Hilferuf: Hausärztin packt aus. Allgemeinmedizinerin Alexandra Holzmann-Masin zeigt Missstände bei Bewältigung der Coronavirus-Krise auf. Ehemann trotz Kontakt mit COVID-positiver Person nicht getestet.

Von Gerald Mayerhofer. Erstellt am 07. Mai 2020 (16:59)
Die aus der Wachau stammende Allgemeinmedizinerin Alexandra Holzmann-Masin betreibt seit elf Jahren ihre Ordination in Gföhl und richtete einen Hilferuf an die Politik.
GM

Die Österreichische Bundesregierung ist ihrer Pflicht, im Zuge der Corona-Pandemie rasch zu handeln, nachgekommen. Dennoch zeigte sich bald, dass die Umsetzung der Erlässe und Verordnungen nicht immer optimal verlief. Die Allgemeinmedizinerin Alexandra Holzmann-Masin aus Gföhl machte einige ihrer Erlebnisse dazu öffentlich.

Nur wenige Wochen nach Beginn der Pandemie hatte ihr Ehemann, der ebenfalls als Arzt tätig ist, Kontakt mit einer kranken Person, die nur wenig später COVID-positiv getestet wurde. Als ihr Gatte sie darüber informierte, schloss Alexandra Holzmann-Masin vorsorglich sofort ihre Ordination in Gföhl, um selbst keine Patienten anzustecken. Sie erstellte eine Liste mit allen Patienten, mit denen sie zwischenzeitlich Kontakt hatte (es waren über 70 Personen!) und wählte die Coronavirus-Hotline 1450.

Ohne Symptome kein Corona-PCR-Test

Der Rückruf der BH Krems erfolgte am Tag darauf: Man erkundigte sich nach ihrem Befinden. Da die Medizinerin keine Symptome einer Erkrankung hatte, wurde ihr mitgeteilt, dass sie – wie auch ihr Ehemann – nicht getestet werde. Ihr wurde eindringlich nahegelegt, die Ordination wieder aufzusperren, da sie eine Arbeitspflicht hätte. Man erklärte ihr, „dass ein nicht getesteter Arzt ein nicht positiver Arzt ist und das System zusammenbricht, wenn niemand mehr arbeitet.“ Schutzbekleidung wurde den praktischen Ärzten im ländlichen Gebiet bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch nicht zur Verfügung gestellt. Die Ärztin erhielt lediglich fünf Gesichtsmasken für die gesamte Ordination.

Sie bemängelt weiters, dass Hausärzte nicht nur im Zusammenhang mit der Schutzausrüstung lange Zeit im Stich gelassen wurden – praktische Ärzte waren mit Gegebenheiten konfrontiert, an die niemand gedacht hätte: So entfernte die Medizinerin einer Patientin, die kurz vor den Ausgangsbeschränkungen in Ungarn einer Zahnbehandlung unterzogen hatte, Nähte aus dem Mund.

Die kämpferische Hausärztin wird uns im Laufe der nächsten Wochen in einem „Coronavirus-Tagebuch“ an ihren Erlebnissen teilhaben lassen.