Pöbelnde Mütter als Vorreiter. Das weibliche Geschlecht steht Männern in Sachen verbaler Entgleisungen um nichts nach. Im Gegenteil.

Von Bernhard Schiesser und Franz Aschauer. Erstellt am 12. März 2019 (05:02)
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Fußball soll vor allem eines: Spaß machen! Manche Erwachsene am Spielfeldrand vergessen das oft.
 

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der NÖ Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkampagne gegensteuern. Kernbotschaft: Erwachsenen Sportplatzbesuchern soll ihre Vorbildfunktion bewusst gemacht werden.

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Bernd Malina sieht Präventivarbeit der Klubs in Sachen Hooligan-Eltern als eine Selbstverständlichkeit.

Bernd Malina, Jugendleiter des SV Droß und Obmann des Schulfußball-Ausschusses im NÖFV, hat schon einige brisante Vorfälle in Erinnerung: „Handgreiflich wurden die Spieler untereinander bei einem Poly-Cup-Match in Horn. Aufgeheizt wurde die Stimmung aber von Zusehern und Betreuern. In den unteren Altersklassen sind es weniger die ehrgeizigen Väter, sondern vor allem die Mütter, die ihre Kinder in einem WM-Finale sehen.“

Malina betreibt beim SV Droß schon lange Präventivarbeit: „Vor der Saison setzen sich Mannschaft und Eltern zusammen, wo unter anderem auf dieses Thema speziell eingegangen wird.“ Dass Elternvertreter beider Teams vor einem Match beim Referee als „Ordner“ vorstellig werden, kann sich der Pädagoge nicht vorstellen: „Die Väter wollen während des Spiels ihren Kindern beim Kicken zusehen und keine Aufpasser sein.“

Mütter in der Rolle von Verbal-Hooligans

Ins gleiche Horn stößt auch Dominik König, Nachwuchskoordinator des Kremser SC: „Das verpflichtende Abstellen von Eltern-Ordnern sehe ich problematisch.“ Auch König setzt sich vor dem Meisterschaftsstart mit den Jugendlichen, Eltern und den Teambetreuern zusammen: „Wir machen den Erziehungsberechtigten klar, dass die Kinder im Spiel nur den Anweisungen der Trainer Folge zu leisten haben, nicht etwaigen Zurufen von Vätern. Die Zuschauer haben sich trotz eines verkleinerten Spielfeldes auf der Tribüne aufzuhalten und nicht am Spielfeldrand.“

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Dominik König fordert von den Eltern auch einen entsprechenden Abstand vom Spielfeld ein.

Der KSC-Nachwuchskoordinator sieht in den jüngeren Altersstufen besonders die Mütter in der Rolle von Verbal-Hooligans: „Vor allem, wenn wir gegen Teams aus dem Wiener Raum gespielt haben, ist mir dieses Phänomen vermehrt aufgefallen.“ Nachsatz: „Offensichtlich versteht der Großteil auch weniger vom Kicken.“

Die Kremser Schiedsrichter legende Karl Höferl hatte in seiner aktiven Zeit (bis 2012) nicht oft mit pöbelnden Eltern zu kämpfen. „Das kann man als Schiedsrichter ja auch lenken.“ Wenn es Eltern gab, die aggressiv wurden, seien sie zumeist ausländischer Herkunft gewesen, so Höferl.

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