Mauterner zum Knochenjob Funktionär: Wie man die Jahre überdauert

Erstellt am 05. Juli 2022 | 19:59
Lesezeit: 4 Min
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Karl „Charly“ Horaczek und der SC Mautern: Eine Liebesbeziehung, die seit beinahe 50 Jahren besteht und bisher alle Höhen und Tiefen aushielt.
Foto: Johann Lechner
Karl Horaczek ist seit 17 Jahren Sportlicher Leiter des SC Mautern. Sein Rezept und warum er trotzdem ans Aufhören denkt.

Bis 15. Juli hat Karl Horaczek neben seinem Brotberuf als Schichtdienstarbeiter bei A1 wieder einen zweiten Hauptjob. Die Transferperiode im Amateurfußball neigt sich dem Ende zu.

Zwar ist der Kader des SC Mautern, bei dem der 57-Jährige Sportlicher Leiter ist, bereits so gut wie komplett, weil aber Ende vergangener Woche der bereits präsentierte neue Trainer abgesagt hatte, stehen Horaczek jetzt doch noch stressige Tage bevor.

Die allermeisten Coaches haben bereits bei einem Verein unterschrieben, die wenigen verbliebenen Kandidaten zieren sich, weil die Vorbereitung unmittelbar vor der Tür steht und sie keinen Einfluss mehr auf die Kadergestaltung haben – für den Verein ein höchst unangenehmer Umstand.

17 Jahre als Sportlicher Leiter: Privatleben leidet

„Charly“, wie Horaczek von seinen Freunden genannt wird, bewahrt trotzdem kühlen Kopf. Nach knapp 50 Jahren beim SC Mautern und 17 Jahren als Sportlicher Leiter, weiß der Ruhepol, wie mit unerfreulichen Überraschungen umzugehen ist. Und, dass es im Leben eines Funktionärs Zeiten gibt, in denen das Privatleben hintanstehen muss: „Bis jetzt war ich einmal vor dem Ende der Transferzeit auf Urlaub. Einfach aus dem Grund, weil kurz vor Schluss immer irgendetwas passiert und da mein Know-how gefragt ist“, erzählt Horaczek, der bei den Kickern in der Römerstadt neben der Zusammenstellung der Mannschaft noch viele weitere Aufgaben erfüllt, die im ersten Moment gar nicht sichtbar sind.

Mit acht Jahren begann Horaczek in Mautern mit dem Fußballspielen. Beruf und Familie ließen ihn früh eine Karrierepause einlegen, um mit 35 Jahren ein Comeback als Spieler und später auch U23-Betreuer zu starten. Mit 40 rutschte Horaczek in das Amt des Sportlichen Leiters hinein, „ohne zu wissen, was auf mich zukommt“, wie er heute erzählt.

Niemals arbeitsscheu, hatte der gebürtige Mauterner Phasen, in denen er die Reservemannschaft und die Kampfmannschaft coachte und dann auch noch selbst eine Hälfte lang als Spieler auflief. „Beim Heimfahren war es mir wirklich wurscht, wie wir gespielt haben. Da bist du einfach nur fertig – und die Familie leidet darunter.“ Selbst Scheidungen, ausgelöst durch eine nicht geteilte Leidenschaft für eine Sache, seien keine Seltenheit, so Horaczek.

„Aufwandsentschädigung wäre ein Lösungsansatz“

Die Funktionärskrise sieht er in mehreren Faktoren begründet. „Corona hat sicher mitgespielt. In der langen Pause konnte man seine Freizeit plötzlich ohne andere Verpflichtungen gestalten. Hinzukommt, dass das Verständnis der Spieler bei den Verhandlungen wieder völlig verschwunden ist. Ich habe den Eindruck, dass sie durch die allgemeine Teuerung und die extremen Spritpreise mehr Geld reinbekommen wollen.“

Die Arbeit für den Verein sei heute noch zeitintensiver, als in seinen Anfangsjahren. Eine Bezahlung habe es nie gegeben – auch ein Grund, warum sich viele den Knochenjob Funktionär nicht antun wollen, meint Horaczek: „Dabei wären Aufwandsentschädigungen vermutlich einer der wenigen Lösungsansätze.“

„Hackeln“ im Verein, der Ruf dieser Aufgabe hat in den vergangenen Jahren erheblich gelitten. Auch, weil ihr Mehrwert nicht die verdiente Aufmerksamkeit bekommt. „Es gibt nichts Schöneres, als zu sehen, wenn junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs sich über eine U23 in der Kampfmannschaft etablieren können oder später den Sprung in höhere Ligen schaffen“, sagt Horaczek, der trotz des Feuers, das nach wie vor in ihm brennt, ans Aufhören denkt. „Es sollte gerade im Alter so sein, dass man selbstkritischer wird. Oft ist aber das Gegenteil der Fall und man bekommt den Tunnelblick. Irgendwann gehören neue Ideen her.“

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