Denkmal: Projekt in Sicht

Erstellt am 29. April 2014 | 07:40
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Foto: NOEN
Vorhaben / Wo wird der neue Standort der Hradetzky-Gedenkstätte sein? Nach der NÖN-Umfrage kündigt Sportstadtrat Albert Kisling an, den Wunsch der Bevölkerung zu prüfen.
KREMS /  „Ich gratuliere der NÖN zu diesem Erfolg! In so kurzer Zeit mehr als 500 Stimmen bei einer Umfrage zu bekommen, ist beachtlich.“ Sportstadtrat Albert Kisling nimmt das Ergebnis der NÖN-Online-Erhebung mit großem Interesse zur Kenntnis.

„Welcher Standort ist für das Hradetzky-Denkmal am besten geeignet?“, wurden die Leser gefragt.

Das Ergebnis fiel, wie berichtet, ziemlich eindeutig aus. Rund 60 Prozent stimmten für einen Standort am Donauufer (im Bereich der Gregor-Hradetzky-Promenade). Der Kreisverkehr Zellerplatz landete mit 18 Prozent auf dem zweiten Platz. Alle anderen vorgeschlagenen Standorte landeten im abgeschlagenen Feld.

„Politischen Willen und Machbarkeit klären!“ 

„Es gibt nun einen bevorzugten Wunsch der Bevölkerung“ hält Kisling fest. „Die nächsten Schritte sind meiner Meinung nach, das ganze Anliegen zu prüfen und daraus ein mögliches Projekt zu formulieren. Wie weit das machbar ist, hängt aber nicht nur von den finanziellen Aufwendungen ab. Neben den Wünschen der Umfrage gilt es eine finanzielle Machbarkeit, aber auch den politischen Willen zu klären.“

Außerdem gelte es noch, verschiedene moralisch-ethische Fragen in diesem Zusammenhang zu beleuchten. Sobald diese Fragen geklärt seien, werde es im Rathaus eine dementsprechende richtungsweisende Entscheidung geben, kündigt Kisling an.

Denkmal-Diskussion - Leserforum

Zur geplanten Verlegung des Denkmals von Doppel-Olympiasieger Gregor Hradetzky.
Der NÖN habe ich entnommen, dass es Anregungen gibt, das Hradetzky-Denkmal im Pavillonpark an einen „würdevolleren“ Standort zu versetzen.
Der Standort des Denkmals im südwestlichen Bereich des Pavillonparkes wurde seinerzeit durch den Gemeinderat unter Beiziehung öffentlicher Institutionen und Vereine beschlossen - der Ruderclub Stein war damals angeblich nicht „angetan“, das Denkmal in seinen Klubbereich zu setzen.
Ich habe etliche Parkbesucher und Kremser im Park befragt, ob sie den Standort und die unmittelbare Umgebung für „angemessen“ halten. Es kam keine negative Antwort, sondern der helle, freundliche Parkbereich und der daneben liegende Stadioneingang wurden eher als positiv empfunden (Wahrnehmung des Denkmals durch Sportplatzbesucher).
Keiner der etwa 25 Befragten schnitt das Thema Stadion-Toiletten an, da keiner wusste oder erkannte, dass sich hinter der hellen Wand die Stadiontoiletten befinden.
Ich finde, dass eine Denkmalverlegung aus „Angemessenheit“ unbegründet ist und allfällig unnötig öffentliche Gelder vergeudet würden.
Ich plädiere für die Beibehaltung des Standortes.

Dr. DI Wolfgang Kudjelka Krems


Mit Interesse habe ich Ihre Berichterstattung zum Denkmal für Gregor Hradetzky gelesen.
Ich denke, dass es für Sie, für die Leser und Leserinnen und generell für das Selbstverständnis der Stadt Krems sehr wichtig ist, auch zu wissen, dass Herr Hradetzky neben seinen unbestreitbar herausragenden Leistungen im Sport leider auch eine eindeutige nationalsozialistische Biographie aufweist. Diese darf zur historischen Einschätzung seiner Gesamtpersönlichkeit keineswegs negiert werden.
Die österreichische Geschichtsforschung nimmt jetzt endlich auch den Sport und dessen Akteure in der Zeit des Nationalsozialismus verstärkt in ihren Untersuchungsfokus. Damit ermöglicht sie eine produktive Auseinandersetzung und Diskussion dieses bedeutenden sozialen Feldes.
Für Krems würde sich mit einer offensiven und wissenschaftlich fundierten Auseinandersetzung mit der Biographie des auch international anerkannten Sportlers eine einmalige Chance bieten, zu zeigen, wie man mit seiner (sportpolitischen) Vergangenheit gut umgehen kann.
Ich bin überzeugt davon, dass Sie diese Fakten in Ihrer weiteren Berichterstattung berücksichtigen werden, und hoffe auf eine spannende Debatte in Krems und Umgebung.

Univ.-Prof. Dr. Rudolf Müllner Wien