Auch im Bezirk Krems werden spannende Wahlen erwartet. Knappe Rennen, neue Gesichter, geänderte Parteienlandschaft: Wo sich im Jänner einiges ändern könnte.

Von Johannes Mayerhofer und Isabel Schmidt. Erstellt am 17. September 2019 (05:50)
Wodicka; Foto-Montage Alex König
Wodicka; Foto-montage Alex König

Welche Partei den Bürgermeister stellt, scheint in manchen Städten und Gemeinden tatsächlich weitgehend vom Zufall abhängig zu sein. Das trifft vor allem bei kleinen Gemeinden mit nur einigen hundert Wahlberechtigten zu, wo bereits eine Wählerstimme einen erheblichen Unterschied ausmachen kann.

ÖVP gewann, aber die SPÖ stellt Bürgermeister

Eine dieser Gemeinden ist beispielsweise Lengenfeld mit knapp 1.400 Wahlberechtigten. Bei der letzten Gemeinderatswahl im Jahr 2015 erreichte die ÖVP mit 453 Stimmen (42,38 Prozent) Platz eins, sehr dicht gefolgt von der SPÖ mit 429 Stimmen (40,13 Prozent). Trotz des knappen Sieges der Schwarzen ist der Bürgermeister ein Roter: Christian Kopetzky.

Wodicka
Lengenfelds Bürgermeister Christian Kopetzky (SPÖ): „Beschließen meist alles einstimmig.“

Die SPÖ wurde nämlich von der Bürgerliste (17,5 Prozent) unterstützt. „Da habe ich mit einer etwa 100-jährigen Tradition gebrochen“, scherzt Kopetzky. Über viele Jahrzehnte war Lengenfeld nämlich fest in den Händen der ÖVP.

Die Kritik an Kopetzkys Politik, mit welcher die ÖVP während der letzten vier Jahre nicht gerade gespart hat, regt den Bürgermeister aber nicht auf: „Wenn man so lange an der Macht war und man den Bürgermeister plötzlich verliert, dann kann ich das schon verstehen“, so Kopetzky.

Beobachter der Legenfelder Kommunalpolitik meinen, es sei kein Wunder, dass die ÖVP von 2010 zu 2015 rund 18 Prozent und den Bürgermeisterposten verloren hat. So habe sich die Partei einen Rückstau in etlichen Bereichen geleistet. Von zahlreichen schubladisierten Bauakten ist etwa die Rede, welche nunmehr seit 2015 von der neuen Mehrheit abgearbeitet worden seien.

Bei aller Kritik: In den allermeisten Fragen seien sich die Gemeinderatsfraktionen einig. „88 Prozent der Beschlüsse sind einstimmig gefallen“, erzählt Kopetzky. Ob es bei den Gemeinderatswahlen im Jänner 2020 wieder knapp werden könnte? „Wir werden sehen.“

„Wollen die absolute SPÖ-Mehrheit brechen“

Interessant werden könnte es auch in Paudorf. Aktuell hält dort die SPÖ mit elf Sitzen im Gemeinderat die Mehrheit, während die ÖVP acht und die FPÖ zwei Sitze hat. Auch wenn es möglicherweise eng werden könnte: Josef Böck (SPÖ) strebt es auch nach den Gemeinderatswahlen an, weiterhin in seiner Funktion als Bürgermeister tätig zu sein.

Wodicka
Paudorfs Bürgermeister Josef Böck (SPÖ): „Will auch 2020 wieder Bürgermeister werden.“

„Wenn es mir gesundheitlich möglich ist und ich gewählt werde, habe ich vor, die darauffolgenden vier Jahre Bürgermeister zu bleiben“, erklärt Böck. Martin Rennhofer, aktuell geschäftsführender Gemeinderat der ÖVP, erzählt gegenüber der NÖN, im Glauben anzutreten, „die absolute Mehrheit der SPÖ in Paudorf zu brechen“.

„Man braucht gute Nerven und Diplomatie“

Abseits von knappen Wahlergebnissen gibt es auch die ein oder andere personelle Neuerung im Spitzenpersonal und der kommunalen Parteienlandschaft mancher Gemeinden. Einen neuen Bürgermeisterkandidaten bekommt etwa Straß im Straßertal. Vizebürgermeister Martin Leuthner wird mit Oktober das Bürgermeisteramt von Walter Harauer (beide ÖVP) übernehmen. Letzterer leitete Straß für beeindruckende 27 Jahre. Im Jänner wird Übergangsbürgermeister Leuthner sich dann bei den Wahlen behaupten müssen.

Seine Einschätzungen: „Ich sehe die Lage in Straß eher stabil. Die ÖVP hält 12 Mandate, die SPÖ fünf und FPÖ zwei“, sagt er im Gespräch mit den NÖN. Seit 2005 in der Gemeindepolitik und seit 2015 Vizebürgermeister, hat Leuthner schon einiges an kommunalpolitischer Erfahrung und weiß, welche Charaktereigenschaften das Bürgermeisteramt erfordert: „Gute Nerven und einen Sinn für Diplomatie – sowohl gegenüber der Opposition als auch gegenüber den Bürgern.“

Für seine Zeit als Bürgermeister sieht er sich jetzt schon einem vollen Terminkalender gegenüberstehen: „Wir haben mehrere Projekte im Bereich Tourismus, Digitalisierung von Infrastruktur und Schulmaterial sowie Straßenbau am Laufen“, so Leuthner.

„Wir wollten schon lange die Vereinigung mit der ÖVP. Jetzt funktioniert die Zusammenarbeit wieder sehr gut.“Franz Rosenkranz (UGL)

Auch in Albrechtsberg tut sich einiges, hier aber weniger auf der persönlichen, dafür auf der Parteien-Ebene. Die Unabhängige Bürgerliste (UGL) – welche mit Franz Rosenkranz seit 2015 den Bürgermeister stellt – und die lokale ÖVP haben beschlossen, bei dieser Wahl wieder gemeinsam als ÖVP anzutreten. „Der Beschluss ist vor etwa einem halben Jahr gefallen“, so Bürgermeister Rosenkranz.

Wodicka
Albrechtsbergs Bürgermeister Franz Rosenkranz (UGL): „Wollten lange Vereinigung mit der ÖVP.“

Der Wiedervereinigung gingen rund 19 Jahre der Polit-Konkurrenz voraus. Im Jahr 2000 trat die UGL, hervorgegangen aus den ÖVP-Gruppen in den Sprengeln Marbach und Els, erstmals an.

„Jetzt sind wieder die richtigen Personen am Werk“, kommentiert Gerhard Zeller, geschäftsführender ÖVP-Gemeinderat, die Wiedervereinigung. Und auch Bürgermeister Rosenkranz ist froh, dass die Zusammenarbeit wieder „sehr gut funktioniert“, auch wenn die ÖVP vor fünf Jahren eine Wiedervereinigung verhindert hat.

Umfrage beendet

  • Gemeinderatswahl 2020: Werdet ihr wählen gehen?