Abbruch illegal? Baustreit in Krems eskalierte. Frau befürchtet durch Projekt am Nachbargrundstück den Einsturz ihres Hauses. Immobilienentwickler treibt das zur Weißglut.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 09. Juli 2019 (06:19)
Johann Lechner (Hofstadler) bzw. Beate Steiner (Wohlmetzberger)
Christina Hofstadler (links) bekämpft die Pläne für ihr Nachbargrundstück mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. Manfred Wohlmetzberger (rechts) möchte in der Kasernstraße 50 acht Studentenwohnungen errichten. Dass das Projekt die Stabilität des Nebengebäudes gefährde, ist laut dem Immobilienentwickler durch ein Gutachten klar widerlegt worden. Fotos: Johann Lechner (Hofstadler) bzw. Beate Steiner (Wohlmetzberger)

Bauprojekte in dicht besiedelten Gebieten sind immer wieder konfliktbehaftet. Es als Bauherr allen Personen in der unmittelbaren Umgebung recht zu machen, ist praktisch unmöglich. Manchmal ist es gar nur ein Nachbar, der ausreicht, um das voluminöseste Projekt um Jahre zu verzögern.

„Ich habe Angst, dass durch die Arbeiten der 200 Jahre alte Weinkeller und dann auch das ganze Haus einstürzt.“Christina Hofstadler

Alles andere als voluminös, dafür umso mehr Zankapfel, ist das Bauprojekt in der Kasernstraße 50. Grundstückseigentümer Manfred Wohlmetzberger möchte das bestehende Haus abreißen und acht Studentenwohnungen zu insgesamt 350 Quadratmetern errichten lassen. Das Problem: Der renommierte Immobilienentwickler aus St. Pölten hat weder einen Abbruchbescheid noch eine Baugenehmigung für sein Projekt.

Johann Lechner
Christina Hofstadler bekämpft die Pläne für ihr Nachbargrundstück mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln.

Schuld daran sind die Interventionen der Nachbarin, Christina Hofstadler. Sie befürchtet im Falle der Umsetzung Wohlmetzbergers Pläne Dramatisches: „Unter unserem Grundstück liegt ein 200 Jahre alter Weinkeller, der leicht in das Nachbargrundstück ragt. Ich habe Angst, dass durch die Arbeiten der Keller und dann auch das ganze Haus einstürzt.“

Dass diese Sorge völlig unberechtigt ist, sagt Wohlmetzberger: „Wir haben alles auf meine Kosten vermessen lassen. Der Keller ragt nicht in das Grundstück hinein. Ein Statiker hat ein Gutachten erstellt, das eindeutig zeigt, dass nichts passieren kann.“ Ein Jahr lang ziehe sich der Baustreit nun schon, sagt Wohlmetzberger. Ein Umstand, der an seiner Besonnenheit zehrt. „Ihre Argumente sind an den Haaren herbeigezogen. Sie würde auch sagen, ‚mein Haus stürzt ein‘, wenn der Nachbar ein Vogelhaus wegreißt.“

„Habe zu ihr gesagt, sie soll die Papp‘n halten“

Von Angesicht zu Angesicht Unfreundlichkeiten ausgetauscht haben Wohlmetzberger und Hofstadler in der vergangenen Woche. „Er hat mich als blöde Kuh beschimpft und gesagt, ich soll die Papp‘n halten“, erzählt Hofstadler und sagt, sie habe danach „am ganzen Leib gezittert“. Wohlmetzberger erklärt seinen Wutausbruch: „Ich habe zu ihr gesagt, sie soll die Papp‘n halten, weil sie mir vorgeworfen hat, dass ich vom Bürgermeister bis zur Obersten Baubehörde alle schmiere. Das ist eine Frechheit.“

Beate Steiner
Manfred Wohlmetzberger möchte in der Kasernstraße 50 acht Studentenwohnungen errichten. Dass das Projekt die Stabilität des Nebengebäudes gefährde, ist laut dem Immobilienentwickler durch ein Gutachten klar widerlegt worden.

Der Auslöser für die Konfrontation spielte sich zwei Tage zuvor ab, als laut Hofstadler versucht wurde, das Haus – trotz des fehlenden Bescheides – abzureißen. „Nur durch mein Einschreiten ist das nicht geschehen“, schildert Hofstadler.

Dass kein derartiger Versuch unternommen wurde, behauptet hingegen Wohlmetzberger. „Es sind lediglich Vorbereitungsarbeiten gemacht worden. Das darf man auch ohne Genehmigung.“ Der Magistrat teilt zu dem Vorfall mit, dass „aus baupolizeilicher Sicht keine weiteren Schritte nötig waren, da der Abbruch nach Klarstellung der rechtlichen Situation ohnedies sofort gestoppt wurde.“

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