Gföhl

Update am 01. Januar 2019, 23:11

von Martin Kalchhauser

Cobra-Einsatz nach Selbstmorddrohung. Dramatischer Neujahrstag: 27-Jähriger schoss sich in Bauch und starb im Krankenhaus.

Symbolbild  |  Von Jaromir Chalabala, Shutterstock.com

Mit einem dramatischen und zugleich sehr traurigen Ereignis begann das neue Jahr in der Stadtgemeinde Gföhl: Ein 27-jähriger Selbstmörder löste dort am Dienstag, 1. Jänner, einen Cobra-Einsatz aus.

Selbstmord mit Schusswaffe angekündigt

Der 27-jährige Mieter einer der Startwohnungen der Gemeinde in der Missongasse kündigte kurz nach 7.15 Uhr telefonisch seinen Selbstmord durch Erschießen an. Da der junge Mann im Besitz einer Schusswaffe war, gab es Grund zur Annahme, dass der Maurer sein Vorhaben auch in die Tat umsetzen würde.

Polizei im Dialog, Einheit Cobra alarmiert

Unverzüglich fuhren Beamte der Polizeiinspektion Gföhl zum Mehrparteien-Wohnhaus, um die Verzweiflungstat zu verhindern. Zugleich wurde auch der Rettungswagen des Gföhler Roten Kreuzes in der Nähe der Wohnung des Mannes in Stellung gebracht. Die Gföhler Beamten konnten den Mann in ein Gespräch verwickeln, während die Polizei-Sondereinheit Cobra Kräfte nach Gföhl in Bewegung setzte.

Mit Elektro-Taser außer Gefecht gesetzt

Als diese anwesend waren, weitere Gespräche nicht fruchteten und auch die Gefahr bestand, der Gföhler könnte seine Waffe gegen andere Personen richten, erfolgte ein Zugriff. In dessen Zuge konnte der 27-Jährige gegen 10.45 Uhr mit Hilfe eines sogenannten Tasers (einer Elektroschock-Pistole, Anm.) außer Gefecht gesetzt werden.

27-Jähriger jagte sich Kugel in den Bauch

Im Zuge des Geschehens gelang es dem Mann aber auch, die Waffe an seinen eigenen Körper zu setzen und sich selbst eine Kugel in den Bauch zu schießen. Unverzüglich erfolgte die Versorgung des von den Einsatzkräften überwältigten Verzweifelten durch das zu Hilfe gerufene Team des Kremser ÖAMTC-Notarzthubschraubers Christophorus 2.

Im Universitätsklinikum Krems verstorben

Der schwer Verletzte wurde ins Kremser Universitätsklinikum geflogen und umgehend versorgt. Dennoch erlag er am Nachmittag im Spital seinen schweren Verletzungen. Mutmaßlich dürfte er mit dem Schuss eine zentrale Vene oder Arterie verletzt haben und innerlich verblutet sein.

Staatsanwaltschaft ordnete Obduktion an

Seitens der Polizei gab es am Tag der Tat keine Auskünfte, wegen der laufenden Ermittlungen konnte auch die Staatsanwaltschaft Krems keine Detail-Auskünfte geben. Staatsanwältin Susanne Weidecker: „Es läuft ein umfassendes Ermittlungsverfahren. Weitere Aussagen wären derzeit unseriös. Eine Obduktion ist angeordnet.“

Gerücht um Abschiedsbrief an Oma & Opa

Entsprechend fehlender offizieller Informationen konnte auch das Gerücht, der später Verstorbene habe einen Abschiedsbrief verfasst, nicht verifiziert werden. Darin soll es unter anderem sinngemäß, an die verstorbenen Großeltern gewandt, heißen: „Oma und Opa, ich komme jetzt zu euch!“ Auch ob der Mann die Waffe rechtmäßig besessen hat, war vorerst nicht zu eruieren.

Stadtchefin Etzenberger über Vorfall bestürzt

Bestürzt zeigte sich Bürgermeisterin Ludmilla Etzenberger, der der Mieter einer der Startwohnungen – Wohnungen, die jungen Leuten oder Zuzüglern für eine begrenzte Zeit zur Verfügung stellt – jedoch nicht persönlich bekannt war. Die Stadtchefin war in Kontakt mit der Polizei, erfuhr aber erst am Abend durch den NÖN-Anruf davon, dass der Mann verstorben war.

„Unsicherheit bei den anderen Mietern“

„Ein trauriger Neujahrsbeginn“, meinte Etzenberger, die sich ab 2. Jänner auch mit den anderen Mietern in Verbindung setzen wollte, weil es „wegen der Vorfälle jetzt natürlich eine Unsicherheit unter den weiteren Mietern des Hauses“ gebe. Sie möchte den Vorfall auch mit den Mitarbeitern ihrer Gemeindeverwaltung aufarbeiten.