Kremser Stadtgraben bleibt gesperrt. Private Baustelle dauert ein halbes Jahr länger als ursprünglich angegeben. Was selbst für Verkehrsstadtrat unerwartet kommt, wusste Behörde schon vor Baubeginn.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 14. Januar 2020 (05:51)
„Straßensperre bis 20. 12. 2019“: Vor der Baustelle findet sich kein Hinweis, dass noch bis Ende Juni gearbeitet wird.
Johann Lechner

Der Stadtgraben ist die Verbindung zu den höher gelegenen Teilen von Krems und dient für den Schulverkehr als Zufahrt zum Piaristengymnasium und den Mary Ward Schulen. Seit Ende Mai des vergangenen Jahres ist die wichtige Route ab der Kreuzung mit der Alauntalstraße und der Stöhrgasse gesperrt. Grund ist eine private Baustelle, wegen der eine Umleitung über den Pfarrplatz, den Hohen Markt und die Wachtertorgasse eingerichtet wurde.

Scheichel:  „Glücklich kann man darüber natürlich nicht sein“

Bei einem Lokalaugenschein fällt auf: Eigentlich sollte die Straße längst wieder frei sein. „Straßensperre bis 20. 12. 2019“, heißt es auf einem Hinweisschild unmittelbar vor der Baustelle. Von einer Fertigstellung scheint das Haus allerdings noch weit entfernt.

Diesen Eindruck bestätigt der Magistrat und klärt auf: „Die Bauzeit ist bis Ende Juni verlängert worden.“ Die Straßensperre bleibt also noch mehr als ein halbes Jahr aufrecht. Schuld daran sind nicht etwa eine falsch kalkulierte Bauzeit oder Probleme auf der Baustelle. Die Behörde wusste, dass die Arbeiten gut und gerne ein Jahr dauern würden, kürzte die Bauzeit aber, damit „ein bisschen Druck dahinter ist“, heißt es aus dem Magistrat.

Verkehrsstadtrat Alfred Scheichel (SPÖ) ist über die verlängerte Sperre des oberen Stadtgrabens „nicht glücklich“.
Martin Kalchhauser

Für den Umbau und die Renovierung des Hauses im Besitz eines Konzernchefs zeichnet die Kremser Baufirma Schubrig verantwortlich. Es entsteht ein „Dreiparteienhaus, das am Ende des Tages als Privathaus genutzt wird“, erzählt Bauleiter Stefan Nastl.

Die lange Bauzeit erklärt er damit, dass es sich um ein komplexes Objekt in schwieriger Lage handle. „Das hätte auch zwei Jahre dauern können.“ Dass die Anrainer keine große Freude mit der Baustelle haben, sei verständlich, sagt Nastl.

Nicht über die deutlich längere Sperre des Stadtgrabens informiert war übrigens Verkehrsstadtrat Alfred Scheichel. „Glücklich kann man darüber natürlich nicht sein“, sagt er im Gespräch mit der NÖN. Wenngleich der SPÖ-Mann betont: „Ich habe noch von keinen Beschwerden gehört.“

Umfrage beendet

  • Dürfen private Baustellen den Verkehr beliebig behindern?