Bezirk Krems: „Fasten als Zeit der Freude!“. Zwischen religiösem Brauch und gesundheitsbetontem Lebensstil: Mediziner und Diätologen geben Tipps.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 25. Februar 2020 (05:24)

Ärztin Michaela Muthsam: „Schwangere und Stillende sollten nicht fasten.“
Foto: Privat

Die Wurzeln der Fastenidee sind ursprünglich religiöser Art. Doch wie hat sich dies mit der Zeit gewandelt? „Die Motivationen der Menschen sind unterschiedlich“, erklärt Michaela Muthsam. Als Allgemeinmedizinerin hat sie oft mit dem Thema Fasten zu tun. „Da gibt es Menschen, die aus geistiger Selbsterfahrung, aus religiösen, aber auch aus medizinisch-gesundheitlichen Gründen fasten.“

„Wie unser Körper auf die Aufnahme von Nahrungsmitteln reagiert, ist sehr individuell.“Ernährungsberaterin Sabine Brandstetter aus Furth

Muthsam ist seit zwei Jahren als Hausärztin mit Ordination in der Wachaustraße in Krems tätig und weiß, was man aus medizinischer Sicht beim Fasten beachten sollte: „Auf alle Fälle sollte vor Fastenbeginn ein umfassender Gesundheitscheck beim Arzt erfolgen. Dieser sollte zumindest ein großes Blutbild inklusive Leber- und Nierenfunktionsparametern, Elektrolyten und Schilddrüsenwerten, eine Blutdruck- und Pulsmessung sowie ein EKG beinhalten.“ Es gelte: Je strenger das Fastenprogramm, desto mehr Vorsicht. Die Frage, welche Fastenmethode gut ist, sei aus ihrer Sicht „pauschal schwer zu beantworten“.

Diätologin Sabine Brandstetter: „Nahrungskarenz birgt auch Risiken.“
Foto: Gerhard Pfeffer

Ähnlich sieht das auch die Further Ernährungsberaterin Sabine Brandstetter: „Menschen sind unterschiedlich. Wie unser Körper auf die Aufnahme von Nahrungsmitteln reagiert, ist sehr individuell.“ Größe, Gewicht, Geschlecht, die Funktion der Darmflora und viele weitere Faktoren spielen ihrer Ansicht nach eine Rolle, weshalb ein und dieselbe Fastenmethode bei einem Menschen wirken könne, bei einem anderen aber nicht. Von der Idee des Nahrungsverzichts oder der kompletten Nahrungskarenz sieht Brandstetter in ihrer Beratungstätigkeit eher ab.

Bessere Erfahrungen gebe es bei Gemüsetagen oder dem Einsatz von Shakes. „Ich unterstütze Menschen dabei, die richtige Essensmenge zu finden und Situationen zu erkennen, in denen nicht aus Hunger, sondern aus ,falschen Gründen‘ gegessen wird“, sagt die 36-Jährige.

Pater Pius Nemes: „Sollte eine Zeit der Freude sein“

Längere Fastenphasen durchzuhalten sei für viele Leute schwer. Brandstetter hält es für alltagstauglich, immer wiederkehrende ein bis zwei Fastentage einlege, anstatt ein strenges Programm einzuhalten. Muthsam betont, dass es Personengruppen gibt, die generell aufs Fasten verzichten sollten, darunter fallen Menschen mit bestimmten Stoffwechselerkrankungen, Leber- oder Niereninsuffizienz sowie Essstörungen, Schwangere und Stillende.

Pater Pius Nemes: „Nicht mit Fastenvorsätzen prahlen.“Nemes
Foto: Pius

Pater Pius Nemes, seit 1996 im Stift Göttweig tätig, hält die religiöse Bedeutung des Fastens hoch. „Das geht auf den heiligen Benedikt zurück und sollte eine Zeit der Freude sein.“ Es gehe vor allem darum, verstärkt Dinge zu tun, die man ansonsten weniger tut. „Das können ganz banale Sachen sein, wie etwa ein Buch zu lesen.“

Diese Vorsätze nennt man „Fasten-Schedula“, eine Zielvereinbarung, die man mit dem Abt trifft. Nemes beobachtet, dass das Fasten immer mehr zu einem Gesundheits-Trend geworden sei. Beim religiösen Fasten solle die Nüchtern- und Bescheidenheit gelten. „Niemand sollte seine Fastenvorsätze prahlerisch vor sich hertragen. Wie auch schon bei Jesus gilt: Man sollte Bescheidenheit walten lassen.“

Umfrage beendet

  • Fastenzeit: Leistet auch ihr Verzicht?