Ringstraßen-Sperre „ist der Tod der Kremser Innenstadt“. Partielle Sperre der Ringstraße ist unvermeidbar. Sorgen um Zentrum und historischen Baumbestand.

Von Franz Aschauer und Martin Kalchhauser. Erstellt am 09. April 2019 (04:53)

Ein Großprojekt, das die Stadt Krems in den nächsten beiden Jahren in Angriff nehmen möchte, sorgt schon im Vorfeld für Debatten: Im Zuge der Generalsanierung der Ringstraße zwischen Wachaubrücke und Wienerstraße soll durch die Stadt Krems auch gleich der Kanal erneuert werden. Dazu muss die Lebensader jedoch abschnittsweise gesperrt werden.

Bei Details wie dem Verkehrsmanagement und der (wenigstens teilweisen) Erhaltung des alten Baumbestandes könnte es sich kräftig spießen …

„Umfahrungen sind für die Ringstraße keine Alternative. Das wird die Menschen davon abhalten, überhaupt in die Stadt zu kommen.“Othmar Seidl

Zwei Varianten – eine Sperre für vier Jahre (vier Sommer) oder bis zu 13 Jahre (u. a. ohne Arbeiten zu Volksfest-Zeiten) – wurden im Vorfeld ins Auge gefasst. Der Tagesordnungspunkt „Kanalsanierung“, bei dem es um das wasserrechtliche Projekt gegangen wäre, wurde bei der jüngsten Gemeinderatssitzung am 27. März abgesetzt. Es solle noch Gespräche geben.

„Das Projekt muss in Angriff genommen werden“, bekennt sich Stadtchef Reinhard Resch dazu. „Das Land saniert die Straße, und wenn wir da den Kanal nicht gleich mitmachen, gehören wir ja eingesperrt!“ Einige Jahre später wieder aufzugraben wäre eine absolute Chuzpe. Der über 100 Jahre alte Kanal sei absolut desolat und eine Umweltgefahr, dieser Umstand seit vielen Jahren bekannt. Bis jetzt wagte es aber niemand, dieses heikle Vier-Millionen-Projekt anzugehen.

„Es ist ein Humbug, dass nichts anderes als die zwei zur Debatte stehenden Varianten gehen“, meint ÖVP-Vizebürgermeister Erwin Krammer. „Das Projekt muss realisiert werden, aber so nicht.“ Fachplaner seien gefragt, weitere Varianten und Möglichkeiten zu präsentieren. Ein klares Nein kommt von der ÖVP in Sachen Baumfällungen: „Da reden wir über Dachbegrünungen und Ähnliches, und dann fällen wir alle Bäume? Da macht man es sich zu leicht.“

Ein Versuch, noch einmal alle Parteien an einen Tisch zu bringen, fand am Montag, 8. April, statt. Die ÖVP gab schon im Vorhinein bekannt, der Einladung des Bürgermeisters nicht zu folgen. Das Thema ist aber auch Gegenstand einer Pressekonferenz, zu der der Bürgermeister für heute, Dienstag, 9. April, eingeladen hat.

Resch zu den Vorwürfen: „Es gibt mehrere Varianten.“ Die, die am Tisch liegen, seien die kürzeste und die längste. „Aber wir wollen sowieso noch schauen, wie wir die notwendigen Arbeiten möglichst schonend durchführen können.“

Seidl will B 3-Anbindung vor Kanalsanierung

Einer, der die Kanalsanierung in der Ringstraße zwar befürwortet, aber vorher gerne die Umsetzung eines anderen Projekts sehen würde, ist Othmar Seidl. Der Immobilien-Magnat und Chef des EKZ Steinertor plädiert dafür, zuerst die Utzstraße an die B3 (Umfahrung) anzubinden und zeichnet ein dunkles Bild, falls das nicht passieren sollte. „Das ist der Tod der Innenstadt! Umfahrungen sind für die Ringstraße keine Alternative. Das wird die Menschen davon abhalten, überhaupt in die Stadt zu kommen.“

Er erwarte sich von der Stadt Krems ein „Krisenmanagement“ und zieht den Vergleich zur Chirurgie. „Ein Arzt kann auch nicht ohne Voruntersuchung eine Herz-Operation durchführen.“ Die Politik müsse erkennen, dass ein solches Projekt ohne „geeignete Alternative“ zu einer Zerstörung führe, die nicht mehr umkehrbar sei. „Die Existenzen der Leute, die hier arbeiten, wären dadurch gefährdet. Das werden sie sich nicht gefallen lassen“, sagt Seidl.

Resch ist von Seidls Forderung, zuerst die B 3-Anbindung zu bauen, nicht angetan. „Das Land wird die Straße 2020 oder 2021 sanieren. Wenn wir jetzt die Utzstraßen-Anbindung zu planen beginnen, dauert das Jahre!“ Dem widerspricht Seidl vehement: „Die Anbindung wäre in zwei Jahren fertig.“

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