Heinz Boyer: „Die Politik traut sich da nicht ran“. IMC-Gründer Heinz Boyer über sein Herzensthema Kremser Innenstadt, das Parksystem und unausgeschöpfte Potenziale.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 16. Juli 2020 (05:30)
Heinz Boyer brennt auch mit 75 Jahren noch für seine Heimatstadt Krems.
: Franz Aschauer

NÖN: Sie haben unter anderem als Sprecher der Plattform „Wir für Krems“ den Diskurs über die Innenstadt jahrelang mitgeprägt. Warum liegt sie Ihnen so am Herzen?

Heinz Boyer: Weil sie etwas Besonderes ist. Wir haben alleine durch die Innenstadt ein ganz tolles Image. Ich bin stolz, sagen zu dürfen, „ich bin ein Kremser“. Mit dieser Plattform wollten wir damals nicht nur kritisieren, sondern mitgestalten. Und vor allem auch die Politik pushen. Das Schlimmste ist, wenn man glaubt, man kann alles von oben steuern. Man muss die Leute mitnehmen.

Als langjähriger Direktor der HLF und absoluter Tourismusexperte: Wie reizvoll ist die Kremser Innenstadt für Gäste aus dem In- und Ausland?

Boyer: Wir dürfen dort arbeiten, wo die Anderen Urlaub machen. Der Mensch hat das Bedürfnis nach kleinen, überschaubaren Einheiten. Und die haben wir.

Welche Potenziale werden noch nicht ausgeschöpft?

Boyer: Krems liegt zwischen den Hotspots Wachau und Grafenegg. Ich habe manchmal das Gefühl, da passiert sehr viel eigenständig, aber die Verknüpfung funktioniert noch nicht so. Für mich ist Krems das Zentrum. Grafenegg wird schon ein eigener, selbstständiger Kreis, wo man auch wohnen kann. Nur hat man hier nicht das Flair, das man in Krems hat. Touristisch gesehen gibt es also noch Möglichkeiten. Dafür braucht es auch überschaubare Vier- und Drei-Sterne-Hotels, die sicherlich möglich sind, um mit den Hotspots im Westen und Osten zu partizipieren. Im Bildungsbereich ist bereits viel passiert, da sind wir wirklich weit vorne. Jetzt gilt es das Augenmerk, auf den medizinischen und biotechnologischen Bereich zu richten. Da sind die Arbeitsplätze drinnen. Die Achse Wissenschaft und Wirtschaft muss noch enger zusammengeführt werden.

Sie forderten schon vor Jahren ein professionelles Stadtmarketing für Krems. Mittlerweile gibt es diese Institution seit über einem Jahr. Wie wichtig war dieser Schritt?

Boyer: Das war entscheidend. Der zentrale Punkt ist, Krems zu vermarkten. Ich war nicht dabei bei der Auswahl des ersten Geschäftsführers. Ich habe gleich gesagt, er ist für mich zu alt. Er hat immer das Gefühl gehabt, er muss uns als Aufsichtsrat fragen, wenn er etwas machen will. Wir brauchen in dieser Stadt mehr Engagement für junge und dynamische Leute. Sie denken ganz anders. Wenn es gelingt, diese anderen Überlegungen mit unserem Erfahrungsschatz zu bündeln, dann kommen wir weiter.

Wie bewerten Sie die Arbeit des Geschäftsführers Horst Berger?

Boyer: Äußerst positiv. Der Maskenautomat in der Innenstadt war medial ein Volltreffer, der neue Krems-Slogan durchdringt mit all den Plakaten in der Stadt die Bevölkerung. Es ist erfrischend, was er gemacht hat. Es ist von absoluter Wichtigkeit, dass wir uns alle dahinterstellen. Es darf nicht 100 Einzelaktionen geben. Das ist das Schlimmste, was passieren kann. Wir haben jetzt das Stadtmarketing, darin müssen wir unsere Kräfte bündeln.

Trotz Bergers Engagements schwebt eine nicht enden wollende Parkdebatte wie ein Damoklesschwert über seiner Arbeit. Nun schenkt die Stadt eine Stunde Parken her, die mittägliche Gratis-Parkzeit wurde abgeschafft. War das klug?

Boyer: Es wird längst an der Zeit, das Thema Parken ordentlich und einfach zu lösen. Es ist furchtbar, dass wir uns immer noch damit beschäftigen. Wir müssen über den Schatten springen. Wozu diese zwei Zonen? Einmal ist es grün, einmal ist es blau. Ich selbst hatte vor Kurzem ein Erlebnis mit einem Parkwächter, der mir erklärt hat, dass ich auf dem Parkplatz, wo mein Auto stand, nur eine Parkuhr und keinen Parkschein brauche. Als ich meine Verwirrung zum Ausdruck brachte, hat er dann selber zu mir gesagt, „wir kennen uns selber bald nicht mehr aus“. Das sagt alles aus. Die Politik muss das lösen!

Viele Innenstadt-Unternehmer fordern zusätzliche Parkplätze. Wie lässt sich dieser Wunsch mit dem klimaschonenden Zeitgeist vereinbaren?

Boyer: Sogar Wien überlegt, den ersten Bezirk autofrei zu machen. Wenn man das auf den Kremser Innenstadt-Bereich umlegt, würde jeder Ja dazu sagen, aber auch, dass man schauen muss, Parkmöglichkeiten zu schaffen. Man kann damit nur unter die Erde gehen. Das wird die Zukunft sein. Die Geschäfte werden mehr verdienen, als wenn die Autos in der Stadt stehen. Das ist ein hochbrisantes Thema. Da traut sich die Politik nicht ran.