Lengenfelder Gemeinderats-Sitzung dauerte nur 5 Minuten. Dass die konstituierende Gemeinderatssitzung, zu der SPÖ-Bürgermeister Christian Kopetzky für Donnerstag, 2. April, in den Festsaal Lengenfeld lud, nicht zu Stande kommen wird, war zu erwarten. Sie wird aber sogar in die Geschichte eingehen ...

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 03. April 2020 (12:20)

Bei der Sitzung, die der Altersvorsitzende, der SPÖ-Mandatar Heribert Schnabl (70) pünktlich um 19 Uhr eröffnete, handelt es sich nämlich um die kürzeste Sitzung in der Geschichte der Marktgemeinde Lengenfeld.

ÖVP-Riege fehlte komplett

Kopetzky hatte erwartet, dass sich einige Mandatare wegen der aktuellen Situation in der Corona-Pandemie entschuldigen würden. Dass aber seine neunköpfige SPÖ-Riege und der einzige Bürgerlisten-Gemeinderat Ernst Thaller an Ort und Stelle sein würden und die komplette neunköpfige ÖVP-Riege durch Abwesenheit glänzte, war doch überraschend.

Sicherheitsabstand & Masken

Die Sessel und Tische der Mandatare waren im Festsaal mit Sicherheitsabstand aufgestellt, auf jedem Platz lag eine Atemschutzmaske. Zuschauer waren - mit Ausnahme von Berichterstattern - nicht erlaubt. Altersvorsitzender Schnabl begüßte die Anwesenden, um anschließend festzustellen, dass die Beschlussfähigkeit (Mindesterfordernis: zwei Drittel der 19 Mandatare) nicht gegeben war. Der Schluss der Sitzung erfolgte daher genau 5 Minuten und 30 Sekunden nach ihrer Eröffnung.

"Hätte mir das gerne erpart!"

Dazu, dass sich die ÖVP-Mandatare für die Sitzung geschlossen entschuldigt hatten und auch wirklich nicht erschienen, wollte Bürgermeister Kopetzky auf Anfrage der NÖN keinen Kommentar abgeben. "Mir wäre aber auch lieber gewesen, wir hätten uns diese Sitzung erspart", meinte er und äußerte sogar Verständnis, dass einige "möglicherweise exponierte Personen wirklich in Sorge waren. Ich sehe darin nichts außer Respekt vor der Situation."

Thaller: ÖVP macht "Theater"

Weniger diplomatisch äußerte sich Bürgerlisten-Chef Ernst Thaller, der hinter dem Verhalten der ÖVP-Opposition Taktik vermutet: "Ich muss hier schon die rhetorische Frage stellen, ob es, wenn die ÖVP die Wahl gewonnen oder ihrem Einspruch gegen das Ergebnis stattgegeben worden wäre, auch so ein Theater gegeben hätte!" 

Meier: "War keine Taktiererei!"

"Das war keine politische Taktiererei", hält dem ÖVP-Obmann Jürgen Meier im NÖN-Telefonat am nächsten Tag entgegen. "Es war ursprünglich vereinbart, dass die Mandatare fraktionsübergreifend nicht an der Sitzung teilnehmen.. Bei einigen ist das aus Altersgründen auch wirklich nicht vernünftig." Das gelte auch für den Senior unter den Gemeinderäten, Heribert Schnabl. 

Neues Gespräch, neuer Termin

Dass die SPÖ-Riege dann doch geschlossen anwesend war, weiß Meier auch zu deuten: "Wären wir doch aufgetaucht, hätten wir vielleicht einen anderen Bürgermeister gewählt!" Es gebe am Wochenende noch ein Gespräch zwischen ihm und Kopetzky. Dan werde man weitersehen. Für Donnerstag, 9. April, 19 Uhr, ist jedenfalls die nächste Sitzung - am selben Ort und im selben Modus wie die vergangene - geplant.

Rechtliche Fragen unklar

Während Kopetzky sich bei der neuerlichen Ausschreibung auf Auskünfte der Kremser Bezirkshauptmannschaft ("Die haben uns geraten, dass wir einladen sollen, und zwar möglichst rasch!") und Land NÖ beruft, glaubt Meier, dass man die Bürgermeisterwahl durchaus zu einem späteren Zeitpunkt durchführen könnte. Er beruft sich dabei unter anderem auf Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl, der auch im vorwöchigen NÖN-Interview so argumentiert hatte.

Mehr über die aktuelle Situation lest ihr in der Kremser NÖN am Mittwoch!