Minusstunden mit Urlaub gegengerechnet: AK Krems half

Erstellt am 22. September 2022 | 16:35
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Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiterin Doris Schartner und Kammerrätin Angela Fischer, Betriebsrätin im Universitätsklinikum Krems, freuen sich über 1,76 Millionen für die Mitglieder.
Foto: Franz Aschauer
Eine kreative Form der Buchhaltung in einer öffentlichen Erwachsenenbildungseinrichtung rief die Arbeiterkammer Krems auf den Plan, die alleine im ersten Halbjahr 1,76 Millionen Euro für ihre Mitglieder erstritt.

Auch wenn es am Ende nur um 100 Euro ging, steht dieser Fall doch symbolisch für den Rattenschwanz an Problemen, die Corona in der Arbeitswelt nach sich zog. Eine Dienstnehmerin, für 20 Stunden beschäftigt bei einer öffentlichen Erwachsenenbildungseinrichtung im Raum Krems, kam durch die pandemiebedingten Schließungen und die damit verbundenen Kursstreichungen in geringerem Ausmaß zum Einsatz, wodurch Minusstunden entstanden. Als sich die Betroffene nach mehrehren Monaten weigerte, die monatlichen Stundenabrechnungen zu unterschreiben, wurde das Dienstverhältnis einvernehmlich aufgelöst, berichtet die Arbeiterkammer Krems. „Bei der Endabrechnung stellte sich heraus, dass der Arbeitgeber die angeblichen Minusstunden mit dem offenen Urlaub gegenrechnete. Das geht natürlich gar nicht“, sagt Bezirksstellenleiterin Doris Schartner, die die Auszahlung des offenen Urlaubs für die Betroffene erwirkte.

Persönliche Beratung nahm durch Corona ab

Fälle wie diese sind es, mit denen die Arbeiterkammer tagtäglich zu tun hat. Alleine im ersten Halbjahr des Jahres 2022 führte das sechsköpfige Team der Bezirksstelle Krems 3.305 konkrete Beratungen in Problemfällen durch, was den Mitgliedern insgesamt zu 1,76 Millionen Euro verhalf. Knapp 8.100 Bürger nahmen in den ersten sechs Monaten des Jahres Kontakt zur AK Krems auf. „Dabei ging es manchmal lediglich um rasche Auskünfte und Informationen zu Kurzarbeit, einvernehmlicher Lösung, Kündigung, Quarantänebestimmungen, Homeoffice und Freistellung wegen Kinderbetreuung“, erzählt Schartner. Während die persönliche Beratung in Folge der Corona-Krise etwas abgenommen habe, seien die Anfragen per Mail und Telefon deutlich gestiegen.

Krankenhaus-Betriebsrätin kritisiert Politik

Die pandemiebedingten Auswirkungen bekommt indes auch die Belegschaft des Universitätsklinikums Krems nach wie vor intensiv zu spüren, berichtet Betriebsrätin und AK-Kammerrätin Angela Fischer. Der Personalmangel in Ärzteschaft, Pflege und Verwaltung sei akut. „Die politischen Verantwortlichen haben dieses Thema nicht ernst genommen. Wichtige Operationen mussten verschoben werden, die versuchen wir jetzt nachzuholen.“ Fischer fordert die Finanzierung der Ausbildung für das Fachpersonal. Der Klinikleitung macht sie keinen Vorwurf: „Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, aber ihre Ressourcen sind erschöpft.“