Ernte in Region Kampseen: Top und Flop. Trockenheit im Frühjahr und nasser Sommer machte klassischen Feldfrüchten zu schaffen. 2020 war aber gutes Obstjahr.

Von Gerald Mayerhofer. Erstellt am 24. Oktober 2020 (05:07)
Der Obstexperte Christoph Mayer und der Pomologe Bernd Kajtna (Verein „Arche Noah“, v. l.) sind über die Obstvielfalt in der Gemeinde Jaidhof beeindruckt: Hier gibt es rund 170 verschiedene Apfelsorten.
privat

Das Jahr 2020 war ein sehr schwieriges Jahr für die Landwirtschaft: Hatten die Landwirte im Frühjahr mit Trockenheit zu kämpfen (die NÖN berichtete), so brachte der Sommer beinahe zu viel Regen. Früchte, die im Winter und Frühjahr Feuchte benötigt hätten, konnten davon nicht mehr profitieren. Betroffen war unter anderem die Roggen-Ernte, die mengenmäßig hinter den Vorjahren zurückblieb.

Franz Tiefenbacher betreut über das Netzwerk der Firma Waldland zahlreiche Bauern der Region: „Unter dem anhaltenden Preisdruck bei klassischen Früchten kommen Landwirte bei witterungsbedingten Ernteausfällen mehr und mehr unter Druck. Die aktuelle Situation bei den Zuckerrüben ist ein Beleg dafür.“ Er sieht die Gesellschaft gefordert, Regionalität zu leben.

Waldland verzeichnete selbst bei Schlüsselblumenblüten und Schnittlauch sehr schwache erste Ernten. Durch den nassen Sommer wurde beim Schnittlauch schließlich aber eine Rekordernte eingefahren: Mitte Oktober konnte der fünfte Schnitt abgeschlossen werden. Auch beim Mohn, Johanniskraut, Thymian, der Melisse und Minze gab es nach dem Regen im Sommer Entspannung.

Bewässerung ein Muss

Das sich ändernde Klima bleibt aber Thema: „Aus unserer Sicht ist es ein Muss, in Bewässerung zu investieren“, so Tiefenbacher weiter.

Weniger beeinträchtigt war die Obsternte: „Bäuerliche Streuobstbestände mit großen Bäumen sind sehr witterungsfit, da diese tief wurzeln und somit mit Niederschlagsschwankungen gut umgehen können“, so der Obstexperte Christoph Mayer.

Alte Sorten, wie der Bohn apfel oder die Schmidberger Renette, sind perfekt an die Waldviertler Böden und das lokale Klima angepasst und so sehr widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge. „Diese Sorten müssen nicht gespritzt werden – der Regen im Sommer hat die Früchte groß und saftig werden lassen, die vorhandenen sonnigen Septembertage haben die Reife perfektioniert“, so Mayer. Im eigenen Lohnpresse-Betrieb verzeichnete er eine gestiegene Nachfrage.