Kremser „Sandler“: Bahnhof-Lösung ausständig. Politik fand über Winter keine Strategie für Problematik um „Sandler“. Am 2. Mai wird diskutiert.

Von Franz Aschauer und Martin Kalchhauser. Erstellt am 16. April 2019 (04:45)
Martin Kalchhauser
Wenn es wärmer wird, ist auch wieder mit schlafenden Alkoholleichen auf den Bänken am Bahnhofplatz zu rechnen.

Wenn die Temperaturen im Frühling ansteigen, freuen sich die Schanigärtenbesitzer über steigende Gästezahlen. Am Bahnhofplatz wird aber nicht nur zahlende Kundschaft erwartet, sondern auch wieder jene Problemgruppe, die die Unternehmer seit geraumer Zeit mit ihrem Verhalten quält. Unsachgemäß entsorgter Müll, Gestank, Trunkenheit oder weil sie sogar ihre Notdurft in aller Öffentlichkeit verrichten – die „Sandler“, wie die NÖN diese Menschen nannte, regen auf.

Abseits des eigentlichen Themas entflammte schon im Vorjahr eine Debatte, wie man die betroffenen Personen nennen sollte. Den Begriff „Sandler“ vermied die Politik tunlichst. Vizebürgermeisterin Eva Hollerer, die als Sozialstadträtin für eine Lösung der Problematik zuständig ist, sieht am Bahnhofplatz „zehn bis zwölf Menschen, die ein Alkoholproblem haben und es mit der Hygiene nicht so ernst nehmen“.

Darüber, wie es mit dieser Personengruppe weitergehen soll, tauschte sie sich im September des Vorjahres mit Anrainern, ansässigen Unternehmern, Magis-trat und Polizei aus. Seitdem kehrte – aufgrund des Winters – Ruhe in die Angelegenheit ein.

„Oase“ ist für Hollerer diskriminierend

Vom damaligen Vorschlag von Otto Raimitz, der mit seinem Caféhaus einer der Hauptbetroffenen ist, eine „Oase“ mit Bänken, Tischen und mobilen Toiletten für die „Sandler“ zu schaffen, hält Hollerer, nachdem sie ihn nach dem Gipfeltreffen gegenüber der NÖN zumindest noch als „Lenkungsversuch“ bezeichnet hatte, heute gar nichts mehr. „Das ist nicht ausgegoren. Man kann nicht den Bewegungsradius von freien Bürgern einschränken. Das wäre wie eigene Tische für Blondinen in Schanigärten.“

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Wegen ihres Schweigens kritisiert: Vizebürgermeisterin Eva Hollerer

Darüber hinaus meint Hollerer, dass das Problem von der NÖN aufgebauscht worden sei. „Die Gesellschaft hat viele Probleme. Die Forderung, dass die Politik mit dem Schwert durchgehen soll, ist ein bisschen einfach. Wir werden das richtige Maß finden müssen.“ Wie das aussieht, soll bei einem neuerlichen Zusammentreffen der wichtigsten Stakeholder am 2. Mai geklärt werden.

Ob es danach eine konkrete Lösung geben wird? „Ich weiß es nicht“, sagt Hollerer. Ihr Vorschlag für den Bahnhofplatz ist, Sitzmöbel aufzustellen, die das Hinlegen erschweren. Dem Problem, dass Müll nicht in den dafür vorgesehenen Behältern entsorgt wird, könne man nicht beikommen. „Mehr als Mistkübel direkt neben den Bänken aufstellen, kann ich nicht tun.“

NOEN
Bezirkspolizeikommandant Manfred Matousovsky: „Zu befürchten, dass Problem wieder aufschlagen wird.“

Bezirkspolizeikommandant Manfred Matousovsky berichtet indes, dass es am Bahnhofplatz im Winter ruhig gewesen sei. „Durch die kalte Jahreszeit sind, saisonal bedingt, keine weiteren negativen Vorfälle eingetreten. Es ist aber zu befürchten, dass das Problem wieder aufschlagen wird.“

Seine Beamten und er würden die Situation weiter im Auge behalten. „Auch wenn die Angelegenheit, wie mehrfach betont, keine primäre Polizei-Thematik ist.“

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