NÖ-Bronze für Bezirk Krems: Fünf Frauen als Ortschefs. Die NÖN hörte sich im Bezirk um, warum die Politik eine Männerwelt bleibt und wie es Politikerinnen damit geht.

Von Petra Vock. Erstellt am 05. März 2019 (03:26)
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Die gute Nachricht zuerst: Kaum irgendwo in Niederösterreich gibt es so viele weibliche Gemeindechefs wie im Bezirk Krems. Fünf Bürgermeisterinnen (von 31 Gemeinden) reichen schon für Platz 3 auf dem Landes-Stockerl.

„Frauen haben ja oft eine Doppelbelastung“

Außerdem findet sich im Bezirk kein Gemeinderat mehr, in dem nicht wenigstens eine Frau sitzt. Das könnte sich aber bald wieder ändern, wie Roman Janacek, Bürgermeister von Bergern, bedauert: „Wir hatten zwei sehr engagierte Gemeinderätinnen, aber aufgrund der privaten Lebensplanung ist eine weggezogen, und die zweite verlässt uns bald.“

Da Nachfolgerinnen schwer zu finden seien, könnte Bergerns Gemeinderat bald wieder ganz frauenlos sein, so Janacek: „Wir sind auf der Suche, aber viele zweifeln, ob die Politik etwas für sie ist.“ Der Grund: „Frauen sind oft selbstkritischer“, meint Janacek, „und es kommt auch daher, dass Frauen nach wie vor die Hauptarbeitsleistung in der Familie erbringen.“

Auch in Weinzierl am Walde ist nur eine Frau im Gemeinderat: „Das liegt nicht daran, dass ich keine Frauen mag“, lacht Bürgermeister Herbert Prandtner. „Aber den großen Zeitaufwand der Politik wollen sich schon viele Männer nicht mehr antun, und Frauen haben ja oft eine Doppelbelastung.“

Etzenberger-Start 1997: „Damals war es eine Männerwelt“

Trotzdem kann der Bezirk Krems mit fünf Bürgermeisterinnen aufwarten (Furth: Gudrun Berger, Gföhl: Ludmilla Etzenberger, Hadersdorf: Liselotte Golda, Mühldorf: Beatrix Handl, St. Leonhard/Hornerwald: Eva Maria Schachinger). Wie schaffen die das?

„Dadurch, dass meine Kinder schon erwachsen sind, ist es für mich leichter“, sagt Schachinger, „und da auch mein Mann in der Kommunalpolitik ist, sind das gemeinsame Interesse und auch das Verständnis da.“

Dass sie einmal auf dem Bürgermeistersessel landen würden, haben die wenigsten von ihnen gedacht, als sie in die Politik gingen: „Ich war zweimal an nicht wählbarer Stelle auf der Liste“, erzählt Etzenberger.

Als sie 1997 doch in den Gemeinderat nachrückte, sei der Anfang „spannend“ gewesen, schmunzelt sie: „Damals war es eine Männerwelt. Das hat sich gebessert, aber eine Frau in der Politik ist noch immer interessant.“ Inwiefern? „Es wird sehr genau beobachtet, wie eine Frau die Themen angeht und umsetzt“, so Etzenberger. Dass Frauen einen anderen Stil pflegen, glaubt sie schon: „Oft ist Fingerspitzengefühl ausschlaggebend, ob etwas ruhig oder emotional verläuft.“

Ähnlich sieht es Golda, die längstdienende Bürgermeisterin im Bezirk (seit 2010): „Ich bleibe immer ruhig, manche Männer werden sehr aufbrausend.“ Wird eine weibliche Ortschefin anders wahrgenommen? „Ich habe gewisse Spitzfindigkeiten einfach überhört“, so Golda. „Sonst könnte man schon in das Fahrwasser geraten, dass man es als Frau sehr schwer hat. Ich hatte dieses Gefühl eigentlich nie.“