Kremser Rotkreuz-Fahrzeug aus Garage gestohlen. Ein Rettungsfahrzeug des Kremser Roten Kreuzes stahl ein 29-jähriger Wiener in der Nacht vom Donnerstag, 2. April, auf den Freitag, um damit zu seinen Eltern im Bezirk Waidhofen an der Thaya zu fahren.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 05. April 2020 (15:25)
Dieser Rettungswagen des Kremser Roten Kreuzes mit der internen (Funk-)Kennung 75003 wurde aus der Garage der Bezirksstelle Krems gestohlen.
Martin Kalchhauser

Während wegen des laufenden Neubaus der Bezirksstelle am Mitterweg die meisten Fahrzeuge des Roten Kreuzes aktuell (versperrt) im Freien parken, stehen jene sieben, die im Betrieb zuerst zum Einsatz kommen, fahrbereit in der verschlossenen Garage.

In die Garage geschlüpft

Bei der abendlichen Kontrolle um 21.45 Uhr waren alle Fahrzeuge an ihrem Platz. Doch wenig später dürfte der Wiener die Ausfahrt eines Rettungswagens für seinen Coup genutzt haben. "Er ist offenbar noch vor dem Schließen des automatischen Tores in die Garage geschlüpft", vermutet Bezirksstellen-Geschäftsführer Manfred Türk.

Fast 100 Kilometer unterwegs

Dann nahm der entlassene Patient den Rettungswagen 75003 in Betrieb und fuhr damit die rund 95 Kilometer lange Strecke zu seinem Elternhaus. Die Schwester des Patienten meldete der örtlichen Polizei in Dobersberg, Bezirk Waidhofen, dass ihr Bruder mit einem Rettungswagen nach Hause gekommen sei. Darauf wurden die Ermittlungen in Gang gesetzt.

"Fehlt Ihnen ein Rettungswagen?"

Der Dienstführer des Kremser Roten Kreuzes staunte nicht schlecht, als ihn um 0.30 Uhr am 3. April der Anruf der Polizei erreichte: "Fehlt Ihnen ein Rettungswagen?" Als auch die Ortung des Fahrzeuges - der Dieb hatte auch den Fahrzeugfunk in Betrieb genommen - ergab, dass sich das Fahrzeug im Norden des Landes befand, war alles klar. Das Auto wurde wieder nach Hause geholt.

Glücklich über das Happy End

"Es ist unglaublich, dass der Mann mit dem Fahrzeug gut an sein Ziel gekommen ist", wundert sich Türk. Er ist zugleich froh, dass der Rettungswagen unbeschädigt wieder übernommen werden konnte. Und kann auch schon wieder schmunzeln: "Vielleicht ist der Mann ja auch mit Blaulicht gefahren. Jedenfalls sind wir gespannt, ob Radarstrafen kommen werden."

Täter hat Erinnerungslücken

Froh über den Ausgang des skurrilen Vorfalles ist man auch auf den Seiten der Ermittler. Immerhin verlief die illegale Spritztour ohne Unfall, und es kamen keine Menschen zu Schaden. Wie die NÖN in Erfahrung bringen konnte, handelt es sich beim Täter nämlich um einen psychisch kranken Mann. Gegenüber der Polizei gab sich dieser jedenfalls wortkarg und wollte sich an keine Details mehr erinnern können.