Hitler-Bilder im Mauterner Pflegeheim?. Psychiaterin schrieb, Mauterner Heimbewohner horte Aufnahmen aus NS-Zeit.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 18. Juni 2019 (05:29)
Johann Lechner
Erhard Pichler wehrt sich gegen das Gutachten von Psychiaterin Anna Haag. Foto: Johann Lechner

Beinahe exakt ein Jahr ist es her, dass Erhard Pichler Besuch von einer Ärztin im Pflegeheim Mautern bekam. Der pensionierte Baumeister war zu diesem Zeitpunkt in Pflegegeldstufe vier kategorisiert, Anna Haag, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, untersuchte im Auftrag der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) die Rechtmäßigkeit dieses Status.

Pichler, der jahrzehntelang ein wahrer Behördenschreck war, sich vor Gericht mit Ministern anlegte und Anfang der 1970er-Jahre unter umstrittenen Umständen zwangsweise in die Psychiatrie eingeliefert wurde, bekam auf Haags Empfehlung hin nur noch Pflegestufe eins zugebilligt. Für den streitbaren früheren Mittelberger bedeutet das eine Einkommensreduktion um über 500 Euro – ein Grund für Pichler, um vor Gericht zu ziehen. „Ich hätte gerne Pflegestufe zwei“, erzählt er.

„Hortet Bilder von Hitler in seinem Zimmer“

Was für Pichler, nachdem er das ärztliche Gutachten im Mai dieses Jahres zugesendet bekommen hatte, aber einen noch viel größeren Schock auslöste als die finanziellen Einbußen, waren Haags schriftliche Anmerkungen zur Zimmerdekoration des 81-Jährigen. „Er hortet Bilder von Adolf Hitler in seinem Zimmer und zeigt eine positive Affinität zum Nationalsozialismus; ob er nach wie vor nationalsozialistische Devotionalien sammelt, ist unklar bzw. dieser Frage wird ausgewichen.“

Offen zu sehen gewesen seien keine derartigen Gegenstände, schreibt die Psychiaterin weiter, empfiehlt aber „die Kontaktaufnahme mit einer Rechtsabteilung bzw. einer polizeilichen Behörde“.

Die Behauptungen Haags sind für Pichler unerklärlich. „Ich habe weder Hitler-Bilder noch NS-Devotionalien, geschweige denn habe ich irgendein Wort über meine politische Einstellung verloren. Sie hat drei Sätze mit mir geredet, dann mit einer Schwester geschwatzt und auf Basis dessen dieses Gutachten erstellt.“

Die Kontaktaufnahme mit „zwei Pflegerinnen“ führt Haag an. Nach deren Angaben ist Pichler „das ‚Enfant terrible‘ des Heims; er ist unfreundlich, fordernd und lehnt Pflegemaßnahmen ab“, heißt es im Gutachten. Dass er nicht zu allen Teilen des Personals ein gutes Verhältnis habe, räumt Pichler ein. „Etliche Pflegerinnen und Heimärzte haben furchtbare Sachen gegen mich aufgeführt“, führt er als Begründung an.

Mit Direktorin Christine Baumühlner verstehe er sich hingegen gut. Die steht ihrem Bewohner jetzt zur Seite: „In seinem Zimmer hängen sicher keine Hitler-Bilder.“ Warum die Psychiaterin dies dann in ihrem Gutachten angeführt habe und Pichler darin als „Enfant terrible“ bezeichnet wird, dafür habe sie keine Erklärung, sagt Bau mühlner.

NS-Vorwürfe sollen entfernt worden sein

Seitens der PVA teilt Pressesprecher Markus Stradner zum Gutachten mit: „In den Gesprächen, die die Gutachterin vor dem Termin mit dem Patienten geführt hat, kamen auch die angesprochenen Themen zur Sprache, die in dem Bericht vermerkt wurden.

Nach einer neuerlichen Prüfung der Landesstelle wurde das Gutachten dann ohne die diesbezüglichen Anmerkungen der Sachverständigen im Sozialgerichtsverfahren vorgelegt.“ „Stimmt nicht“, sagt Pichler. Es sei lediglich eine der zwei Passagen zu seinen angeblichen NS-Verstrickungen gestrichen worden.