aushalten.

Jährlich grüßt das Murmeltier: Spätestens wenn die Temperatur über 30 Grad steigt, dann bricht in Krems eine Debatte über die Fiakerpferde von Thomas und Michael Wolf vom Zaun.

Das Brüderpaar bietet Ausflugsfahrten auf Vorbestellung zu Preisen zwischen 110 und 310 Euro an, nimmt aber Gäste auch spontan im Kremser Stadtgebiet mit. Ruheplätze hat das Gespann beim Steinertor und Stadtpark, wenngleich beides keine offiziellen Standplätze sind. „Wir werden dort nur geduldet“, sagt Thomas Wolf.

Kritik wegen Tierschutz

Nicht nur Tierschützer forderten in den vergangenen Tagen via Social Media einmal mehr ein Verbot der Kutschenfahrten bei großer Hitze und kritisierten die Haltungsbedingungen der Tiere. Oft bleibt es nicht nur bei Kritik. Wolf erzählt von Telefonterror und Drohungen – Ankündigungen, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen inklusive. „Das sind so Meldungen wie: Wenn die Polizei oder der Amtstierarzt nichts machen, befreien wir die Pferde“, erzählt Wolf. Die Menschen seien in den vergangenen Jahren nicht nur sensibler geworden, sondern auch „wirklich boshaft. Ich bin schockiert, die Kritik artet aus. Wir können die Pferde aber nicht im Keller verstecken.“

Tierschutzverband will runden Tisch einberufen

Einen runden Tisch mit den Gebrüdern Wolf, dem Amtstierarzt und einem Vertreter der Stadt möchte nun die Präsidentin des NÖ Tierschutzverbands, Andrea Specht, einberufen. Sie fordert, dass die Pferde an Hitzetagen nur noch am frühen Vormittag und am Abend zum Einsatz kommen. Dafür bräuchte es jedoch ein Entgegenkommen der Gebrüder Wolf, weil das Gesetz den Pferden erst ab 35 Grad hitzefrei gibt. „Es bestünde außerdem die Möglichkeit vonseiten der Stadt Krems, tierfreundliche Auflagen über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus zu erlassen“, meint Specht.

„Wir haben in Österreich ein sehr strenges Tierschutzgesetz und wir gehen sogar noch darüber hinaus.“ Thomas Wolf

Thomas Wolf sieht dafür keinen Bedarf: „Wir sind 365 Tage im Jahr mit den Pferden zusammen. Wir wissen, wann es ihnen gut geht und wann nicht. Wir haben in Österreich ein sehr strenges Tierschutzgesetz und wir gehen sogar noch darüber hinaus.“

Unter anderem gebe es in ihrem Betrieb kein Wegbinden der Schweife, auf den Ruheplätzen sei immer für ausreichend Wasser gesorgt und bei Temperaturen ab 30 Grad finden Fahrten bevorzugt an den Randzeiten statt. Davon abgesehen, „wenn es so heiß ist, steigt dir ohnehin keiner mehr in die Kutsche ein“, so Wolf.